„Und wenn die Gondeln Trauer tragen“

Jagd im Naturschutzgebiet rund um den Altrhein; Schauspiel in mehren Akten.

Erster Akt:

Mein Name ist Gabriele Bergtholdt und ich bin seit März 2011 Bürgerin des schönen Ortes Roxheim. Als ich mich vor einem Jahr entschloss, ein Eigenheim zu kaufen, fiel die Kaufentscheidung recht leicht, da ich dieses Gebiet um den Altrhein als ein wahres Kleinod in der durch Industrie geprägten Landschaft empfand. Durch den Sommer hindurch genoss ich meine alltäglichen Spaziergänge rund um den Altrhein. Der vordere Altrhein war ein Brutplatz von vielen Gänsen, Enten, Schwänen und anderen Vögeln. Besonders schön war es anzusehen, als diese Nachwuchs bekamen. So etwas hatte ich schon lange nicht mehr in einer besiedelten Umgebung gesehen. Ein friedliches Miteinander von Menschen und Tieren. Überhaupt - die ganze Natur rund herum beherbergte viele Arten von Tiere, die ich nur noch aus meiner Kindheit kannte.

Im Oktober 2011 nun, begegneten mir an einem friedlichen Morgen, vier Herrn in olivfarbener Kleidung, Gewehre umhängend im „John Wayne Stechtrapp“ im Bereich Stängenweiher- Ups, dachte ich noch so, wir sind im wilden Westen gelandet, kurz nachdem mich diese Herren passiert hatten, fielen direkt hinter mir Schüsse. Sehr befremdlich für mich, da ich solche Szenarien eigentlich nur aus Wäldern kannte. Aber gut, in den folgenden Tagen verlegte ich meine Spaziergänge in Richtung Petersau, bzw Rheindamm, denn mehrmals wurde bei Nebel mit Sichtweiten unter 50 m und bei Dunkelheit in meiner unmittelbaren Nähe geschossen. Beschwerden bei der Gemeinde, unter und oberer Jagdbehörde, oberer Naturschutzbehörde wurde immer mit dem Verweis, man könne nichts tun, abgewiesen. Letztendlich entschloss ich mich zu einer Strafanzeige, da ich mich bedrohte fühlte, denn in einem Interview der Landesschau stellte der Jagdpächter klar: Er könne nicht immer schauen ob jemand in der Nähe sei, wenn sie in dem Bereich um den Altrhein jagen. Noch grösser war in diesem Moment mein Erstauen, als der Zuständige der Jagdbehörde im selben Interview sagte, sie könne nichts tun, es lägen keine Verstösse vor. Ich selbst habe in meinem Bekanntenkreis mehrere Jäger, denen ich diesen Vorfall erzählte und alle bestätigten mir das oberstes Gebot sei:“ immer die Sicherheit des Menschen“. Ich habe mich dann selbst mit dem Jagdgesetz beschäftigt und sehr wohl festgestellt, dass dieser Jäger gegen einige Regeln verstoßen hat. Alleine schon die erste Begegnung hätte genehmigt werden müssen, denn es waren mehr als drei Jäger und dieses gilt als Gesellschaftsjagd, schießen bei Nebel und bei Dunkelheit in unmittelbarer Nähe, all dieses sind Verstöße, bei denen die Behörden hätten reagieren müssen. Seit dieser Zeit habe ich keine einzige Gans mehr am vorderen Altrhein gesehen, Enten kommen so langsam wieder zurück, aber dieses schöne Naturschauspiel der Gänse mit ihren Jungtieren wird dieses Jahr den Bewohnern und den Besuchern vorenthalten werden, dank unseres neuen Jagdpächters.

Zweiter Akt:

Eine Meute von Jägern und Hunde betreiben an diesem Samstag, den 25.02.2012 eine sogenannte Bewegungsjagd. Als ich an den Ort des Geschehens kam, hörte ich ein „Wildes“ durcheinander. Junghunde, die zurück geschickt werden mussten. Im abgesperrten Bereich befanden sich 6 Autos, darunter das des Jagdpächters, und 5 andere Fahrzeuge mit Kennzeichen aus AZ, HD, ES, MSP und RP. Auf meine Frage an die zwei jungen Männer, die die einzige vorhanden Absperrung bewachten, was hier stattfände, bekam ich lediglich die Antwort: Ich bin der Sohn. - Gute Frage nun, wessen Sohn den eigentlich? Auf die Frage nach der Genehmigung wurde nicht reagiert, meines Erachtens gestaltete sich diese Jagd nicht waidgerecht. Aus Fachkreisen weiß ich, dass Bewegungsjagden in dieser Zeit, Ende Februar nicht mehr stattfinden, besonders dann, wenn zuvor strenger Winter herrschte. Außerdem hielt die ich Anzahl der Fahrzeuge in diesem Bereich als wesentlich zu hoch.

Das wilde Geschrei tat sein Übriges, um letztendlich die Polizei zu informieren. Allerdings erhielt ich von der Frankenthaler Polizei lediglich die Aussage, diese Jagd wäre genehmigt und ich solle den Sperrbezirk respektieren, was ich auf alle Fälle tat, schließlich ist mir mein Leben lieb. Von mir geäußerte Bedenken wurde ignoriert mit der Aussage, ich müsste mich ans Ordnungsamt wenden, was sich an dieser Stelle als recht schwierig gestaltete, da an einem Samstag niemand von Ordnungsamt zugegen war. Etwa 1 ½ Stunden später gesellte sich ein weiterer junger Mann zu den schon vorhanden an der Absperrung. Wie ich hören und sehen konnte, unterhielten sich die jungen Männer, einer davon blicke dann in meine Richtung und meinte „was für eine Schnepfe“.

