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Studie: Jagd auf Füchse, Marder und Rabenvögel ökonomisch und ökologisch nicht zu rechtfertigen
In Frankreich werden durch Bejagung jedes Jahr rund 1,7 Millionen Füchse, Marder und Rabenvögel getötet, mit dem erklärten Ziel, wirtschaftliche Schäden und Gesundheitsrisiken zu reduzieren. Um die Effizienz der angewandten Strategie der Tötung von Tieren erstmals zu untersuchen, analysierte ein Forschungsteam der Sorbonne Université in Paris Daten aus sieben Jahren zu Schadenskosten und Tötungsmaßnahmen aus ganz Frankreich. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Fachmagazin Biological Conservation veröffentlicht.
Es sollten Antworten gefunden werden auf Fragen wie: Ist die praktizierte Politik der Bekämpfung einheimischer Wirbeltierschädlinge als Lösung zur Reduzierung von Gesundheitsrisiken und wirtschaftlichen Schäden durch die betreffenden Arten gerechtfertigt? Ist die Strategie, Tiere zu töten, um Schäden zu reduzieren, überhaupt effizient? Werden durch die Jagd Schäden in der Landwirtschaft wie Ernteausfälle oder gerissenes Geflügel reduziert? Wird durch die Jagd vom jährlich 1,7 Millionen Füchsen, Mardern und Rabenvögeln die Population reduziert?
Durch die jagdliche Tötung von Füchsen, Mardern und Rabenvögeln werden keine Schäden reduziert
Das Ergebnis der Studie: »Es konnte kein Zusammenhang zwischen dem Tötungsaufwand und der Veränderung der gemeldeten Schadenskosten feststellen.« Die gemeldeten Wildtierschäden - unter anderem Ernteausfälle, gerissenes Geflügel, - verringerten sich nicht. Im Gegenteil: Zum Teil kam es sogar zu mehr Schäden, je mehr Individuen einer Art getötet wurden. Dagegen gab es keine Zunahme der Schäden, wenn in einer Region die Bejagung gestoppt oder reduziert wurde: »Eine Reduzierung oder gar Einstellung der Tötungsmaßnahmen führt nicht zu einer Erhöhung der Schäden«, fasst das Forschungsteam zusammen.
Die Jagd von Füchsen, Mardern und Rabenvögeln reduziert nicht die Zahl der Tiere
Das Forschungsteam stellte weiterhin fest, dass die Tötungen längerfristig keine Verringerung der Populationszahlen zur Folge hatten.
Sie verweisen auf vorausgegangene Studien, die gezeigt hatten, dass massive Bejagung weder die Fuchspopulationen reguliert noch die Vogelpopulationen (Baker et al., 2002; Comte et al., 2017; Pépin et al., 2025). Jagd hält Füchse und Rabenvögel hoch reproduktiv: Je mehr Tiere geschossen werden, umso stärker vermehren sie sich.
Die Wissenschaftler fassen zusammen: »Es gibt keinerlei Hinweise auf einen Nutzen der Tötungsmaßnahmen. Die Tötung von Tieren beeinflusst die Populationszahlen nicht und beeinträchtigt möglicherweise Ökosystemleistungen, die mit diesen Arten verbunden sind.«
Die gemeldeten Schäden stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten für die Bekämpfung
Die Studie liefert zudem die erste ökonomische Bewertung der Schädlingsbekämpfung einheimischer Wirbeltiere in Frankreich: Die Kosten für den Tötungsaufwand - durch den Aufwand für Zeit, Transport, Material und Munition - liegen bei geschätzt 103–123 Millionen Euro jährlich, während die offiziellen jährlichen Schadenskosten nur 8–23 Millionen Euro betragen.
Die Kosten für die Tötung von Füchsen, Mardern und Rabenvögeln sind damit bis zu 10 Mal höher höher als die offiziell gemeldeten Schadenskosten. »Zusammenfassend lässt sich sagen, dass jede weitere Investition in die Schädlingsbekämpfung einen wirtschaftlichen Verlust bedeuten würde«, so das Ergebnis der Studie.
