Tote durch Jäger und Jägerwaffen 2015

Seit dem Jahr 2001 dokumentiert die Initiative zur Abschaffung der Jagd die Opfer von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen. Auch in diesem Jahr schockierten Meldungen über Menschen, die von Jägern erschossen wurden, die Öffentlichkeit: 2015 gab mindestens 23 Tote durch Jäger und Jägerwaffen.Vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe von Jagdunfällen und Straftaten mit Jägerwaffen fordert die Initiative zur Abschaffung der Jagd: Abschaffung der Hobbyjagd JETZT!


Liest man die Todesmeldungen, so fällt auf, dass es sich dabei weniger um klassische Jagdunfälle (»Jäger verwechselt Jagdkollegen mit Wildschwein«) handelt, sondern vor allem um Beziehungstaten (»Jäger erschießt Ex-Freundin und Nebenbuhler«, »Jäger erschießt Ehefrau«, »Jäger erschießt Vater«) und andere bewaffnete Auseinandersetzungen (»Jäger erschießt Nachbarn«, »Jägerin erschießt Vermietern«) handelt.

Meldungen über klassische Jagdunfälle gab es vor allem während der Erntejagden von August bis Oktober mit Beginn der herbstlichen Jagdsaison zu, wenn also mehrere Jäger ein Feld umstellen, um während der Ernte auf fliehende Tiere zu schießen oder bei den so genannten Gesellschaftsjagden, wenn bei Treib- und Drückjagden 25, 50 oder noch mehr Schützen Jagd auf Wildschweine oder Rehe machen. Dabei wurde wie in den letzten Jahren auch der ein oder andere Treckerfahrer getroffen, sogar ein Junge auf einem Trecker sowie ein Junge auf dem Fahrrad, doch die meisten Jagdunfälle endeten zum Glück nicht tödlich. Die schreckliche Ausnahme: Im Havelland hatte ein Jäger vom Hochsitz aus auf ein Liebespaar geschossen. Der junge Mann wurde tödlich getroffen, seine Freundin schwer verletzt, so dass sie notoperiert werden musste.
Einen weiteren tödlichen Jagdunfall gab es im Januar, als sich ein Jäger beim Herabsteigen vom Hochsitz aus Versehen selbst erschoss.

Jährlich werden den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften über 800 Jagdunfälle (andere Quellen sprechen von bis 1600) gemeldet.
Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen (Jäger erschießt Frau oder Nachbarn) gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat. Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die »Strecke« der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.



Tote durch Jäger und Jägerwaffen

Die Meldungen, die Sie im Folgenden lesen, wurden aufgrund von vorliegenden Presseberichten erstellt. Dies kann sicherlich einerseits zu Fehlerquellen führen, andererseits niemals alle Fälle erfassen kann. Die Aufstellung erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.

21.12.2015: Beziehungsdrama mit Jäger: 3 Tote, 1 schwer Verletzter
Ein Jäger hat in Bayreuth drei Menschen erschossen und einen Mann schwer verletzt. Dies berichtet der Nordbayerische Kurier am 21.12.2015.
Der Jäger erschoss zunächst seine 32-jährige Ex-Freundin, ihren Vater und verletzte ihren Freund schwer. Dann erschoss er sich selbst. „Der 41-Jährige war Jäger, die Tatwaffe besaß er legal“, so die Zeitung.

25.11.15: Jäger erschoss Vater und sich, Mutter verletzt (2 Tote)
Ein 22-jähriger Jäger hat auf seine Eltern geschossen: Der Vater, ebenfalls Jäger, wurde mit einer Jagdwaffe erschossen, die Mutter überlebte schwer verletzt. Anschließend tötete der Sohn sich selbst: Die Polizei fand die Leiche in der Nähe eines Hochsitzes. Dies meldet der NDR am 25.11.2015.

