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Niedersachsen: Anfrage Schafft die Jagd ab


Am 27. Januar wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt.
Das Aktionsbündnis »Natur ohne Jagd« hat sich mit seinen
»Forderungen für eine Novellierung der Landesjagdgesetze und Konzepte für eine Natur ohne Jagd« an Ministerpräsident Wulff (CDU), Landwirtschaftsminister Ehlen (CDU) sowie alle Abgeordneten des niedersächsischen Landtages gewendet. »Wenn die Parteien die Stimmen von uns Tierschützern haben wollen, müssen die Politiker den Tieren ihre Stimme geben«, so Kurt Eicher, Biologe und Sprecher der Initiative zur Abschaffung der Jagd mit Blick auf den niedersächsischen Wahlkampf.

Um den Ruf nach tierfreundlichen Jagdgesetzen nachdrücklich zu unterstützen, demonstrierten am 3. November mehrere Hundert Tier- und Naturschützer in des Landeshauptstadt Hannover für eine Natur ohne Jagd.

Am 3. Dezember 2007 stellten 6 SPD-Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags eine Kleine Anfrage an die CDU-geführte Landesregierung. Die Mitglieder des Umweltausschusses Hans-Dieter Haase, Volker Brockmann, Klaus-Peter Dehde, Uwe Harden, Sigrid Rakow und Brigitte Somfleth (alle SPD) fragten: „Schafft die Jagd ab“ - Wie steht die Landesregierung zu dieser Forderung an Niedersachsen?

Als Antwort teilt uns das Niedersächsische Ministerium für den ländlichen Raum zum Beispiel mit, Verwechslungen könnten bei der Jagd gar nicht vorkommen, weil die niedersächsischen Jäger so hervorragend ausgebildet seien. - Drei Tage später erschossen niedersächsische Jäger einen Wolf, ein streng unter Artenschutz stehendes Tier. Lesen Sie: Brief an alle Abgeordneten des niedersächsischen Landtags

Lesen Sie auch: Offener Brief des Deutschen Naturschutzrings an Ministerpräsident Wulff zum Thema Gänsejagd - geplante Verabschiedung Gesetzentwurf zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften im Niedersächsischen Landtag

Hier der Wortlaut der SPD-Anfrage:

»Am Samstag, den 3.11.2007 hat in Hannover eine Demonstration stattgefunden, der von der „Initiative zur Abschaffung der Jagd“ organisiert war. Mit einem Demonstrationszug durch die Innenstadt und anschließender Kundgebung auf dem Opernplatz wurde über zahlreiche Jagdunfälle informiert. Demnach sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen. Weiterhin wird angegeben, dass in Deutschland jährlich etwa 350.000 Haustiere (vornehmlich Katzen und Hunde) von Jägern erschossen, erschlagen oder in Fallen gefangen werden, sprich: Zu Tode kommen.
Weiteren Angaben dieser Organisation zufolge sterben jährlich in Deutschland 5 Mio. Tiere durch Jägerhand, das mache im Schnitt alle 6 Sekunden ein totes Tier.

Beinahe täglich berichtet die Presse über Jagdunfälle. Der wohl jüngste Vorfall ereignete sich bei Gütersloh, wo eine Frau durch einen Querschläger schwer verletzt wurde. Wenige Tage zuvor verwechselte ein 74jähriger einen Soldaten mit einem Fuchs. Der Soldat wurde schwer verletzt. Im Oktober erschoss ein 82jähriger Jäger bei Potsdam in der Dämmerung eine wertvolle Zuchtstute, der er mit einem Damwild verwechselt hatte.

