1. März in Berlin: 77. bundesweite Anti-Jagd-Demo

Verabschiedet tierschutzgerechtes Jagdgesetz!

»Schafft die Jagd ab!« Mit diesem Ruf gehen seit 2001 Monat für Monat Tier- und Naturschützer aus ganz Deutschland auf die Straße. In den vergangenen Monaten wurden allen Ministerpräsidenten die »Forderungen für eine Novellierung der Landesjagdgesetze und Konzepte für eine Natur ohne Jagd« vom Aktionsbündnis »Natur ohne Jagd« zugeschickt. Um diesen Ruf nach tierfreundlichen Jagdgesetzen nachdrücklich zu unterstützen, findet die 77. bundesweite Anti-Jagd-Demo am 1. März wieder in der Hauptstadt statt. Beginn ist um 12 Uhr am Joachimsthaler Platz/Kudamm, ab 13 Uhr findet vor der Gedächtniskirche eine Kundgebung mit Vertretern mehrerer Tierschutzorganisationen statt.

Das Bundesland Berlin ist in Tierschutzanliegen bekanntlich Vorreiter: Seit 2003 ist – als einzigem Bundesland! - die Verwendung von so genannten Totschlagfallen gesetzlich verboten, seit Frühjahr 2007 sind Vögel, Hasen und kleine Beutegreifer ganzjährig unter Schutz gestellt. Und Jäger müssen seit 2006 regelmäßig Nachweise über ihre Schießleistung erbringen, damit die Tiere nicht durch viele Fehlschüsse unnötig leiden müssen!

Nachdem sich Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer gegen eine Novellierung des Bundesjagdgesetzes ausgesprochen hat, liegt es nun an den Ländern, für eine zeitgemäßere Jagdgesetzgebung zu sorgen: Die Föderalismusreform gestattet es nämlich den einzelnen Bundesländern, vom Bundesjagdgesetz abweichende Regelungen für das Jagdwesen zu treffen. Dies ist dringend erforderlich, geht doch das Bundesjagdgesetz zurück auf das Reichsjagdgesetz, das Hermann Göring, Hitlers Reichsjägermeister, 1934 erlassen hat. In den westlichen Ländern der Bundesrepublik wurden zwischen 1949 und 1950 Landesjagdgesetze erlassen, die in ihren Grundzügen wesentlich dem Reichsjagdgesetz der Nationalsozialisten entsprechen; das jagdliche Brauchtum und die Trophäenorientierung wurde nicht einmal ansatzweise verändert. »In deutschen Wäldern und Fluren gelten also nicht moderne Maßstäbe von Natur- und Tierschutz, sondern Jagdtraditionen aus der Hitler-Zeit; und diese haben im 21. Jahrhundert nun wirklich nichts mehr verloren!«, kritisiert Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd. Die weitreichende Zerstörung von Lebensräumen, das weltweite Artensterben sowie ein gewachsenes Bewusstsein in der Bevölkerung für Tier- und Naturschutz fordern andere Gesetze als noch vor 50 oder gar 70 Jahren.

Die große Mehrheit der Deutschen steht der Jagd kritisch gegenüber, immer mehr Bürger fordern die Abschaffung der Jagd. Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger treten in repräsentativen Umfragen für ein Verbot der Jagd auf wildlebende Tiere als Freizeitsport (Hobbyjagd) ein, ebenso für eine Begrenzung der Jagd zugunsten des Tierschutzes, für ein Verbot der Jagd auf Zugvögel, für ein Verbot des Haustierabschusses, für ein Verbot von Totschlagfallen sowie für die Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft in Jagdgenossenschaften: jeder Grundeigentümer soll selbst entscheiden dürfen, ob Jäger auf seinen Ländereien jagen dürfen oder nicht. (Quellen: GEWIS-Institut 1996; GEWIS-Insitut 2002; EMNID-Institut 2003, EMNID-Institut 2004)


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