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Die Lusthaftigkeit des Tötens

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Jagd: Nebenform menschlicher Geisteskrankheit

Wussten Sie...

...dass durch den blutigen Krieg in Wald und Flur jedes Jahr über 5 Millionen Tiere umgebracht werden - oft auf grausamste Weise: 1.117.511 Rehe, 854.324 Wildtauben, 608.466 Füchse, 526.003 Wildenten, 512.050 Wildschweine, 470.459 Hasen sowie Wildkaninchen, Hirsche, Dachse, Wildgänse, Schwäne, Waschbären...
Bilder

...dass Schrotladungen die Hasen wie kleine Kinder aufschreien lassen und »Deformationsgeschosse« Rehen und Hirschen die Innereien zerfetzen, damit sie auf der Flucht Spuren für die »Nachsuche« hinterlassen?

...dass etwa die Hälfte der Tiere nicht sofort tot ist und angeschossene Tiere noch stunden- oder sogar tagelang Qualen leiden?
»Da brauche ich keine Ethik und Moral«
Jäger unter sich

...dass die überwiegende Mehrheit keine Berufsjäger sind, sondern die Jagd als Hobby und Freizeitvergnügen ausüben?

...dass nur etwa 0,3% der Menschen in Deutschland Jäger sind?

...dass laut repräsentativer Umfragen 80% der Bevölkerung diesen blutigen Freizeitsport ablehnen (EMNID-Institut Sept. 2003 und Sept. 2004)?
Repräsentative Umfragen


Prof. Dr. Theodor Heuss, 1. Präsident der Bundesrepublik Deutschland, brachte es bereits vor etwa 50 Jahren auf den Punkt:
»Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit«.

Abbildung: »Keine Angst vor der Lust« - Artikel über Triebforschung - WILD UND HUND 24/2003 - Anklicken zur Vergrößerung

Lust am Töten

»Keine Angst vor der Lust«: Dissertation eines Jägers

In der Jägerzeitschrift WILD UND HUND Nr. 24/2003 wird in einem Artikel mit der Überschrift »Keine Angst vor der Lust« über die Doktorarbeit eines Jägers berichtet: »Beim Erlegen des Wildes erleben Jäger einen Kick und zu dem sollten sie sich bekennen... Wichtig ist... die Tatsache, dass er (der Jäger) selbst irgendwann sterben wird. In dieser Gewissheit vernichtet der Jäger das Leben eines wilden Tieres. Dabei verschafft er sich unbewusst das Gefühl, die Natur mit ihrer beängstigenden Todesgewissheit zu beherrschen.
So ist also die häufig kritisierte ‚Lust am Töten' laut Kühnle nichts anderes als ein ‚hingebungsvolles Streben nach Überwindung des Todes durch Naturbeherrschung'... Dem Jäger geht es nicht um die Vernichtung eines speziellen Tieres, an das er sich herangepirscht hat. Er erlebt aber seinen emotionalen Erfolg, den Kick, nur, wenn es ihm gelingt, das Leben eines speziellen Tieres zu vernichten...«

In seiner Dissertation "Die Jagd als Mechanismus der biotischen und kulturellen Evolution des Menschen" (2003) schreibt Günter R. Kühnle: »Weltweit wird die Wildjagd unserer Zeit selten noch aus rein
praktischen Motiven (z. B. Nahrungsjagd), sondern um eines starken emotionalen Erfolges Willen (der Kick beim Töten des Tieres, Freude, Glück, Zerstreuung, Entspannung, Abenteuer) oft mit großer Leidenschaft und Hingabe betrieben. ... Für die modernen Jäger unserer Zeit bedeutet das Töten des Wildes notwendige Bedingung zum Erreichen des oft leidenschaftlich intendierten emotionalen Ereignisses (der Kick).«
Link zur Dissertation


Ein Professor spricht über Lust und Triebbefriedigung bei der Jagd

Auf der Jahrestagung des Forums lebendige Jagdkultur beschreibt Prof. Dr. Gerd Rohmann unter dem Titel: »Neue Gedanken zur Lust an der Lust zwischen Erleben und Erlegen« das Jagderlebnis unter anderem wie folgt: Er spricht von der »Lust zum Beutemachen...« und stellt hierzu fest: »Die Triebbefriedigung dieser Art wird nicht bloß mit Lust erstrebt, sie wird auch im Akt und nach diesem mit Lust erlebt. Diesen hierbei ablaufenden emotionalen Prozess wollen wir mit Lust bzw. mit Freude, seine Aktivitätsmerkmale mit Passion bzw. mit Leidenschaft bezeichnen.«
Auch Rohmann spricht vom »Kick« (erlebt im Akt des Erlegens, Tötens): »Denn darin, dass wir das Naturding Wild töten und dabei einen exorbitanten Lusteffekt erleben, erweist es sich empirisch, dass wir etwas ganz Besonderes in unserem Inneren erfahren... Mit der Jagd ist es ähnlich wie mit der Liebe: Das erotische Erleben liegt auf dem Weg zum Höhepunkt. Das Ziel liegt nämlich nicht im schnellen Schuss, sondern im Erstreben und Erleben eines gemeinsam erreichten anhaltenden Höhepunktes. Der sexuelle Orgasmus wird in einer Metapher der französischen Sprache auch ‚La petite mort' genannt... Den emotionalen Höhepunkt seiner Jagd, den Kick, erlebt der Jäger immer dann, wenn er den todbringenden Schuss auslöst und er erlebt ihn auch, wenn das Wild nicht sofort tödlich getroffen den Schuss zwar ‚quittiert', aber entflieht...«