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

Wie sind die Bilanz und der aktuelle Sachstand zu Jagdunfällen in Niedersachsen über die letzten 5 Jahre in Bezug auf Schäden an Menschen, Haustieren sowie Sachgütern? Wie vereinbart die Landesregierung die aktuell gängige Jagdpraxis in Niedersachsen in Zusammenhang mit dem geltenden Tierrecht und den rechtlichen Abweichungsmöglichkeiten vom Bundesjagdgesetz unter Einbeziehung der Jagdunfallbilanz?Wie schätzt die Landesregierung vor diesem Hintergrund die Verwechselungsgefahr mit naturschutzrechtlich streng und besonders geschützten Vogelarten ein und wie werden solche Verwechselungen in Niedersachsen bilanziert?«

Antwort der Landesregierung:

Antwort des Niedersächsischen Ministeriums für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

auf die Kleine Anfrage Nr. 18 der Abgeordneten Hans-Dieter Haase, Volker Brockmann, Klaus-Peter Dehde, Uwe Harden, Sigrid Rakow und Brigitte Somfleth (SPD):

„Schafft die Jagd ab“ – Wie steht die Landesregierung zu dieser Forderung an Niedersachsen?

(Dezember 2007)

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Niedersachsen hat etwa 58.000 Jägerinnen und Jäger. Damit ist in Niedersachsen jeder 138ste Bürger eine Jägerin oder ein Jäger, einen ähnlich hohen Anteil an der Gesamtbevölkerung weist kein anderes Bundesland auf.«

Antwort:

Niedersachsen hat 8 Millionen Einwohner, davon sind nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums etwa 58.000 Jäger. Dies entspricht lediglich 0,7% der Bevölkerung.
Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt sind es noch weniger, nämlich 0,4%.

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Die geäußerte Ansicht, dass die Presse beinahe täglich über Jagdunfälle berichtet, teile ich nicht. Die von Ihnen genannten Beispiele stammen nicht aus Niedersachsen. Die Presse berichtet sehr wohl fast täglich über die Leistungen der niedersächsischen Jägerinnen und Jäger in der Umweltbildung und im Naturschutz.
Hier wird durch diesen Personenkreis hervorragende ehrenamtliche Arbeit geleistet.«

Antwort:

Von wegen »hervorragende ehrenamtliche Arbeit« - sehen Sie die Bilder

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Die niedersächsischen Jägerinnen und Jäger betreiben sehr gewissenhaft und mit einem hohen Verantwortungsbewusstsein die Jagdausbildung. So sind z.B. legale Waffen an Straftaten nur zu 0,012% vertreten. In diesem niedrigen Prozentsatz sind bereits alle mit Waffen verübten Suizide enthalten.«

Antwort:

Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen.
Die Zahl der Verletzten geht in die Tausende (alleine an so genannten Jagdunfällen werden den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften jedes Jahr über 800 Opfer gemeldet).
Menschen als Jägeropfer

Jäger sind keine Tierschützer:
Ganz »legal« fallen in ganz Deutschland jährlich ca. 300.000 Katzen und ca. 30.000 Hunde den Jägern zum Opfer. Jede Katze, die je nach Bundesland ein paar 100 Meter vom nächsten bewohnten Haus ihre Mäuse fängt, läuft Gefahr, von einem Jäger erschossen zu werden.
Haustiere als JägeropferWildtiere als Jägeropfer
Im Grundgesetz wurde der Schutz der Tiere im Jahr 2002 zum Staatsziel erhoben.
Das Tierschutzgesetz verlangt diesen Schutz schon seit Jahren »aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf«, weshalb »niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf« (§ 1 Tierschutzgesetz). Genau dieser vernünftige Grund kann im Falle der Jagd weder aus ihren ökologischen Implikationen noch aus der heutzutage vollkommen überflüssigen konsumtiven Verwertung der getöteten Tiere abgeleitet werden.
Zudem lehnt die große Mehrheit der Deutschen die Jagd in ihrer jetzigen Form ab.
Repräsentative Umfragen