29.9.15: Jäger erschießt Ehefrau und sich selbst (2 Tote)
Im Hunsrück soll ein 46-Jähriger seine 42-jährige Ehefrau erschossen haben, weil sich die Frau von ihm trennen wollte. Die Leiche des Jägers wurde mit Schussverletzungen im Wald neben einem Hochsitz gefunden. Dies berichtet der SWR am 29.9.2015. „Der Familienvater, der auch Jäger war, hat sich dort offenbar selbst das Leben genommen.“

11.9.2015: Stieftochter erschossen (1 Tote)
Ein 42-Jähriger hat in Freiburg seine 21 Jahre alte Stieftochter erschossen. Dies meldet die Badische Zeitung am 11.9.2015. Hintergrund sollen Familienstreitigkeiten gewesen sein. Der Täter stellte sich der - die Schusswaffe hatte er noch bei sich. Ob der Mann Jäger oder Schütze war, ist noch nicht bekannt.

10.9.15: Jäger erschießt Mann, verletzt Frau schwer (1 Toter)
Ein Jäger hat im Havelland bei Nauen vom Hochsitz aus auf ein Pärchen geschossen, dass es sich abends in einem Feld auf einer Decke und mit einem Getränk gemütlich gemacht hatte. Der 31-jährige Mann wurde erschossen, seine 23-jährige Freundin schwer verletzt, so dass sie notoperiert werden musste. „Laut Polizei und Staatsanwalt sagte der 30-jährige Jäger in einer ersten Vernehmung, dass er ein Rascheln im Feld gehört und geglaubt habe, dass es Wild sei“, berichtet die Märkische Allgemeine am 10.9.2015. Erst als er von seinem Hochsitz stieg, um zu sehen, was er erlagt habe, hätte er den tödlichen Irrtum bemerkt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Jäger wegen fahrlässiger Tötung.

1.9.15: 85-Jähriger erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
„Familientragödie in Nürnberg: Mann tötet seine Frau – und sich selbst“, meldet der Bayerische Rundfunk am 01.09.2015. Demnach hat ein 85-Jähriger seine Ehefrau mit einem Gewehr erschossen. Anschließend tötete er sich selbst. Die Tatwaffe sei ein Gewehr gewesen, das der Rentner legal besessen habe.

31.8.2015 Ehefrau und einen Nachbarn erschossen (2 Tote)
Weil er erst seinen Nachbarn und dann sein Ehefrau erschossen haben soll, hat die Paderborner Staatsanwaltschaft Mordanklage gegen einen 46-Jährigen erhoben. Dies berichtet das Westfalenblatt am 31.8.2015.
Ob der Mann Jäger oder Schützer ist, war der Presse nicht zu entnehmen.

30.6.15: Jäger erschießt Nachbarn und sich (2 Tote)
„Zwei Tote nach Streit unter Nachbarn“, titelte BILD am 30.6.2015. Demnach soll ein 74-jähriger Jäger und Sportschütze seinen 77-jährigen Nachbarn vor dessen Haus in Meisdorf/Harz erschossen haben. Im Anschluss erschoss sich der Jäger selbst. Vorangegangen war immer wieder Nachbarschaftsstreit. Der Todesschütze hatte laut Polizei eine Waffenberechtigung.

17.5.15: Schusswechsel zwischen Jäger und Polizei (1 Toter)
Tödlicher Schusswechsel zwischen einem Jäger und der Polizei: Ein 74-jähriger Jäger aus Hessen widersetzte sich der Einweisung in eine Klinik - offenbar mit der Jagdwaffe in der Hand. Vorher hatte der Jäger eine Eskalation der Situation angedroht, berichtete t-online.de am 17.5.2015. "Nach ersten Ermittlungen des LKA hatte der 74-Jährige zuerst auf die Polizeibeamten geschossen. Mehrere Beamte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) schossen daraufhin auf den Mann und verletzten ihn tödlich."

13.5.15: Jäger erschießt Frau und sich (2 Tote)
"Jäger erschießt seine schlafende Frau und sich selbst", titelte FOCUS am 13.5.15. Demnach hat ein 71-jähriger Jäger im Kreis Böblingen seine 66-jährige schlafende Ehefrau und anschließend sich selbst erschossen.
BILD meldete am 14.5.2015: "Im Haushalt befanden sich mehrere Schusswaffen – legal und amtlich registriert."

