Tierschützer demonstrieren gegen Jägermesse

76. bundesweite Anti-Jagd-Demo am 9. Februar in Dortmund

Tierfreunde aus ganz Deutschland gehen für eine Natur ohne Jagd auf die Straße

»Wir brauchen keine Jäger, die als Hobby und Freizeitvergnügen Tiere tot schießen!« Anlässlich der Jägermesse »Jagd und Hund« werden am Samstag mehrere Hundert Tierschützer aus ganz Deutschland in der Dortmunder Innenstadt demonstrieren: für eine Natur ohne Jagd. Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd weist auf aktuelle wissenschaftliche Studien hin: »Die Natur reguliert sich selbst. In den unbejagten Gebieten in Europa sind Tiere und Natur im Gleichgewicht.« Dass die wahre Motivation der Jäger die »Lust am Töten« und »Freude am Beute machen« ist, wird sogar in den einschlägigen Jagdzeitschriften inzwischen offen zugegeben. - Mit dem Staatsziel Tierschutz, das seit über 5 Jahren im Grundgesetz verankert ist, ist dies wohl kaum zu vereinbaren...

»Schafft die Jagd ab!« - Über 500 Demonstranten aus Nordrhein-Westfalen und dem ganzen Bundesgebiet werden am 9. Februar in Dortmund ihre Stimme für die Tiere erheben. Über 20 Tier- und Naturschutzorganisationen haben ihre Teilnahme an dieser 76. bundesweiten Demonstration »Natur ohne Jagd« bereits angekündigt. Der Protestmarsch beginnt um 12 Uhr gegenüber vom Hauptbahnhof/Katharinenplatz und führt durch die Dortmunder Innenstadt. Von 13-15 Uhr findet in der Fußgängerzone neben dem Willy-Brandt-Platz eine große Kundgebung statt. Für alle Teilnehmer wird kostenlos vegetarische Kartoffel-Gemüse-Suppe ausgeschenkt.

Jäger sind keine Naturschützer und schon gar keine Tierschützer

Die in Deutschland praktizierte Hobby-Jagd ist inzwischen äußerst umstritten und längst nicht mehr selbstverständlich. Ökologen weisen seit Jahren darauf hin, dass die Jagd auch in der heutigen Kulturlandschaft keineswegs erforderlich ist und überdies oftmals zu einer Gefährdung von Tierpopulationen und ihren Lebensräumen führt. Repräsentative Umfragen machen deutlich: Die große Mehrheit der Deutschen lehnt die Jagd in ihrer jetzigen Form ab.

Bereits seit über 6 Jahren - seit Oktober 2001 - gehen an jedem ersten Samstag im Monat Tierschützer aus dem gesamten deutschsprachigen Raum für eine Natur ohne Jagd auf die Straße. Das Aktionsbündnis »Natur ohne Jagd« hat sich mit seinen »Forderungen für eine Novellierung der Landesjagdgesetze« an alle Ministerpräsidenten und Landwirtschaftsminister der Länder gewendet. Nachdem sich Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer gegen eine Novellierung des Bundesjagdgesetzes ausgesprochen hat, sind nun die Länder am Zug: Die Föderalismusreform gestattet es nämlich den einzelnen Bundesländern, vom Bundesjagdgesetz abweichende Regelungen für das Jagdwesen zu treffen. Dies ist dringend erforderlich, geht doch das Bundesjagdgesetz in seinen Grundzügen auf das Reichsjagdgesetz zurück, das der Trophäenjäger Hermann Göring, Hitlers Reichsjägermeister, 1934 erlassen hat.

Bislang haben Vertreter folgender Organisationen ihre Teilnahme an der 76. bundesweiten Demonstration »Natur ohne Jagd« angekündigt:
der Tierschutzverein Groß-Dortmund und die »Bärenbande«, die Tierschutzpartei Mensch - Umwelt - Tierschutz mit dem Landesverband Nordrhein-Westfalen, die bundesweite Allianz für Tierrechte, die internationale Tierrechtsorganisation PETA, die Hans-Rönn-Stiftung »Menschen für Tiere«, das Vogelschutzkomitee e.V., der Verein Natur ohne Jagd e.V. mit mehreren Sektionen, Heimat für Tiere e.V., die Bürgerbewegung »Zwangsbejagung ade«, die Unabhängige Tierschutzunion Deutschlands, die Initiative für Haus- und Wildtierschutz, die IG Tierschutz Märkischer Kreis, die Tierversuchsgegner Heilbronn, Tierschutzverein Heppenheim und Umgebung e.V., u.a.m.



Einstellung der Deutschen zur Jagd

Repräsentative Umfragen:

GEWIS-Institut vom 29.07.2002:
68% “Der Staat sollte die Jagd auf wildlebende Tiere als Freizeitsport verbieten.”
12% “Ich bin für die generelle Abschaffung der Jagd.”
4% “Ich bin für eine Begrenzung der Jagd zugunsten des Tierschutzes.”
3% “Ich bin grundsätzlich gegen ein Jagdverbot.”

EMNID-Umfrage vom 10.09.2003:
78% halten das jagdliche Töten von Tieren durch Hobbyjäger für eher schlecht
81% fordern ein Verbot der Jagd auf Zugvögel
77% befürworten ein Verbot von Totschlagfallen
65% sind der Auffassung, der Grundeigentümer muss selbst entscheiden dürfen,
ob seine Ländereien bejagt werden oder nicht

EMNID-Umfrage vom 09.09.2004:
76,3% stehen der Jagd kritisch gegenüber oder lehnen sie ab
68,1% sind der Meinung, dass die Bundesregierung die Jagdausübung künftig stärker nach Gesichtspunkten des Natur- und Tierschutzes regulieren sollte
67,4 % befürworten ein generelles Verbot der Fallenjagd
80,4% sprechen sich für ein Verbot von Bleimunition aus
90% wünschen eine Überprüfung der Schießleistung von Jägern


1. März in Berlin: 77. bundesweite Anti-Jagd-Demo
5.1.08: 75. Demo »Natur ohne Jagd« in Frankfurt