Jäger sind keine Artenschützer
Die Zukunft der Arten gilt als hochgradig bedroht. Viele Pflanzen- und Tierarten, die früher selbstverständlich waren, kommen gegenwärtig nur noch selten vor oder sind vollständig verschwunden.
Prof. Dr. Josef Reichholf, Abteilungsleiter an der Zoologischen Staatssammlung München und Professor an beiden Münchner Universitäten für Biologie und Naturschutz, nennt in seiner Studie "Die Zukunft der Arten" die "wahren Feinde der Artenvielfalt": die moderne Landwirtschaft und die Jagd sind die größten Feinde der Arten.
Den Anteil der Jagd am Rückgang der Arten beziffert Prof. Reichholf mit 12 %.
Reichholf wörtlich: »Bei den meisten der größeren Arten hängt die Zukunft nicht am Klimawandel oder an den Störungen durch Spaziergänger oder Naturfreunde, sondern an den Gewehrläufen der Jäger.« Die Jagd erzeuge künstlich Scheuheit und schränke damit die Lebensmöglichkeiten der bejagten Arten sehr stark ein. Gegenüber der Jagd seien die Schädigungen durch Bau- und Siedlungstätigkeit und Industrie vergleichsweise gering. Nicht einmal dem Verkehr könne eine massivere Dezimierung von Vögeln und Säugetieren abgelastet werden als der Jagd.
Argumente für eine Natur ohne Jagd

Jäger sind keine Naturschützer:
Nach Schätzungen von Umweltverbänden werden durch die Jagd jährlich ca. 3. - 4.000 Tonnen Blei in die Natur freigesetzt. Blei ist ein Schwermetall und tötet Tiere nicht nur grausam, sondern es gelangt auch durch chemische Umwandlung in die Nährstoffkreisläufe der Natur und landet schließlich im Boden, Trinkwasser und Brotgetreide. Mehr als drei Millionen Tiere enden jährlich im Schrothagel der Jäger, darunter auch Hunderttausende von Wasservögeln. Aufgrund der großen Streuwirkung der Schrotkugeln werden Schätzungen zufolge bis zu 30 Prozent der Vögel nicht unmittelbar getötet, sondern krankgeschossen, was mit dem Staatsziel Tierschutz nicht vereinbar ist. Eine Untersuchung ergab, dass von 215 seit 1990 in Deutschland tot oder sterbend aufgefundenen Seeadlern 27 Prozent tödliche Bleiwerte aufwiesen.

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Die Jagdausübung ist für die Regulierung der Wildbestände dringend erforderlich. So sind z.B. im abgelaufenen Jagdjahr 2006/2007 (Dauer. 01.04.2006 bis 31.3.2007) in Niedersachsen über 128.000 Stücke Schalenwild (Reh-, Schwarz-, Rot- Dam- und Muffelwild) durch Jägerinnen und Jäger erlegt worden. Nicht enthalten ist in dieser Zahl z.B. das gesamte Fallwild, das in erster Linie dem Straßenverkehr der Allgemeinheit zum Opfer fällt. Jedes vierte Reh stirbt nicht durch die Jagd, sondern ist Fallwild.

Schalenwild reguliert sich bei den zurzeit vorherrschenden Wilddichten nicht von selbst – natürliche Feinde hat es im Allgemeinen nicht. Ohne Jagdausübung würden die durch das Schalenwild verursachten Schäden in der Land- und Forstwirtschaft erheblich sein.«

Antwort:

Ökologen weisen seit Jahren darauf hin, dass die Jagd auch in der uns heute umgebenden Kulturlandschaft keineswegs erforderlich ist und überdies oftmals zu einer Gefährdung von Tierpopulationen und ihren Lebensräumen führt.
Die guten Erfahrungen, die andernorts mit teilweisen oder völligen Jagdverboten gemacht wurden, lassen es umso unverständlicher erscheinen, dass moderne Konzepte für den Umgang mit der Natur und den in ihr lebenden Tieren scheinbar noch keinen Eingang in die deutsche Gesetzgebung gefunden haben.