Füchse, Marder und Rabenvögel haben auch positive ökologische und ökonomische Auswirkungen
Aufgrund der Ergebnisse der Datenauswertung schreibt das Forschungsteam: »Die französischen Behörden sind für die Schädlingsbekämpfung verantwortlich, solange diese der Wirtschaft oder dem Gemeinwohl dient, was nicht länger hinnehmbar ist. Neben den hohen Kosten und der Ineffektivität bei der Begrenzung der Schadenskosten weist die Schädlingsbekämpfung weitere Nachteile auf, die genauer untersucht werden sollten. Wirbeltiere, die Schäden verursachen, haben oft auch positive ökonomische Auswirkungen.«
Hierzu führen die Forschenden vorausgegangene Studienergebnisse an:
· Füchse und Marder sorgen für eine die Regulierung von Nagetieren wie Mäusen, so dass es weniger Schäden in der Landwirtschaft gibt. (Jedrzejewski und Jedrzejewska, 1992)
· Rabenvögel sorgen mit der Verbreitung von Samen für die Gesunderhaltung des Waldes und eine natürliche Waldverjüngung. (Green et al., 2019; Martínez-Baroja et al., 2019)
· Die Samenverbreitung von Eichen durch Eichelhäher hat einer Studie zufolge den ökonomischen Wert von 3.200 bis 14.600 Euro pro Eichelhäherpaar bzw. 1400 bis 6100 Euro pro Hektar Eichenwald. (Hougner et al., 2006)
»Basierend auf dieser Bewertung erlitt Frankreich durch die Tötung von 62.278 Eichelhähern im Untersuchungszeitraum einen potenziellen Verlust von 100 bis 454 Millionen Euro an Samenverbreitungsleistungen«, schreibt das Forschungsteam.
Es gibt keine ökonomische und keine ökologische Rechtfertigung für die Jagd auf Füchse, Marder und Rabenvögel
Die Forschenden kommen zu dem Schluss: Wenn es keine ökologischen und ökonomischen Rechtfertigungen für die Tötung von Tieren gibt, sollte die Entscheidung, ob Tötungspolitik fortgesetzt wird, auf einer globalen gesellschaftlichen Bewertung unter Einbeziehung ethischer Aspekte beruhen, da das Tierwohl in der Öffentlichkeit zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Das Wissenschaftsteam weist auch darauf hin, dass die Jagd auf Wildtiere Verletzungen und Leiden verursacht. Viele Tiere werden Studien zufolge nicht tödlich getroffen, sondern »nur« verletzt, wodurch sie erhebliche Schmerzen erleiden.
»Da die Tötung von Tieren ineffizient, wirtschaftlich nicht zu rechtfertigen und ethisch fragwürdig ist, empfehlen wir, die Reduzierung der wirtschaftlichen Kosten von Schäden dringend auf die Schadensminderung und -prävention zu konzentrieren, wofür keine Tötung von Tieren erforderlich ist«, so die Forschenden. »Verschiedene soziale, kulturelle und kognitive Gründe führen jedoch dazu, dass Landwirte weiterhin an der Bekämpfung durch Fallenjagd und Abschuss festhalten und implizit annehmen, dass diese Methoden effektiv sind, ohne wissenschaftliche Grundlage.«
Ihre Studie ziele darauf ab, das Bewusstsein für die negativen praktischen, wirtschaftlichen und ethischen Aspekte des Abschusses von Tieren zu fördern. »Die Entwicklung alternativer, effizienter und potenziell nicht-tödlicher Lösungen zur Schadensminderung hat höchste Priorität.« Die Forschenden verweisen auf laufende vielversprechende Forschungen, wie durch Saatgutabwehrmittel und Abschreckungssysteme Nutzpflanzen vor Schäden durch Rabenvögel geschützt werden können.
In Deutschland töten Jäger ähnlich viele Wildtiere wie in Frankreich: jedes Jahr rund 450.000 Füchse, mehr als 70.000 Marder und mehrere Hunderttausend Rabenvögel. Die aktuelle Studie aus Frankreich legt nahe, dass sie dadurch wichtige Prozesse im Ökosystem stören, die auch dem Menschen zugutekommen würden.
Studie: Jiguet, F. et al. (2026): Ecological and economic assessments of native vertebrate pest control in France. Biological Conservation. www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006320726000273
In Luxemburg ist die Jagd auf Füchse seit 2015
verboten. Damit liefert unser Nachbarland den praktischen Beweis dafür, wie unnötig das massenhafte Töten von Füchsen ist - auch in der modernen Kulturlandschaft: Weder hat die Zahl der Füchse zugenommen noch gibt es Probleme mit Tollwut. Die Verbreitung des Fuchsbandwurms geht sogar zurück.