Rechtfertigt die »Lust« einiger weniger das Töten von jährlich über 5 Millionen Wildtieren sowie ca. 350.000 Haustieren - allein in Deutschland?


Zitat von einem Jäger: »Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust«

»Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust«. Dieses Bekenntnis stammt von einem Jäger: von Paul Parin, Neurologe, mehrfach ausgezeichneter Psychoanalytiker und Schriftsteller, Ehrendoktor der Universität Klagenfurt.

In seinem Buch »Die Leidenschaft des Jägers« schreibt Parin über die Leidenschaft, die Passion, das Jagdfieber folgendes:
»Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird... Die wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Leidenschaft­­lich Jagende wollen töten. Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selber aufhebt... Und weil es sich um Leidenschaft, Gier, Wollust handelt - um ein Fieber eben - geht es ... um sex and crime, um sexuelle Lust und Verbrechen jeder Art, um Mord und Lustmord.« (Paul Parin: Die Leidenschaft des Jägers, Hamburg, 2003).

Das Buch des Psychoanalytikers Paul Parin

Paul Parin ist Neurologe, mehrfach ausgezeichneter Psychoanalytiker und Schriftsteller, Ehrendoktor der Universität Klagenfurt - und er ist Jäger. Über sich und sein neues Buch sagt er selbst: »Es gibt kaum Autoren, die von der Jagdleidenschaft ergriffen waren und die gleichermaßen über Kritik und Ablehnung der Jagd schreiben.«
In »Die Leidenschaft des Jägers« erzählt Parin eigene Erinnerungen und Geschichten über die Jagd. Ungeschminkt schreibt er über die Leidenschaft, die Passion, das Jagdfieber:
»Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird. "Licence" hat eine radikalere Bedeutung als der deutsche Ausdruck Freibrief: Verbote gelten nicht mehr. Wenn man über Jagd schreibt, muss man über geschlechtliche Lust schreiben und über Grausamkeit und Verbrechen... Die wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Leidenschaftlich Jagende wollen töten.
Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selber aufhebt... Und weil es sich um Leidenschaft, Gier, Wollust handelt - um ein Fieber eben - geht es in diesem Buch um sex and crime, um sexuelle Lust und Verbrechen jeder Art, um Mord und Lustmord.«

Einen deutlichen Vorgeschmack liefert bereits die erste Geschichte des Buches mit dem Titel »Der Haselhahn«: Parin erzählt von seinem Jagderlebnis als Dreizehnjähriger, bei dem er einen Haselhahn erlegt: »Ich drücke ab, höre keinen Knall, spüre den Rückstoß nicht. Ich bin aufgesprungen, blind und taub stehe ich da. Eine unerträgliche Spannung, irgendwo im Unterleib, etwas muss geschehen. Plötzlich löst sich die Spannung, in lustvollen Stößen fließt es mir in die Hose, nein, es ist das, der wunderbare Samenerguss, der erste bei Bewusstsein. Ich stehe aufgerichtet, das Gewehr in der Linken, kann wieder hören und kann sehen. - Dort liegt die Beute, ein Haufen bunter Federn.«
Einige Jahre später schießt Parin als Jugendlicher seinen ersten Bock - seine Initiation, der Eintritt in das Leben als Mann und Jäger: »Das Jagdfieber erfasste mich immer wieder mit der gleichen Macht wie sexuelles Begehren. Das Ziel der Gier war jetzt der Mord an einer Kreatur.«
Parin schildert die ritualisierte Gewalt bei der Jagd, bei der ansonsten wohlerzogene Menschen zu Monstern werden, berichtet von brutalen Erziehungsmethoden mit der Peitsche und vom Morden während des Zweiten Weltkriegs. Der Autor erzählt dabei sowohl die eigene Geschichte, richtet zwischendurch aber auch den Blick des Wissenschaftlers auf die Jäger und zitiert hierzu Literaten und Philosophen. Heraus kommt eine in Geschichten gefasste Analyse der Natur des Jägers.
Parin weiß, dass es kein Geheimnis ist, dass die Tiere unter der Jagd leiden. Er zitiert Ovid, der in den »Metamorphosen« das Paradies schildert, »in dem Tiere und Fische leben, ohne Verrat und ohne Furcht und Arglist«. Prüfstein der humanen Gesinnung sei seit dem Zeitalter der Aufklärung der Abscheu vor dem Mord an unschuldigen Tieren. Parin kennt auch die einschlägigen Anti-Jagdbücher von heute: Carlo Consiglio habe bewiesen, dass es biologisch keine Rechtfertigung für die Jagd gibt. Folglich geht es bei der Jagd nicht um biologische oder ökologische Notwendigkeiten, geht es nicht um Naturschutz, geschweige denn um Ethik und Moral. So weist der Autor darauf hin, dass zwar alle erdenklichen Argumente dafür herhalten müssen, um die Jagd von jedem moralischen Makel freizusprechen. »Und doch ist die Jagd der einzige normale Fall, bei dem das Töten zum Vergnügen wird...«
Schon der Jagdphilosoph Ortega hat bekanntlich gesagt: Die größte Gefahr für das Bestehen der Jagd ist die Vernunft.