Nach aktuellem Erkenntnisstand in Ökologie und Wildbiologie kommt der Jagd keinesfalls jene ökologische Unabdingbarkeit zu, welche Jäger immer wieder behaupten.
Vielmehr regeln sich die Bestandsdichten von Wildtieren aufgrund von Nahrungsangebot, Territorialität sowie sozialen und physiologischen Faktoren auch in der modernen Kulturlandschaft ohne menschliches Zutun. Hoher Jagddruck erhöht lediglich die Reproduktionsraten der betroffenen Tierpopulationen und dient damit zwar den an einer Maximierung ihrer Abschusszahlen interessierten Jägern, fügt Natur und Tieren jedoch schwere Schäden zu.

Jagd bedroht Tiere, Tierarten und die Natur
Die Jagd ist für das Gleichgewicht von Tieren und Natur nicht erforderlich, ganz im Gegenteil: In vielen Fällen bringen die Jäger erst das Ungleichgewicht in die Natur.

Beispiel hierfür ist die „Wildschweinschwemme“, von der die Jäger in ihren Jagdzeitschriften inzwischen selbst zugeben, dass sie von den Jägern selbst verursacht ist. Der Wildschwein-Experte des Deutschen Jagdschutzverbandes Norbert Happ weist seit Jahren darauf hin, dass die „Wildschweinschwemme“ von Jägern „hausgemacht“ ist: „Ungeordnete Sozialverhältnisse im Schwarzwildbestand mit unkoordiniertem Frischen und Rauschen und unkontrollierbarer Kindervermehrung sind ausschließlich der Jagdausübung anzulasten.“ (Jägerzeitschrift „Wild und Hund“, 23/2002)

- Jagd provoziert vielfach Wild- und Verbissschäden: Um Ansitzzeiten zu verkürzen, füttern Jäger im großen Stil Kraftfutter zu, was eine überhöhte Populationsdichte des so genannten Schalenwilds auf engem Raum zur Folge hat. Rehe beispielsweise – eigentlich Bewohner von Wiesen und Waldrändern – werden durch die Bejagung erst in den Wald hineingetrieben. Hier finden sie in der Krautschicht meist nur noch die Junganpflanzungen. Zudem werden die Wildtiere durch die Jagd unnötig aufgescheucht, was ihren Nahrungsbedarf und damit die Fraßschäden weiter erhöht.

- Die rücksichtslose Verfolgung der letzten einheimischen Beutegreifer wie Fuchs, Marder und Iltis ist ökologisch höchst kontraproduktiv. Überdies trägt intensive Fuchsjagd zur Ausbreitung der Tollwut bei.

- Jagd stört das soziale Zusammenleben intensiv bejagter Arten bis hin zum Zusammenbruch natürlicher Verhaltensweisen (z.B. Zerstörung von Familienstrukturen und Sozialverbänden, Benutzung von Bauen und Verstecken, Tag- versus Nachtaktivität, verstärkte Abwanderung in nicht bejagte Siedlungsgebiete, unnatürliche Tierkonzentrationen an Futterstellen zur jagdlichen »Hege«).

- Hoher Jagddruck macht Tiere überaus scheu und führt zu einer extrem großen Fluchtdistanz vor menschlichen Individuen. Dies macht es allen Menschen schwer, wildlebende Tiere zu beobachten und zu studieren.

