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Bestand geht zurück: 494 Sturmmöwen wurden geschossen.
KIEL. Tier- und Naturschützer schlagen Alarm. In Schleswig-Holstein gelte weiterhin: Feuer frei auf Mauswiesel und Dachs, Nonnengans und Höckerschwan, Elster und Lachmöwe.
Vom "Töten ohne Sinn und Verstand" spricht die Grünen-Politikerin Marlies Fritzen. Der Grund für ihre Empörung: Das Umweltministerium in Kiel hat die sogenannte Landesjagdzeitverordnung, die zum 31. März ausgelaufen war, um zehn Jahre verlängert. Darin ließ die Große Koalition 2005 die Jagd auch auf geschützte und vom Aussterben bedrohte Tierarten zu oder weitet sie zeitlich aus.
Die aus Sicht der Naturschützer alarmierenden Folgen dieser Ausweitung: 2260 Iltisse und 187 Sturmmöwen wurden allein in der Saison 2008/2009 "zur Strecke gebracht", so Fritzen. Beide Tiere stehen auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. Von den Rebhühnern, die als stark gefährdet gelten, wurden in diesem Zeitraum 371 geschossen. Darüber hinaus ignoriere die Landesregierung das Risiko des versehentlichen Abschusses seltener oder bedrohter Tierarten. "Die bedrohte Waldsaatgans sieht der gewöhnlichen Saatgans nicht unähnlich", weiß Fritzen. Bis 2005 galt daher eine ganzjährige Schonzeit für die Saatgans. Schwarz-Gelb verlängere jetzt diese unverantwortliche Jagdpraxis. Das sei kein wirksamer Artenschutz, so Fritzen. Denn: "Die Landesregierung nennt keinen vernünftigen Grund für die Jagd auf gefährdete Arten." Wer esse das Fleisch der 473 getöteten Höckerschwäne oder der 5325 erlegten Elstern? Niemand nähe sich einen Mantel aus dem Fell der 270 geschossenen Mauswiesel. "Wozu also müssen sie bejagt
werden", fragte die Grünen-Frau. (...)
Fraglich sei zudem das Töten von Tieren, die keinen Schaden anrichten, sagt Ludwichowski. So wurden 223 Lachmöwen getötet, die sich
lediglich von fliegenden Insekten ernähren. Der Maderhund stürzt sich auf
Aas, das Mauswiesel stößt bei Menschen auf Wohlwollen, weil es als
Schädlinge geltende Kleinsäuger frisst.
Wenn Tiere ohne vernünftigen Grund bejagt werden, dann, so Ludwichowski, sei das Töten ein Sport. Er fragt: "Darf man das?"
Quelle: Wedel-Schulauer Tageblatt, 10.4.2010 (Auszug)
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