Der Autor:

Paul Parin - selbst Jäger - ist Neurologe, Psychoanalytiker und Schriftsteller. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen: den Preis der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft, den Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie Darmstadt und den Sigmund-Freud-Peis der Stadt Wien. Paul Parin ist Ehrendoktor der Universität Klagenfurt.

Paul Parin: Die Leidenschaft des Jägers. Erzählungen. Europäische Verlagsanstalt/Sabine Groenewold Verlage, Hamburg, 2003. ISBN: 3-434-50561-X. Preis: 19.90 Euro

Jäger sind mutige Wohltäter

Von Helmut F. Kaplan

Vor einiger Zeit habe ich einen Text zur Jagd geschrieben, der natürlich
leider nach wie vor aktuell ist zum Beispiel wegen der weiterhin
stattfindenen Fuchs-Massaker in England. Von juristischer Seite wurde mir
allerdings dringend davon abgeraten, den Artikel zu veröffentlichen: Jäger
würden wen wundert´s - ganz besonders aggressiv reagieren, wenn man
ihren Freizeitvertreib in Frage stellt, was mich in große Schwierigkeiten
bringen könnte. Ich habe den Text also an mehreren Stellen entschärft oder
verändert (woran auch die ursprüngliche Überschrift glauben mußte):

Ich möchte einmal mehr dazu aufrufen, der Bekämpfung der Jagd eine
besondere Priorität einzuräumen. Und zwar aus mindestens drei Gründen:

1) An diesem Terror gegen Tiere sind nur verhältnismäßig wenige Menschen
unmittelbar beteiligt, weshalb seine Bekämpfung vergleichsweise große
Erfolgschancen hat.

2) Die objektive Unsinnigkeit und Überflüssigkeit ist bei der Jagd
besonders augenscheinlich: Jedem vernünftigen Menschen leuchtet ein, daß
der angeblichen Notwendigkeit, bestimmte Tierpopulationen zahlenmäßig
konstant zu halten, durch andere Maßnahmen wesentlich effektiver und
humaner Rechnung getragen werden könnte.

3) Die psychische Abartigkeit von Jägern sticht besonders ins Auge. Nicht
zufällig bezeichnete Theodor Heuss die Jagd als "eine Nebenform
menschlicher Geisteskrankheit".

Um sich die potentiell gefährliche Psyche eines Jägers zu
vergegenwärtigen, braucht man sich nur klar zu machen, was es eigentlich
bedeutet, beim Anblick eines Rehs auf den Gedanken kommen zu können:
Dieses ahnungslose, unschuldige Wesen könnte ich jetzt doch erschießen!

Seit ein paar Jahren gibt es, insbesondere im angelsächsischen Raum, eine
intensive Forschungstätigkeit zum Zusammenhang zwischen der Gewalt
gegenüber Tieren und der Gewalt gegenüber Menschen. Meine Tochter, Astrid
Kaplan, hat die Ergebnisse dieser Untersuchungen in ihrer Dissertation
(Universität Klagenfurt, 2003) dargestellt.

Von daher sind mir die massiven und vielfältigen psychologischen und
personellen Verflechtungen zwischen Tier- und Menschenschindern geläufig.
So ist etwa bei Jugendlichen, die wegen Tiermißbrauch verurteilt wurden,
die Wahrscheinlichkeit, daß sie auch gegenüber Menschen Gewalt ausüben,
fünfmal höher, und fast alle Serienmörder haben Tiere gequält, bevor sie
Menschen umbrachten.

Ich wage die These: Würde man einen Forscher beauftragen, idealtypische
Repräsentanten für schwere und gefährliche menschliche Fehlentwicklungen
zu suchen unter Jägern würde er rasch fündig.

Aus sozialpsychologischen Experimenten ist hinlänglich bekannt, daß nur
die situativen Rahmenbedingungen "stimmen"; müssen, um rasch auch aus
biederen, braven Bürgern hemmungslose Sadisten, Folterer und Mörder zu
machen. Auch hierzu eine These: Jäger würden zu den ersten gehören, die
auch zu Massakern an Menschen bereit wären.

Helmut F. Kaplan
http://www.tierrechte-kaplan.org/
http://www.tierrechte-kaplan.org/buecher/index.html

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