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Eine Statistik über den Abschuss von Haustieren existiert nicht. Insofern sind die genannten Zahlen reine Spekulation. Verwilderte oder streunende Haustiere (Hunde und Katzen) stellen eine Gefahr für unsere frei lebenden und z.T. in ihren Beständen bedrohten Tierarten dar.
Diese müssen vor verwilderten, womöglich zur Ferienzeit ausgesetzten Hauskatzen geschützt werden. Bei einer ordnungsgemäßen Betreuung des Haustieres durch seinen Halter wird es in den seltensten Fällen zu einem Abschuss kommen.«

Antwort:

Ganz »legal« fallen jährlich ca. 300.000 Katzen und ca. 30.000 Hunde den Jägern zum Opfer. Jede Katze, die je nach Bundesland ein paar 100 Meter vom nächsten bewohnten Haus ihre Mäuse fängt, läuft Gefahr, von einem Jäger erschossen zu werden.
Haustiere als Jägeropfer

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Es werden im Rahmen der Deregulierung und des Verwaltungsabbaus keine statistischen Erhebungen in Niedersachsen zu Schäden an Menschen, Haustieren sowie Sachgütern geführt, die durch Jagdunfälle verursacht wurden.«

Antwort:

Jäger schießen auf Wildtiere, Haustiere und Menschen!

Jäger schießen auf Wildtiere: Alle 6 Sekunden stirbt ein Tier durch Jägerhand
In Deutschland werden jedes Jahr 5 Millionen Wildtiere erschossen, erschlagen oder in Fallen grausam getötet. 5 Millionen Tiere jedes Jahr – das sind 13.700 jeden Tag, 570 pro Stunde, 10 Tiere pro Minute. Alle 6 Sekunden stirbt ein Tier durch Jägerhand.
Wildtiere als Jägeropfer

Jäger schießen auf Haustiere: Jedes Jahr sterben 300.000 Katzen und 40.000 Hunde
Was viele nicht wissen: In Deutschland werden Jahr für Jahr etwa 300.000 Hauskatzen und an die 40.000 Hunde von Jägern erschossen, erschlagen oder in Fallen gefangen.
Haustiere als Jägeropfer

Jäger schießen auf Menschen: Jedes Jahr etwa 40 Tote
Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen. Alleine in Deutschland. Dazu kommen die erschreckend vielen Fälle, bei denen der Ausgang zwar nicht tödlich war, dem Opfer aber beispielsweise ein Bein amputiert werden musste. Opfer wurden sowohl Jägerkollegen und Treiber, aber auch die Ehefrau und die Kinder von Jägern, der Schwager, sowie Nachbarn, Spaziergänger, Bergwanderer, Mountainbiker, Bärlauchsammler oder spielende Kinder. Den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften werden jährlich über 800 Jagdunfälle gemeldet, wobei diese Zahl sicherlich nur die Spitze des Eisbergs ist.
Menschen als Jägeropfer

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Bei der Novellierung des Niedersächsischen Jagdrechts im Jahre 2001 ist der Tierschutzgedanke im Jagdrecht noch einmal intensiviert worden. Das geltende Jagdrecht berücksichtigt die Anforderungen des Tierschutzrechts. Bei Einhaltung des Jagdrechts sind Verstöße gegen das Tierschutzrecht ausgeschlossen.«

Antwort:

Fuchsjagd
Treibjagd
Hege und Pflege?!?

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Rechtliche Abweichungsmöglichkeiten vom Bundesjagdgesetz sind erst seit Inkrafttreten der Förderalismusreform im vergangenen Jahr möglich. Inwieweit bei künftigen Änderungen des NJagdG vom Bundesrecht abgewischen werden soll, muss im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens geprüft werden. Das in Niedersachsen bisher geltende Jagdrecht weicht nicht vom Bundesrecht ab.«

Antwort:

»Seit rund 70 Jahren gab es kaum Änderungen am Bundesjagdgesetz«
(Oberbayerisches Volksblatt, Bericht über die Rede Seehofers beim Bayerischen Jägertag, 22.4.07)
1934 erließ Hermann Göring, Hitlers Reichsjägermeister, das Reichsjagdgesetz. In den westlichen Ländern der Bundesrepublik wurden zwischen 1949 und 1950 Landesjagdgesetze erlassen, die in ihren Grundzügen wesentlich dem Reichsjagdgesetz der Nationalsozialisten entsprachen; das jagdliche Brauchtum und die Trophäenorientierung wurde nicht einmal ansatzweise verändert. (Vgl.: Klaus Maylein, "Jagd und Jäger in der modernen Gesellschaft - Ambivalenz und Notwendigkeit?")