Kurze Zeit später wurde die Absperrung geöffnet und ich ging die Strecke ab, im hinteren Bereich an der Schleuse, blieb ich stehen und hörte Gespräche zwischen Herrn Stitz und einem Jadggenossen, aus dem ich entnehmen konnte, dass er gerade ein Tier sucht, das angeschossen und nicht gefunden wurde. Da ich schon ein erlegtes Wildschwein sehen konnte, nahm ich an das bei dem angeschossen Tier ebenfalls um ein Wildschwein handelte.

Oft werden die Tiere nur angeschossen. Die Nachsuche dauert, sofern sie überhaupt erfolgt, Stunden und Tage. Bis zum tödlichen Schuss schleppen sich die angeschossenen Tiere stunden- oder tagelang mit zerfetztem Körper, heraushängenden Eingeweiden, gebrochenen Knochen auf der Flucht vor den Jägern durch den Wald. Auch vom Schrot der Jäger werden unzählige Tiere, besonders Wildvögel, zwar getroffen, sterben aber nicht gleich, weil keine lebenswichtigen Organe getroffen wurden. Oftmals verenden sie erst Stunden oder Tage später an ihren Verletzungen. Jede vierte Ente lebt mit einer Schussverletzung.

In meiner Anwesenheit wurde dieses Tier nicht gefunden und kurze Zeit später rückte die gesamte Meute Richtung Ochsenlache ab. Mein erster Gedanke dabei: Ein angeschossenes Wildschwein kann in einer Umgebung mit sehr viel Publikumsverkehr zu einer echten Gefahr werden. Nächsten Morgen sah in frühen Morgenstunden eines der am Vortag stehenden Autos wegfahren. Hier gehe ich davon aus das es sich um eine Nachsuche handelte. Ob es letztendlich gefunden wurde, entzieht sich meiner Kenntnis und wird nicht mehr zu klären sein, wie schon zuvor nicht geklärt werden konnte, ob ein Schwan erschossen, gefunden oder es sogar eher eine Graugans war. Auf dem Weg hinter liessen die Jäger eine große blutige Pfütze, die schon Spaziergängern teilweise erstaunt, teilweise mit Ekel bestaunten. Muss meines Erachtens nicht sein, hätte man beseitigen können, gerade weil hier sehr viel Menschen auch mit Kindern spazieren gehen.

Dritter Akt:

Nachdem nun schon unsere Tiere erlegt und verjagt wurden, hat man sich nun noch an den Baumbestand gemacht. Hier tragen die Gondeln echte Trauer. Mit der Begründung, die Bäume wären kaputt, hat man rund um den Altrhein sprichwörtlich wie die Axt im Walde bewütet. Ich bin kein Förster, aber wenn ich die gefällten Bäume rund um den Altrhein anschaue, frage ich allen Ernstes, ob so kaputte Bäume aussehen?????

Heute ging ich mit meinem Hund um den Altrhein, dabei traf ich eine Dame, die vor kurzem von Lindau am Bodensee hierher gezogen war. Sie fragte mich, was denn hier Entsetzliches geschehen sei. Sie selbst ist Mitglied bei Greenpeace und war sehr bestürzt über die Aktion hier in Bobenheim-Roxheim. Viele Menschen aus der Umgebung sind hier in schönen Tagen unterwegs gewesen, ob sie diese auch dieses Jahr wiederholen werden, steht in den Sternen.

Schlussakt:

All dieses wird von den entsprechenden Stellen in Kauf genommen. Und wieder stellte sich mir die FRAGE: Wieso kann ein solcher Jagdpächter der die Öffentlichkeit mit seinem nicht waidsmannsgerechten Verhalten, eine noch zusätzliche Belohnung in der Art einer Sondergenehmigung zu solch einer Bewegungsjagd erhalten?

Nach wie vor bin ich über das Verhalten aller zuständigen Behörden empört. Niemand scheint in der Lage zu sein, diesem Jagdpächter Einhalt zu gebieten, wobei es ein Einfaches gewesen wäre, bei all den Verstößen, die dieser Jagdpächter seit Anbeginn seiner Pacht begangen hat.
Sind hier Gefälligkeiten sprich Amtsmissbrauch am Werk? Ansonsten ist ein solcher Wahnsinn in meinen Augen nicht möglich, dass in einem bewohnten und stark frequentierten Gebiet wie hier um den Altrhein, gejagt werden darf.
gen von Gegener der Jagd verstehen, wenn diese den Ausspruch:
Der erste Präsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, sagte:
„Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf.
Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit."

Meines Erachtens ist eine Reform des Jagdgesetzes mehr als überfällig und sollte mehr im Einklang mit dem Naturschutz gebracht werden. Überhaupt sollten solche Naturschutzgebiete wie das rund um den Altrhein herum mit besonderem Augenmerk behütet werden, in einer Zeit, die langsam ihre Werte zu verlieren scheint. Was wollen wir unseren Kindern eigentlich hinterlassen?

Bürgermeister und Behörden sollten nicht immer nur wirtschaftlich denken, sondern an die Auswirkungen über den Tellerrand hinaus. Tourismus bringt den Gemeinden ebenfalls Geld in die Kassen. Nur wer will schon in einer verwüstenden Landschaft seine Zeit verbringen?

Liebe Bürger und Bürgerinnen, das geht uns alle an, die hier wohnen oder diese schöne Landschaft zum Ausgleich ihres sonst stressigen Alttages nutzen. Wir sollten alle etwas mehr Verständnis im Zusammenleben mit der Natur aufbringen und uns für deren Erhalt einsetzten.




Jagd im Hunsrück
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