25.4.15: Hobby-Jägerin erschoss ihre beiden Nachbarn (2 Tote)
„Doppelmord in Wermelskirchen: Hat Jägerin (45) ihre Nachbarn erschossen?“, titelte BILD am 25.4.2015. Demnach sind ein 62-jähriger Mann und eine 47-jährige Frau in ihrer Wohnung erschossen worden. Anwohner hörten die Schüsse und alarmierten die Polizei. „Eine dringend tatverdächtige Frau (45) wurde festgenommen“, so BILD. „Die 45-Jährige ist als Jägerin im Besitz von Lang- und Kurzwaffen.“

14.4.15: 74-Jähriger erschießt Freundin und sich (2 Tote)
„Mann tötet Freundin und sich selbst“, titelte der Remscheider Generalanzeiger am 14.4.2015. Demnach hat ein 74-Jähriger erst seine 71-jährige Freundin und dann sich selbst erschossen. Die Polizei gehe von einer Beziehungstat aus, so die Zeitung. Für die Tatwaffe, eine Pistole, besaß der Mann keine Erlaubnis, für ein Gewehr hatte er eine Waffenbesitzkarte, so der Remscheider Generalanzeiger zwei Tage später.

13.1.15: Jäger stirbt bei Jagdunfall (1 Toter)
Ein 50-jähriger Jäger wurde bei einem Jagdunfall im Unterallgäu tödlich verletzt. Dies berichtete die Augsburger Allgemeine am 13.1.2015.
Der Jäger wollte die Leiter seines Hochsitzes herabsteigen. Dabei löste sich ein Schuss, der den Jäger traf und ihn tödlich verletzte.

2.1.15: 78-Jähriger erschießt Frau und sich selbst (2 Tote)
Ein 78-jähriger Mann hat in der Sivesternacht erst seine Frau mit zwei Schüssen in den Bauch getötet und anschließend sich selbst erschossen. Vorangegangen war ein jahrelanger Scheidungskrieg.
In der gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Essen und der Polizei Essen heißt es: „Nach ersten Ermittlungen gehen die Beamten der Mordkommission davon aus, dass der 78-jährige Mann zunächst seine Frau und dann sich selbst erschossen hat. Eine Verwandte fand die leblose Seniorin (79) mit Schussverletzungen im Keller des Hauses. Ihr getrennt lebender Ehemann wurde anschließend in seiner Wohnung im gleichen Haus tot aufgefunden. Neben ihm lag die vermutlich zur Tat verwendete Schusswaffe.“
Ob der Mann Jäger oder Schütze war, ist nicht bekannt. BILD berichtete am 3.1.2015, dass er oft zum Fischen fuhr.



Weitere Meldungen:

(Auswahl ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Spaziergänger und Erholungssuchende angeschossen:

23.1.15: Spaziergänger im Wald angeschossen
"Mordanschlag oder Jagdunfall? - Spaziergänger im Wald angeschossen", titelte BILD am 23.1.2015. Demnach wurde im Landkreis Oberhavel wurde ein 54-jähriger Spaziergänger auf dem „Wiesenweg“ durch einen Schuss in den Bauch lebensgefährlich verletzt.

22.1.15: Jogger angeschossen
In einem Waldstück bei Detmold wurde ein Jogger angeschossen. Dies berichtete das WDR Fernsehen am 22.1.2015: „Der 46-jährige aus Lage war am Dienstag (20.1.2015) in dem Wald unterwegs und hatte bereits 350 Meter zurückgelegt, als ihn eine Kugel am Bein traf.“ Der angeschossene Mann sei schwer verletzt selbst zum Klinikum Lippe gefahren. Die Polizei vermute einen Jagdunfall.


Beim Nachbarschaftsstreit geschossen

25.4.15: Nachbarschaftsstreit eskaliert
„Nachbarschaftsstreit eskaliert: Schenkenzeller Waffennarr schießt durch Eingangstüre“, titelte NRWZ am 25.4.2015. Demnach hatte ein 71-Jähriger durch eine geschlossene Eingangstür der Nachbarswohnung geschossen. Neben der Tatwaffe beschlagnahmte die Polizei noch weitere 18 Schusswaffen, bei denen es sich zum größten Teil um Jagdwaffen handelt. Gegen den 71-Jährigen seien strafrechtliche Ermittlungen wegen versuchter, gefährlicher Körperverletzung eingeleitet worden.