In deutschen Wäldern und Fluren gelten also nicht moderne Maßstäbe von Natur- und Tierschutz, sondern Jagdtraditionen aus der braunen Zeit von Reichsjägermeister Göring; und diese haben im 21. Jahrhundert nun wirklich nichts mehr verloren.
Weitreichende Zerstörungen von Lebensräumen, weltweites Artensterben sowie ein gewachsenes Bewusstsein in der Bevölkerung für Tier- und Naturschutz fordern andere Gesetze als noch vor 50 oder gar 70 Jahren.

Nachdem sich Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer gegen eine Novellierung des Bundesjagdgesetzes in dieser Legislaturperiode ausgesprochen hat, liegt es nun an den Ländern, für eine zeitgemäße Jagdgesetzgebung zu sorgen:

Die Föderalismusreform gestattet es nämlich neuerdings den einzelnen Bundesländern, vom Bundesjagdgesetz abweichende Regelungen für das Jagdwesen zu treffen (vgl. Art. 72 Abs.3 Nr. 1 Grundgesetz).

Hieraus ergeben sich unsere Forderungen für eine Novellierung der Landesjagdgesetze und Konzepte für eine Natur ohne Jagd

Die Niedersächsische Landesregierung schreibt:

»Bei der guten Ausbildung der Jägerinnen und Jäger schätzt die Landesregierung die Verwechslungsgefahr mit anderen Vogelarten als gering ein. Bilanziert werden diese Verfehlungen in der im Landesjagdbericht veröffentlichten Jagdstatistik.«

Antwort:

Das Niedersächsische Ministerium für den ländlichen Raum teilt uns mit, Verwechslungen könnten bei der Jagd gar nicht vorkommen, weil die niedersächsischen Jäger so hervorragend ausgebildet seien. - Drei Tage später erschossen niedersächsische Jäger einen freilebenden Wolf, ein streng utner Artenschutz stehendes Tier.

Antwort des Niedersächsischen Ministeriums für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom Dezember 2007 lesen

Brief an niedersächsische Landtagsabgeordnete

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 27. Januar wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. So wenige Wochen vor der Wahl interessiert es die Wählerinnen und Wähler, welchen Politikern man guten Gewissens seine Stimme geben kann. In der letzten Legislaturperiode kam es mit ausdrücklicher Billigung der Landesregierung und ausgeführt von der niedersächsischen Jägerschaft wiederholt zu Verstößen, z. B. gegen die Europäische Vogelschutzrichtlinie - Stichwort: Norwegische Krähenfallen und Abschuss ziehender Gänsearten. Wenn die Parteien die Stimmen von den Tierschützern haben wollen, müssen die Politiker sich auch nachvollziehbar für Tier- und Artenschutz einsetzen.

Das Aktionsbündnis »Natur ohne Jagd« hat sich mit seinen Forderungen für eine Novellierung des Landesjagdgesetzes« und Konzepten für eine Natur ohne Jagd an Ministerpräsident Wulff, Landwirtschaftsminister Ehlen sowie an alle Abgeordneten des niedersächsischen Landtages gewendet.

Um den Ruf nach tierfreundlichen Jagdgesetzen nachdrücklich zu unterstützen, demonstrierten am 3. November mehrere Hundert Tier- und Naturschützer in des Landeshauptstadt Hannover für eine Natur ohne Jagd.

