Dokumentation: Menschen als Jägeropfer
Freizeitvergnügen mit tödlicher Schusswaffe
Ähnliche Schreckensmeldungen kommen aus unseren Nachbarländern: Bei einer Treibjagd im belgischen Harchies wurde Anfang Dezember ein Hobbyjäger tödlich getroffen. Bei einer Jagd im Westen Tschechiens im November hat ein Jäger einen Jagdkollegen mit einem Schuss direkt in den Kopf getötet. In Nordspanien starb im November ein Hobbyjäger, als sein Begleiter beim Hantieren mit dem Gewehr einen Schuss löstE. Im Oktober wurde in Österreich ein 16-Jähriger bei einer Treibjagd getroffen. Bei einer Wildschweinjagd in Norditalien wurde im September ein Mann von einem Jagdkollegen erschossen. In Polen erschoss ein Hobbyjäger im August seinen Nachbarn – er hatte ihn mit einem Wildschwein verwechselt. Kurz zuvor hatte ein Jäger in Tschechien an der Grenze zu Bayern einem Schatzsucher in die Brust geschossen…
Die tödliche Normalität der Hobbyjagd
„Einzelfälle“ summieren sich, quer durch Europa, zu einer tödlichen Normalität, die man erstaunlich bereitwillig hinnimmt:
· Hobbyjäger laufen mit tödlichen Schusswaffen durch öffentliche Landschaften und Naherholungsgebiete und bedrohen Spaziergänger, Radfahrer und spielende Kinder.
· Häuser und Autos auf der Landstraße werden von Projektilen aus Jagdgewehren getroffen.
Die simple Frage „Wie viele Menschen sind in der aktuellen Jagdsaison in Europa bereits gestorben?“ hat eine unbequeme Antwort: Niemand weiß es genau.
Es gibt:
· keine EU-weite Meldepflicht,
· keine gemeinsame Datenbank,
· keine offizielle Erfassung von Jagdunfällen in den einzelnen Ländern Europas (mit Ausnahme von Frankreich und Italien) und nirgends eine offizielle Erfassung von Straftaten mit Jägerwaffen, wenn zum Beispiel ein Hobbyjäger seine Ehefrau oder den Nachbarn erschießt,
· sehr unterschiedliche Definitionen von »Jagdunfall«,
· viele Vorfälle, die lediglich in lokalen Medien (oder gar nicht) auftauchen und daher nicht an die Öffentlichkeit gelangen. So gibt es in Deutschland immer wieder Meldungen, dass Familienangehörige mit Waffen erschossen wurden, die der Täter legal besessen hat - aber es wird nicht bekannt, ob der Schütze die Waffen als Sportschütze oder als Jäger besessen hat.
Beispiel: Jagdunfälle in Frankreich und Italien
Frankreich ist eines der wenigen Länder, in denen eine staatliche Behörde die Jagdunfälle systematisch erfasst.
Für die Jagdsaison 2024/2025 wurden offiziell gemeldet:
· 100 Unfälle mit Schusswaffen
· 11 Tote
· 16 verletzte Nichtjäger, drei davon schwer verletzt
· 135 Jagdunfälle ohne Personenschaden - darunter 58 beschossene Häuser, 27 Fahrzeuge und 50 Haustiere.
In Italien wertet die Universität Urbino Medienberichte über Jagdunfälle aus. Dies sind keine offiziellen Zahlen und so gibt es an der Vollständigkeit erhebliche Zweifel. Für die Jagdsaison 2024/2025 kommt die Auswertung auf:
· 62 Jagdunfälle
· 14 Todesopfer
Deutschland: Es gibt keine offiziellen Zahlen über Tote und Verletzte durch Jagdwaffen
Weder der Jagdverband noch staatliche Behörden noch das statistische Bundesamt führen Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen nur die "Strecke" der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys. Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen, in denen ein Jäger die Ehefrau, Verwandte oder Nachbarn erschießt, gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat und tauchen daher sowieso in keiner Auflistung über Jagdunfälle auf.
Die einzige Organisation, die seit 2002 Jahr für Jahr eine Statistik über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen führt, ist die Initiative zur Abschaffung der Jagd - wobei die Aufstellung lediglich aufgrund vorliegender Presseberichte erstellt wurde und somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs. Aufgrund der Presseberichte kann belegt werden: In manchen Jahren starben in Deutschland bis zu 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen.
Opfer von Jagdunfällen werden sowohl Jägerkollegen und Treiber, es trifft aber auch immer wieder völlig unbeteiligte Personen wie Spaziergänger, Radfahrer, Hundehalter beim Gassigehen, Anwohner in ihrem eigenen Garten und Menschen in ihren Wohnungen, Kinder beim Spielen, Landwirte auf der Erntemaschine und sogar Autofahrer auf der Landstraße.
Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen seit 2002
Jagdunfälle / Straftaten 2026
Jagdunfälle / Straftaten 2025
Jagdunfälle / Straftaten 2024
Jagdunfälle / Straftaten 2023
Jagdunfälle / Straftaten 2022
Jagdunfälle / Straftaten 2021
Jagdunfälle / Straftaten 2020
Jagdunfälle / Straftaten 2019
Statistik 2018
Statistik 2017
Statistik 2016
Statistik 2015
Statistik 2014
Statistik 2013
Statistik 2012
Statistik 2011
Statistik 2002-2010
Jagdverbände spielen Opferzahlen herunter
Ein klassischer "Jagdunfall" ist ein Unfall bei einer legalen Jagd mit legalen Waffen, bei dem "aus Versehen" ein Mensch mit einem Wildtier verwechselt wurde, die Kugel einen anderen Verlauf nahm als geplant oder das Gewehr "aus Versehen" losging, weil zum Beispiel sich die Leine des Jagdhundes um den Abzug wickelte oder die Waffe beim Verstauen im Auto losging.
Im Fall von klassischen Jagdunfällen sind Jäger versichert, daher gibt es hier Zahlen: 2021 gab es laut Jagdverband 364 meldepflichtige Jagdunfälle - wobei leichtere Jagdunfälle gar nicht bei der Versicherung gemeldet werden.
Nach jedem Jagdunfall versuchen die Jagdverbände, die Zahl der Jagdunfälle herunterzuspielen - und bemühen zur Verschleierung der tatsächlichen Opfer gerne eine gezielte Sprachverwirrung. So wird behauptet, es gebe kaum Tote durch legale Waffen - die illegalen Waffen seien das Problem. Nun ist es aber so: Wenn ein Jäger im Streit den Nebenbuhler, den Nachbarn oder den Saufkumpan erschießt oder auf einen Kneipengast schießt, ist dies eine illegale Verwendung der (an sich legalen) Waffe. Diese Tat ist dann also eine Straftat mit einer illegalen Waffe - und wird somit von Jagdverbänden selbstverständlich unter den Teppich gekehrt.
Auch so genannte Familientragödien in Jägerhaushalten, bei denen der Jäger seine Ehefrau oder erst seine Frau und dann sich erschießt, der Jäger die Frau erschießt, weil sie sich trennen will oder die Frau wegen Schulden erschießt, oder bei denen die Jägerin ihren Ehemann (auch Jäger) erschießt oder der Sohn zum Gewehr des jagenden Vaters greift, tauchen in den Pressemitteilungen der Jagdverbände natürlich nicht auf. Obwohl es ohne die Jagdwaffe im Haus mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch keine Toten gegeben hätte.
Waffe im Haus erhöht Risiko von Familientragödien
Legal erworbene Waffen stellen ein erhebliches Risiko für tödliche Gewalt dar. Dies gilt nicht nur im Kontext von Amokläufen, sondern auch bei Familiendramen und anderen Tötungsdelikten im sozialen Umfeld. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Max-Planck-Instituts, die sich über einen Zeitraum von 10 Jahren erstreckte."Man kann auf der Basis dieser Ergebnisse annehmen, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 20 bis 25 Menschen bei einem Tötungsdelikt innerhalb der Familie oder Partnerschaft durch eine Schusswaffe im legalen Besitz des Täters sterben", so der Kriminologe Dietrich Oberwittler vom Freiburger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht, der die Studie leitete. "Es handelt sich meist um einen männlichen Täter, der mit oftmals legal erworbenen Schusswaffen seine Ehefrau, Partnerin, Kinder oder andere Verwandte tötet und in vielen Fällen anschließend Selbstmord begeht."
In der Sendung "TV Südbaden aktuell" sagte der Kriminologe bereits vor einigen Jahren: "Denn allein die Tatsache, dass man eine Schusswaffe besitzt, kann dazu führen, dass es dann im Konfliktfall eher mal zu so einer Gewalttat kommt, die vielleicht nicht passiert wäre, wenn es eben keine Waffe gegeben hätte." (TV Südbaden aktuell, 8.7.2011)
Kommt es in einem Jäger-Haushalt zum Beziehungsstreit, ist die Schusswaffe griffbereit - und der Jäger hat das Töten lange Jahre geübt. In Normal-Haushalten dagegen ist gar keine Schusswaffe vorhanden - also kann auch niemand erschossen werden.
In der Psychologie spricht man auch vom "Waffeneffekt": Wissenschaftler haben in Experimenten nachgewiesen, dass das Vorhandensein von Waffen im Versuchslabor bei frustrierten Versuchspersonen zu einem höheren Aggressionsniveau (Aggression) führte im Vergleich zu Situationen, in denen nur harmlose Alltagsgegenstände (z.B. Federballschläger) lagen. "Es wird dabei davon ausgegangen, dass Waffen mit Aggression assoziiert werden und von daher die Waffen als aggressive Hinweisreize fungieren und es so zu erhöhter Aggression kommt", heißt es im Lexikon der Psychologie (DORSCH, 17. Aufl.).
Schluss mit der Hobbyjagd!
Das Durchschnittsalter der deutschen Jäger liegt bei weit über 50 Jahren - 2022 lag das Durchschnittalter nach Angaben des Deutschen Jagdverbandes bei 56 Jahren. Bei Soldaten und Polizisten gibt es Altersgrenzen für den Umgang mit Waffen. Nur die Jäger dürfen bis ins Greisenalter hinein Waffen tragen und damit rumballern! Müsste nicht aus Sicherheitsgründen ein Höchstalter für Waffenträger festgesetzt werden?
Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können. Es wird Zeit, dass die Hobbyjagd in Deutschland verboten wird!