Auf Häuser geschossen, Fenster von Kugeln durchschlagen

20.3.15: Jagdkugel schlägt in Haus ein
„Verirrtes Projektil fliegt in Wohnung“, titelte die Allgemeine Zeitung am 20.3.2015 und berichtete, dass im rheinhessischen Eicher mehrere Kugeln in ein Haus einschlugen: Eine Kugel durchschlug die Scheibe eines Fensters, ein Projektil durchschlug zwei Türen und blieb schließlich in der Außenwand stecken. "Elf Meter ist die Kugel durch die Wohnung geflogen", zitiert die Zeitung den Hausbewohner. "Meine Frau ist vielleicht 20 Sekunden vorher genau durch die Schusslinie gelaufen. Sie hat ein Riesenglück gehabt, wir feiern jetzt ihren Geburtstag zwei Mal."
Wie sich herausstellte, hatte ein Jäger auf dem Feld geschossen.

20.1.15: Jagdprojektil durchschlägt Fenster
„Geschoss bei Treibjagd fehlgeleitet“, meldete die Polizei Wolfsburg am 20.1.2015. In Papenrode hatte ein Jagdprojektil das Fenster eines durchschlagen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das fehlgeleitete Geschoss aus dem Gewehr eines Jägers stammt, der an der einer Jagd im angrenzenden Meinkoter Revier beteiligt war. Der Jäger hatte bei einer Nachsuche ein Wildschwein verfehlt. Stattdessen wurde das Wohnhaus getroffen, das Projektil sei auf dem Fußboden gelandet.

8.1.15: Jäger trifft versehentlich Kinderbett
"Säugling hat Glück: Jäger trifft versehentlich Kinderbett", titelte die Neue Osnabrücker Zeitung NOZ am 8.1.2015. Demnach durchschlug die Gewehrkugel eines Jägers den Rollladen und den Fensterrahmen des Schlafzimmers eines Hauses im pfälzischen Rockenhausen. In dem Schlafzimmer hatten sich die Eltern am späten Abend mit ihrer sieben Monate alten Tochter hingelegt. Laut Polizei sei die Kugel neben dem Kopf des Babys liegen geblieben, habe den Säugling aber nicht verletzt. "Als Urheber ermittelte die Polizei einen Jäger", so die NOZ.

13.1.15: Wenn Schrotkugeln aufs Dach prasseln
Die Kreiszeitung Diepholz berichtete am 13.1.2015 über die Beschwerden von Anwohnern über eine Treibjagd in unmittelbarer Nähe der Häuser. Demnach hätten Anwohner Munition auf ihren Grundstücken gefunden.

6.1.15: Treibjagd - Geschoss durchschlägt Scheibe
"Treibjagd: Geschoss durchschlägt Scheibe", titelte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung am 6.1.2015. Demnach hat eine Gewehrkugel am Samstagnachmittag ein doppelt verglastes Wohnzimmerfenster durchschlagen und dort ein sauberes Loch hinterlassen, während die zweite Scheibe zersplittert sei. Danach habe die Kugel den Parkettboden gestreift und sei schließlich neben dem Sofa liegen geblieben - und zwar während der Hausbesitzer auf einem Sessel im Wohnzimmer saß und auch der Sohn im Zimmer war. „Der Hausbesitzer hatte Glück, dass er von dem Geschoss nicht getroffen wurde“, zitiert die WAZ einen Polizeisprecher. Die Polizei vermutet, dass das Geschoss aus einer Jagdwaffe stammt, denn im Wald fand zu dem Zeitpunkt eine Treibjagd mit 25 Jägern statt.


Schüsse auf fahrende Autos

20.3.15: Schüsse auf vorbeifahrende Autos
Mit einem Jagdgewehr hat ein Mann am Morgen des 19.3.2015 zwischen 5.15 Uhr und 5.30 Uhr zwischen Gresaubach und Steinbach auf vorbeifahrende Fahrzeuge geschossen. Dies berichteten sr-online am 19.3.2015 und salue.de am 20.3.2015. Laut Polizei wurden sechs Pkw beschädigt und eine Person verletzt. Gegen den Schützen wurde am 20.3.2015 Haftbefehl erlassen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen 13-fachen versuchten Mordes.



