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Leserbriefe

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Reform des Jagdgesetzes

Die Landesregierung sei sich bewusst, dass die Jagd eine „grundsätzlich notwendige Form der Landnutzung“ sei? Wenn sich die Jagd im Saarland auf das Notwendige reduzierte, kämen wir mit maximal 30 Berufsjägern im ganzen Land aus (statt der über 3.000 Hobbyjäger). Wo bitte liegt die Notwendigkeit, dass sich Freizeittiertöter nach Feierabend als Jäger verkleiden und mit einem übertriebenen Eigeninteresse ihr jagdliches Tun weit über das gesellschaftlich vertretbare Maß hinaus ausdehnen? Es fängt an mit unnötigen Hochsitzen, geht über Futtermengen, mit denen man ganze Länder vor dem Verhungern retten könnte und endet bei wohl jährlich weit über 200 erschossenen Haustieren. Von den jährlich 4.000 unnötig abgeknallten Füchsen ganz zu schweigen! Die Landesregierung sollte es formulieren, wie es ist: Die Jagd im Saarland ist nicht an Notwendigkeiten, sondern an den Bedürfnissen der Freizeittiertöter orientiert!

Mit freundlichen Grüßen
Mario Natale, Revierförster im Saarland
29.12.2011

Das Schwäbische Tagblatt hat am 31.12.2011 den lesenswerten Artikel veröffentlicht: Waidmänner am Scheideweg - Karlsruher Grundbesitzer klagt: Er will Jägerei im eigenen Wald verbieten lassen

Lesen Sie auch den Leserbrief dazu:

Die Hobbyjagd ist nicht mehr zeitgemäß!

Eine kleine Minderheit von 0,4 Prozent der Bevölkerung geht einem blutigen Hobby nach: Nach Feierabend oder als Ruhestandsbeschäftigung laufen die Waidmänner schwer bewaffnet in Wald und Flur rum, schießen jährlich über 5 Millionen Wildtiere sowie etwa 350.000 Haustiere tot – wobei sie schlecht schießen, denn bis zu 70 Prozent der Rehe und Wildschweine sind laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz nicht beim ersten Schuss tot, sondern angeschossen: Sie fliehen unter Schmerzen und in Todesangst - mit zerschossenen Beinen, heraushängenden Eingeweiden. Spaziergänger, Jogger und Fahrradfahrer werden von Jägern angepöbelt, es wird gedroht, den Hund zu erschießen, bei Treibjagden über private Grundstücke wird dann auch mal ein Pferd oder die Hauskatze erschossen oder die zahme Ente vom Jagdhund zerfleischt...

Ist es da verwunderlich, dass immer mehr Grundstückseigentümer die Hobbyjagd auf ihrem eigenen Grund und Boden nicht mehr länger dulden wollen? Im Falle von Grundstücksbesitzern aus Frankreich und Luxemburg hat der Europäische Gerichtshof bereits geurteilt, dass die zwangsweise Bejagung privater Grundstücke (denn das ist die Folge davon, dass jeder Grundstücksbesitzer zwangsweise Mitglied in einer Jagdgenossenschaft ist) gegen die Menschenrechte verstößt.

Zumal - entgegen des Jägerlateins von Jägerpräsident Hartwig Fischer - renommierte Wissenschaftler den Widersinn der Jagd in wissenschaftlichen Publikationen deutlich aufgezeigt haben.
Jagd ist sogar kontraproduktiv: Ursache der starken Vermehrung bei Wildschweinen ist das Futterangebot (für das neben Maisanbau die Jäger mit Tonnen von Futter sorgen), sondern vor allem die intensive Bejagung. Zu diesem Ergebnis kommt eine französische Langzeitstudie: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. (vgl. Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)
Ragnar Kinzelbach, Zoologe an der Universität Rostock, ist überzeugt: „Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.“ (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)

Doch das Märchen, dass Jäger für das Gleichwicht in der Natur zuständig sind. ist nicht das einzige Jägerlatein, das DJV-Präsident Fischer verbreitet: Wie bitte? Nur drei Tote durch die Jagd pro Jahr? - In den letzten 12 Monaten sind über 40 Tote durch Jäger und Jägerwaffen zu beklagen! Und das kann jeder selbst nachzählen, denn die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert seit zehn Jahren Pressemeldungen über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen.

Da kann man nur hoffen, dass es 2012 besser wird und wenigstens in Nordrhein-Westfalen und im Saarland die Jagd im Sinne von Tier- und Menschenschutz reformiert wird. Und dass der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte ein Urteil im Sinne der Grundeigentümer fällt, die dann wenigstens für ihr Fläche sagen können: „Keine Jagd auf meinem Grundstück!“


Julia Brunke

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