Keine Rechtfertigung mehr für Jagd auf Füchse

Impf-Erfolge bei Tollwut und Fuchsbandwurm

Füchse werden in Deutschland ganzjährig bejagt und haben keine Schonzeit. Da Füchse nicht essbar und die Pelze schwer zu vermarkten sind, werden die Kadaver meist kurzerhand in der Tierkörperbeseitigung entsorgt. Diese gnadenlose Jagd auf Füchse versuchen die Jäger gegenüber der Öffentlichkeit mit zwei Argumenten zu rechtfertigen: dem angeblichen Schutz der Bevölkerung vor Tollwut und dem Fuchsbandwurm. Der Haken daran: Deutschland gilt seit 2008 nach den internationalen Kriterien der »Weltorganisation für Tiergesundheit« als tollwutfrei. (Quelle: Ärzte Zeitung, 7.8.2008)

Und spätestens seit der Anfang 2010 veröffentlichten Untersuchung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der Technischen Universität München kann auch das Argument »Fuchsbandwurm« getrost in die Kategorie »Jägerlatein« eingeordnet werden.
Die Wissenschaftler wiesen nach, dass durch das konsequente Auslegen von Entwurmungsködern die Infektionsrate dauerhaft auf ein Minimum gesenkt werden kann. Bei einem Projekt im Landkreis Starnberg wurde die Befallsrate der Füchse innerhalb weniger Jahre auf unter 3 Prozent gesenkt. (Quelle: Pressemeldung des Wissenschaftszentrums Weihenstephan der TU München, Januar 2010)

Schon in den vergangenen Jahren hatten Forscher immer wieder darauf hingewiesen, dass die Angst vor dem Fuchsbandwurm übertrieben sei. Laut Robert-Koch-Insitut gibt es in Deutschland pro Jahr im Schnitt weniger als 20 bestätigte Fälle von Neuinfektionen. Und Professor Peter Kern, der das Europäische Echinokokkose-Register koordiniert, in dem alle bekannt gewordenen Infektionen mit dem Fuchsbandwurm dokumentiert werden, weist darauf hin, dass das größte Risiko der Ansteckung für den Menschen gar nicht der Fuchs ist, sondern der Hund. (Quelle: Kölner Stadtanzeiger, 14.6.2009)

Zudem gibt es keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass Jagd die Befallsrate der Füchse mit dem Bandwurm reduzieren kann. Auch bei der Tollwut führten einzig flächendeckende Impfaktionen mit Auslegung von Impfködern zum Erfolg - die Fuchsjagd hatte sich Studien zufolge als kontraproduktiv erwiesen und zur Ausbreitung der Tollwut sogar beigetragen.

Somit kann festgestellt werden, dass die angebliche Bedrohung der Volksgesundheit mit Tollwut und Fuchsbandwurm nicht existiert – und nur als Rechtfertigung der Jäger für ihr Hobby dient.



Füchse in der Stadt

»Fuchsfamilie strolcht durch den Kindergarten«

Bedingt durch den Wohlstandsmüll in Stadtnähe sowie nicht zuletzt auch den erbarmungslosen Jagddruck, der in ländlichen Regionen auf Fuchspopulationen lastet, sind Füchse heutzutage in vielen größeren Städten vergleichsweise häufig gesehene Gäste. Dass es durchaus möglich ist, sich mit Füchsen als Nachbarn zu arrangieren und sich an ihnen zu erfreuen, zeigen Beispiele etwa aus der Schweiz oder aus England, wo Mensch und Fuchs in der Stadt weitgehend konflikt- frei koexistieren. Füchse sind hervorragende Mäuse- und Rattenjäger (was ja durchaus im Sinne der Jenaer Bevölkerung sein dürfte), und wo tatsächlich Reibungsflächen existieren, kann man erforderlichen- falls mit unblutigen Maßnahmen (Vertreibung durch Duftstoffe oder Präsenz von Menschen oder Hunden) eingreifen.
Ich möchte Sie dringendst darum bitten, keine Abschusserlaubnis für die in oben angeführtem Artikel erwähnte Fuchsfamilie zu erteilen. Stattdessen hielte ich es für wünschenswert, der Bevölkerung die reale biologische Bedeutung des Fuchses, unseres größten verbleibenden Beutegreifers, nahezubringen, und um Akzeptanz für Stadtfüchse zu werben. Immerhin ergibt sich dadurch auch die Möglichkeit, ein wenig Natur unmittelbar vor der eigenen Haustür bewundern zu können.