Jäger trifft Jäger:

19.5.15: Schuss ging nach hinten los
"Nordhessen: Schuss ging nach hinten los", meldete nh24.de am 19.5.2015. Ein Jäger wollte einen Waschbären erschießen - und traf sich selbst mit einem Projektil den Bauch. Schwer verletzt musste er mit dem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden.

17.6.15: Jäger schießt sich in die Hand und in eine Autoscheibe
Ein 65-jähriger Jäger aus Thüringen hatte gegen Mitternacht ein Wildschwein geschossen und befand sich auf dem Heimweg. Das Gewehr trug er geladen über der Schulter, eine Hand am Lauf. Ein Schuss löste sich und verletzte den Jäger schwer. "Der Gewehrschuss muss außerdem eine Autoscheibe zerschlagen haben, denn auch am Mittwoch befanden sich noch zahlreiche Glassplitter auf dem Feldweg mit den Betonplatten", so die Thüringer Allgemeine am 17.6.2015.

3.3.15: Jäger trifft Jäger - Schwer verletzt
"Jäger in Ostsachsen angeschossen und schwer verletzt", titelte DIE WELT am 3.3.2015. Demnach hat ein 53-jähriger Jäger bei einer Jagd auf Wildschweine ein 27-Jährigen in den Oberschenkel getroffen. Er musste schwer verletzt mit dem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden. Die Kriminalpolizei habe die weiteren Ermittlungen übernommen.



Die Natur braucht keine Jäger!

Die Mär vom Jäger als Naturschützer ist längst widerlegt. Wissenschaftliche Studien belegen die Selbstregulierungsfähigkeit der Natur. Auch die Erfahrungen in großen europäischen Nationalparks und unbejagten Gebieten zeigen: Es geht Natur und Tieren ohne Jagd viel besser!

Ragnar Kinzelbach, Zoologe an der Universität Rostock, ist überzeugt: »Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.« (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)

Jagd ist nicht nur überflüssig, sondern sogar contraproduktiv: Obwohl in Deutschland so viele Wildschweine geschossen werden, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, steigt ihre Anzahl immer weiter. Denn so paradox es klingen mag: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, um so stärker vermehren sie sich. Eine Langzeitstudie kommt zu dem Ergebnis: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. (Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)

Jagd provoziert vielfach erst so genannte Wildschäden und den »Verbiss« im Wald. Rehe sind von ihrer Natur her Bewohner von Wiesen und dem Waldrand. Die Jagd treibt die Tiere in den Wald hinein, wo sie dann keine - für sie lebenswichtigen - Gräser und Kräuter finden und ihnen nichts anderes bleibt, als an Knospen zu knabbern. Zudem werden die Tiere durch die Jagd unnötig aufgescheucht, was ihren Nahrungsbedarf und damit die Fraßschäden oft weiter erhöht.

Die Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und Fuchsbandwurm. Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. Und: Seit Jahren weisen Forscher darauf hin, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben ist. In Deutschland ist kein einziger Fall einer Infektion über Waldbeeren dokumentiert.

Der renommierte Ökologie- und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef Reichholf kam bei seinen langjährigen Forschungen zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der »Artenfeind Nr. 2« ist.

Trotz beharrlicher Propagandaarbeit der Jagdverbände sinkt das Image der Jäger in der Öffentlichkeit immer mehr: Immer weniger Spaziergänger, Reiter und Mountainbiker lassen es sich gefallen, wenn sie von Jägern angepöbelt und bedroht werden - und sie protestieren gegen Ballerei in Stadtparks, auf Friedhöfen und in Naherholungsgebieten. Immer wieder ist in der Zeitung zu lesen, dass Jäger aus Versehen Menschen oder Ponys auf der Weide mit Wildschweinen verwechseln - das kann einem beim Spaziergang schon Angst machen. Millionen Tierfreunde haben kein Verständnis, wenn ihre Hauskatzen abknallen oder drohen, den Hund zu erschießen. Warum Jäger Hasen tot schießen, obwohl sie auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen, kann irgendwie auch niemand mehr gut finden. Zudem haben 99,7 Prozent der Bevölkerung andere Hobbys, als Tiere tot zu schießen.