Am 3. Dezember 2007 stellten sechs Abgeordnete der SPD-Fraktion des Niedersächsischen Landtags eine Kleine Anfrage an die CDU-geführte Landesregierung: »Schafft die Jagd ab« - Wie steht die Landesregierung zu dieser Forderung an Niedersachsen?
Als Antwort teilte das Niedersächsische Ministerium für den ländlichen Raum unter anderem mit, Verwechslungen könnten bei der Jagd nicht vorkommen, weil die niedersächsischen Jäger so hervorragend ausgebildet seien. - Nur drei Tage später erschossen niedersächsische Jäger jedoch einen freilebenden Wolf, der unter strengstem Artenschutz steht und unter keinen Umständen getötet werden darf. Ist dieser Vorfall auch unter die herausragenden »Leistungen der niedersächsischen Jägerinnen und Jäger in der Umweltbildung und im Naturschutz« zu subsumieren, welche das Landwirtschaftsministerium in seiner Antwort auf die Kleine Anfrage der SPD so lobt?

Auch sonst strotzt die Antwort des Ministeriums für den ländlichen Raum nur so vor Jägerlatein, dass sich durch objektive Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse längst widerlegen lässt.
Doch lesen Sie selbst: www.abschaffung-der-jagd.de/politikJagd hat weder etwas mit Naturschutz, noch mit Artenschutz und schon gar nicht mit Tierschutz zu tun - Jagd ist das blutige Hobby einer kleinen Minderheit. Zudem werden immer wieder korrumpierende Einflussnahmen auf Politik und Behörden aufgedeckt.Ökologen weisen seit Jahren darauf hin, dass die Jagd auch in der heutigen Kulturlandschaft keineswegs erforderlich ist und überdies oftmals zu einer Gefährdung von Tierpopulationen und ihren Lebensräumen führt.
Die guten Erfahrungen, die andernorts mit teilweisen oder völligen Jagdverboten gemacht wurden, lassen es umso unverständlicher erscheinen, dass moderne Konzepte für den Umgang mit der Natur und den in ihr lebenden Tieren scheinbar noch keinen Eingang in die deutsche Gesetzgebung gefunden haben; vor allem da die große Mehrheit der Deutschen die Jagd in ihrer jetzigen Form ablehnt.

Jäger sind keine Artenschützer
Die Zukunft der Arten gilt als hochgradig bedroht. Viele Pflanzen- und Tierarten, die früher selbstverständlich waren, kommen gegenwärtig nur noch selten vor oder sind vollständig verschwunden. Prof. Dr. Josef Reichholf, Abteilungsleiter an der Zoologischen Staatssammlung München, beziffert den Anteil der Jagd am Rückgang der Arten mit 12 %. Reichholf wörtlich: »Bei den meisten der größeren Arten hängt die Zukunft nicht am Klimawandel oder an den Störungen durch Spaziergänger oder Naturfreunde, sondern an den Gewehrläufen der Jäger.«

Jäger sind keine Naturschützer:
Nach Schätzungen von Umweltverbänden werden durch die Jagd jährlich ca. 3 - 4.000 Tonnen Blei in die Natur freigesetzt. Das Schwermetall Blei ist ein hochtoxische Umweltgift, eine Bleivergiftung bewirkt Siechtum und qualvollen Tod bei Mensch und Tier. Das viele Blei gelangt durch chemische Umwandlung in den natürlichen Stoffkreislauf und landet schließlich im Boden, Trinkwasser und Brotgetreide. Mehr als drei Millionen Tiere enden jährlich im Schrothagel der Jäger, darunter auch Hunderttausende von Wasservögeln. Aufgrund der großen Streuwirkung der Schrotkugeln werden Schätzungen zufolge bis zu 30 Prozent der Vögel nicht unmittelbar getötet, sondern krankgeschossen, was mit dem Staatsziel Tierschutz kaum vereinbar sein dürfte.