Naiver ökologischer Sachverstand

Kommentar zum Leserbrief »Naiver ökologischer Sachverstand«

Nun, auch mir wird vermutlich nach diesem Leserbrief »naiver ökologischer Sachverstand« vorgeworfen, denn auch ich habe kein grünes Abitur (sondern richtiges Abitur), kann aber z.B. (im Gegensatz zu den meisten Jägern) durchaus Wölfe von Schäferhunden unterscheiden. Grundsätzlich versuchen Jäger immer, ihr blutiges Treiben in der Öffentlichkeit mit ökologischer Notwendigkeit zu rechtfertigen, wobei gerade in letzter Zeit eine Welle jägerischer Selbstdarstellungen aus deutschen Zeitungen herausschwappt. Unter Ihresgleichen reden die Jäger aber merkwürdigerweise ganz anders über die Jagd.
Zitat eines Jungjägers aus dem »Wild & Hund«-Forum:
»Ich habe mir freitags den Jagdschein(jugend) geholt und hab samstags und sonntags unsere 5! Jungfüchse am Bau erlegt. Das war für mich schon ein großes Ereignis die ersten Füchse in meinem Jägerleben.«
Es ist nicht etwa der Insasse einer Nervenheilanstalt, der hier den feigen Mord an 5 Fuchswelpen als »großes Ereignis« bezeichnet, sondern jemand, der bewaffnet und völlig unbehelligt in unseren Wäldern umherlaufen und über Leben und Tod entscheiden darf, genauso wie der Lodenträger, der folgendes Zitat im selben Forum zum besten gegeben hat: »Viele Waidmänner schaffen es noch nicht einmal zuzugeben, dass ihnen ihr tun Freude bereitet...doch wenn wir einmal ehrlich sind, ist es doch ein kaum zu übertreffendes Gefühl der Verbundenheit mit der Natur und damit einhergehend ein Gefühl der Freude, wenn der Fuchs sich in einer kalten Winter-, Schnee-, Mondnacht im Knall überschlägt und uns seinen Balg als (leider kaum mehr sinnvoll zu verwertende) Trophäe lässt!«
Nun, ich denke, da bedarf es keines weiteren Kommentars. Wie dieser Jäger selbst zugibt, lassen sich die Felle der getöteten Füchse nur selten verwerten, also sucht man händeringend nach anderen Gründen um zur Hatz auf diese schönen, intelligenten und nützlichen Tiere zu blasen. Für den Rückgang des Niederwildes sollen sie verantwortlich sein. Tatsächlich ist der Feldhase hierzulande vom Aussterben bedroht und dennoch wird immer noch intensiv Jagd auf ihn gemacht. 400.000 Hasen mussten im Jagdjahr 2001/2002 im Schrothagel jägerischer Flinten ihr Leben lassen. Jäger als Artenschützer? Wölfe, Luchse und Bären waren zum Zeitpunkt ihrer Ausrottung ebenfalls von den Artenschutzbemühungen deutscher Jäger ausgenommen und auch heutzutage steht die Jägerschaft einer Rückkehr dieser Beutegreifer im Weg, wie der jüngste Wolfsabschuss in Niedersachsen mal wieder auf tragische Weise gezeigt hat.
Auch wissen die Grünröcke selbst ganz genau, dass Seuchen wie Tollwut und Fuchsbandwurm sich nur dadurch eindämmen lassen, indem man die Seuche selbst und nicht deren Überträger bekämpft. Während dies in den 70er Jahren nämlich kläglich gescheitert ist, nachdem sich infolge intensivster Fuchsvernichtungsmaßnahmen, inklusive Begasung von Fuchsbauen, die Tollwut sogar noch schneller verbreitete, als vorher, waren erst die in den 80er Jahren eingeführten Impfmaßnahmen von Erfolg gekrönt und Tollwutfälle kommen heutzutage in Deutschland praktisch nicht mehr vor.
Weiterhin ist es den Jägern bisher nie gelungen, tatsächlich regulierend in die Fuchsbestände einzugreifen. Verluste werden immer wieder rasch ausgeglichen, da eine stärkere Bejagung zu einer erhöhten Geburtenrate seitens der Fähen führt, während sich die Fuchsbestände in nichtbejagten Gebieten auf einem gesunden Maß einpendeln. Doch naiver ökologischer Sachverstand führt immer wieder zu der vermeintlich einfachen Rechnung »Viele tote Füchse = mehr Hasen«. Neuere, jagdunabhängige Forschungsergebnisse zu vulpiner Populationsdynamik werden von den Jägern bewusst ignoriert.
Und Jäger gehören also zum »Schöpfungsauftrag«? Ich weiß nicht, wer den Jägern diesen Auftrag erteilt hat, klar dürfte jedoch sein, dass Jäger niemals schöpferisch, sondern immer zerstörerisch in die Natur eingreifen. Irgendwie muss hier ein riesiges Missverständnis seitens der Jägerschaft vorliegen, denn Sie verstehen es als »Abschöpfungsauftrag«, und betrachten das »abschöpfen«, bzw. »ernten« der Tiere als »nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen«. Tatsächlich muss hierzulande und heutzutage aber niemand mehr jagen, um sich zu ernähren und so wird die Natur nach persönlichen Nutzungsidealen zurechtgeschossen. Mit Naturschutz hat das nichts zu tun.
Fuchsjagd dient neben dem unmittelbaren Lustgewinn für den Jäger lediglich der Beseitigung von Beutekonkurrenz. Eine ökologische Notwendigkeit ist nicht zu erkennen und von den Jägern lediglich vorgeschoben. Aber Lügen werden nicht dadurch war, dass man sie immer und immer wiederholt.
Man kann nur hoffen, dass mit der anstehenden Novellierung der Jagdgesetze auch dem Fuchsvernichtungswahnsinn endlich ein gesetzlicher Riegel vorgeschoben wird.




Jäger stören Winterruhe der Wildtiere
Hasenjagd