13.01.2005 Aus: Zeitung BLICK, Schweiz

BERLIN. Nachdem Sie folgenden Text gelesen haben, werden Sie vermutlich in der Jagdsaison nicht mehr durch unser nördliches Nachbarland spazieren.

Zugegeben, in der Schweiz kommt es auch gelegentlich zu einem Unfall zwischen Waidmännern. Doch nun erreichen uns Zahlen aus Deutschland, die einem einen kalten Schauer über den Rücken jagen. Beim nächsten Spaziergang durch einen teutonischen Wald werden wir wohl äussert vorsichtig herumtappen.

Denn jährlich kommt es nördlich des Rheins zu 800 Jagdunfällen. In 32 Fällen endeten diese tödlich. So auch derjenige des 60-jährigen Schweriner Kleinunternehmers und Hobbyjägers Harry Pilipenko. Sein Jagdkollege hielt ihn in herbstlicher Abenddämmerung für ein Wildschwein. Mit einem tödlichen Schuss vom Hochsitz streckte er den Familienvater auf einem abgeernteten Maisfeld nieder.

Zum Glück erreicht die Anzahl der toten Menschen niemals diejenige der erlegten Tiere. Die insgesamt 350.000 deutschen Waidmänner erlegten gemäss den Autoren einer «Anti-Jagd-Initiative» nicht nur fünf Millionen Wildtiere pro Jahr. Sondern knallten gewollt oder versehentlich auch nahezu 300.000 Haustiere ab. Darunter fallen Pferde, Kühe, Hunde, Katzen oder gar zwei Lamas, welche als angebliche Hirsche dran glauben mussten. Selbst ein Strauss hat seine Flucht von einem pfälzischen Bauernhof in Hochdorf-Assenheim kürzlich mit dem Tod aus einer Jägerbüchse bezahlt.

Aufsehen erregt hat auch dieser Fall: «Irrer Jäger jagte Jungen (16) durch Wald» («Chemnitzer Morgenpost» vom 06.06.2004). Doch es sei hier fairerweise erwähnt, dass nicht nur die Jäger Deutschlands mit unglaublichen Vorkommnissen aufwarten. Eine haarsträubende Schiesserei, bei der fünf Menschen starben und drei schwer verletzt wurden, lieferten sich Waidmänner vergangenen November im US-Bundesstaat Wisconsin im Streit um einen Hochsitz (Blick Online berichtete).

Noch jüngeren Datums ist die Neujahrsjagd im ostslowakischen Dorf Cicarovse, wo ein Jäger gleich von zwei Kollegen unter Feuer genommen wurde und nach vier Treffern starb. Etwas zurück liegt der Tod eines deutschen Urlaubers in Namibia, der mit einem der sich dort zur Plage ausweitenden Paviane verwechselt wurde und durch die Kugel eines Jagdaufsehers starb.

In Deutschland wächst die Front der Jagdgegner. Bereits mehr als zwei Drittel der deutschen Bevölkerung fordern laut einer breit angelegten Umfrage vom September 2004 die Abschaffung der Jagd.

Quelle: BLICK Schweiz, 13.01.2005


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