Jäger sind keine Tierschützer:
Ganz »legal« fallen in ganz Deutschland jährlich ca. 300.000 Katzen und ca. 30.000 Hunde den Jägern zum Opfer. Jede Katze, die je nach Bundesland ein paar 100 Meter vom nächsten bewohnten Haus ihre Mäuse fängt, läuft Gefahr, von einem Jäger erschossen zu werden. Jedes Jahr trauern daher unzählige Familien um ihre getöteten Haustiere.

Sehr geehrte Abgeordnete, seit der Föderalismusreform haben Sie es nun endlich selbst in der Hand, hiergegen etwas zu unternehmen und den Hautierabschuss oder die brutale Fallenjagd, bei der oft auch Haustiere auf tragische Weise ums Leben kommen, in Niedersachsen - abweichend vom Bundesgesetzgeber - gesetzlich zu verbieten. Nutzen Sie diese einmalige Chance!

Jedes Jahr sterben in Deutschland aber nicht nur über 5 Millionen Wildtiere, ca. 300.000 Katzen und ca. 30.000 Hunde, sondern auch etwa 40 Menschen durch Jäger und Jägerwaffen.
Die Zahl der Verletzten geht in die Tausende (alleine an so genannten Jagdunfällen werden den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften jedes Jahr über 800 Opfer gemeldet).

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete, selbstverständlich interessiert uns Ihre Meinung über die gegenwärtig praktizierte Jagd, die in der Bevölkerung längst ihren Rückhalt verloren hat. Wir werden uns erlauben, Ihre Antwort als Wahlhilfe an die vielen Menschen aus Niedersachsen, die sich täglich an uns wenden, weiterzureichen.



Mit freundlichen Grüßen,





Kurt Eicher, Sprecher des Aktionsbündnisses »Natur ohne Jagd«





Offener Brief des Deutschen Naturschutzrings

Geplante Verabschiedung Gesetzentwurf zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften im Niedersächsischen Landtag


Offener Brief

An
Ministerpräsident Christian Wulff
Minister für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Hans-Heinrich Ehlen
Umweltminister Hans-Heinrich Sander
Umweltausschuss
Vorsitzender: Klaus-Peter Dehde
Stellvertreterin: Annette Schwarz
Ausschuss für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
Vorsitzender: Karl-Heinrich Langspecht
Stellvertreter: Jan-Christoph Oetjen

11.12.2007

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

vor der geplanten morgigen Verabschiedung des Gesetzentwurfes zur Änderung jagdrechtlicher Vorschriften bitten wir um Beachtung folgender Gesichtspunkte:
Der Deutsche Naturschutzring (DNR) bittet Sie als Dachverband der deutschen Natur- und Umweltschutzverbände dringend darum, die gesetzlich geplanten Voraussetzungen zur Änderung der Jagdzeitenverordnung in Niedersachsen zurückzunehmen und die Jagd auf Gänse einzustellen.
Niedersachsen hat in den letzten Jahren wirksame, fachlich anerkannte und von breiter Akzeptanz bei der Landwirtschaft getragene Schutzmaßnahmen für durchziehende, rastende und überwinternde Gänse und Schwäne ergriffen, die den Anforderungen von Naturschutz und Landwirtschaft gleichermaßen entsprechen und somit die internationalen Schutzerfordernisse beispielgebend umsetzen. Hiervon darf nicht abgewichen werden.
In mehreren Regionen Niedersachsens trägt das Vorkommen an Gänsen und Schwänen zur Entwicklung eines naturorientierten Tourismus und zur Stärkung der regionalen Wirtschaft bei. Im übrigen nehmen deren Populationen nicht unbegrenzt zu. Sie regulieren sich durch natürliche Mechanismen im Brutgebiet, auf dem Zugweg und im Winterquartier selbst.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Helmut Röscheisen
DNR-Generalsekretär
Deutscher Naturschutzring
Am Michaelshof 8-10
53177 Bonn
Tel. 0228/35 90 05
Fax: 0228/35 90 96
eMail: Helmut.Roescheisen@dnr.de
www.dnr.de

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