Jagd: Nebenform menschlicher Geisteskrankheit

Es gibt keine Rechtfertigung mehr, dass wir den blutigen Krieg gegen unsere Mitgeschöpfe in Wald und Feld fortsetzen. Vielleicht war der Mensch früher auf seine Jagdbeute zum Überleben angewiesen. Heute dient sie nur mehr der Fleischsucht einiger Gourmets, die auf ihren Hasen- und Rehbraten nicht verzichten wollen. Vor allem aber lebt die Jagd von der Lust der Jäger zu töten, bequem und feige von Hochständen herunter und aus dem Hinterhalt zu schießen, vor denen sie ihre ahnungslosen Opfer zur Henkersmahlzeit versammeln. Unzählige Schusstürme säumen Waldränder und Waldwege, für die Tiere gibt es kaum ein Entkommen. Theodor Heuss, unser erster Bundespräsident, sagte treffend: »Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.«



Jagd stört das natürliche Gleichgewicht

In Deutschland werden jedes Jahr 5 Millionen Wildtiere mit Kugel oder Blei erschossen, erschlagen oder in Fallen getötet. 5 Millionen Tiere jedes Jahr – das sind 13.700 jeden Tag, 570 pro Stunde, fast 10 Tiere pro Minute. Alle 6 Sekunden stirbt ein Tier durch Jägerhand.

In vielen Fällen ist es ein äußerst qualvoller Tod: Viele Jäger geben zu, dass etwa die Hälfte der Tiere nicht sofort tot ist. Angeschossen fliehen Rehe und Wildschweine unter großen Schmerzen, mit heraushängenden Eingeweiden oder zertrümmerten Knochen - bis der Jagdhund Stunden oder Tage später bei der »Nachsuche« die Blutspur findet... Füchse werden im Bau ausgeräuchert oder vom Jagdhund aus dem Bau vor die Flinte des Jägers getrieben, Jungfüchse werden mit dem Knüppel erschlagen. In Fallen leiden viele Tiere stunden- und tagelang grausame Qualen.
Und warum das alles? Weil eine Minderheit von 0,4 Prozent der Bevölkerung Hobbyjäger ist.

Jagd bedeutet eine Störung des natürlichen Gleichgewichts der Öko-Systeme. Sie kann zur Ausdünnung oder Ausrottung von Tierarten führen. Wissenschaftliche Studien belegen die Selbstregulierungsfähigkeit der Natur. Auch die Erfahrungen in großen europäischen Nationalparks zeigen: Es geht Natur und Tieren ohne Jagd viel besser!

Die Auffassung, dass sich die richtige Wilddichte ganz von selbst einstellt, vertritt beispielsweise der renommierte Biologe Prof. Dr. Josef Reichholf von der Zoologischen Staatssammlung München, der an beiden Münchner Universitäten lehrte: »Die richtige Wilddichte könnte sich ganz von selbst einstellen, wenn die Tiere, wie z.B. das Reh, nicht durch Bejagung und Wildfütterung in den Wald hineingedrängt würden.« (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)
Auch Ragnar Kinzelbach, Zoologe an der Universität Rostock, ist überzeugt: »Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.«(ebda.)

Jäger sind Naturnutzer, aber keine Naturschützer. Sie hegen allenfalls die Tierarten, die für sie als Beute von Interesse sind. Im Übrigen widerlegen die Hobbyjäger inzwischen diese Behauptung selbst: In Jagdzeitschriften und auf Jägertagungen wird die »Freude am Beutemachen« und ihre »Lust am Töten« offen zugegeben.



Jägerlatein in der FAZ

Der an Schwulst und Kitsch wohl kaum noch zu überbietende Artikel vom 9.11. im Reiseblatt der FAZ zu den herbstlichen Treibjagden („Ein Lied für jedes Tier“) kann von keinem noch normal empfindenden Menschen unwidersprochen hingenommen werden. Es ist nicht nur der schier unerträgliche, romantisierende Stil (fast erwartet man beim Lesen, dass im nächsten Satz die vereinte Jägerschaft aus lauter Gutmenschen aus dem deutschen Wald bricht und vor dem Haus von Rotkäppchens Großmutter auftaucht), es strotzt dieser Text auch von einer peinlichen, heldenverehrenden Stahlgewitter-Terminologie, die man in seriösen deutschen Medien längst hinter sich wähnte. Da ist die Rede von „angeschossenen Keilern, die tapferen Recken die Oberschenkel aufgerissen haben“ oder „Blessuren…werden stolz getragen wie Orden: jede eine Auszeichnung“. Das Ganze ist eine einzige Glorifizierung des blutigen Hobbys einer anachronistischen gesellschaftlichen Minderheit postpubertierender Männer und ihrer Rituale.
Ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe selbst einmal (eine meiner Jugendsünden) neugierdehalber als Treiber an einer Jagd teilgenommen und diese feine Gesellschaft kennen gelernt. Ich war entsetzt über eine zynische, blasierte Männerclique, die jedes seelische und emotionale Verhältnis zu Natur und Tieren vermissen ließ, von Mitgefühl ganz zu schweigen. Hier zählen nur Abschussquoten. Hege und Pflege? Dass ich nicht lache.
Auch einer eher konservativen Zeitung wie der FAZ sollte nicht entgangen sein, dass das heutige (Um)welt- und Naturverständnis schon längst den rein anthropozentrischen Blickwinkel aufgegeben hat. Das Bewusstsein der meisten Menschen ist inzwischen weiter als das der Autorin oder von FAZ-Redakteuren, indem die schicksalhafte Einbezogenheit des Menschen in die Natur erkannt wird und Tiere als Mitgeschöpfe gesehen werden, die genau so empfinden und leiden wie der Mensch.
Warum also um aller Geschöpfe willen dieser irritierende Artikel? Stand hier vielleicht die Lobby der Jägerschaft, die sich in unserer Gesellschaft einem ständig wachsenden Legitimationsdruck ob ihres überflüssigen Hobbys/Sports ausgesetzt sieht, bittend vor der Tür?

Dr. Helmut Oehling, Berlin



Jagd - Millionenfaches Tierleid

Treib- und Drückjagdenjagden sind mit unendlichem Leid für die wildlebenden Tiere verbunden. Jungtiere verlieren ihre Eltern, Sozialstrukturen werden auseinandergesprengt. Viele Tiere werden „nur“ angeschossen, flüchten mit heraushängenden Eingeweiden oder zerschossenen Gliedmaßen, leiden oft tagelange Qualen, bis sie irgendwo verenden oder bei der Nachsuche schließlich durch den „Fangschuss“ erlegt werden. Da verwundert es nicht, dass Tierschützer vor allem die großen Gesellschaftsjagden als grausame Tierquälerei kritisieren.

Gefahr für Autofahrer

Bei der Jagd und besonders bei den großen Treib- und Drückjagden mit 50 oder gar mehr als 100 Jägern und Treibern werden die Wildtiere aufgescheucht – und rennen um ihr Leben. Dabei flüchten sie in Panik auch über Straßen und Autobahnen – und der Autofahrer kann nicht mehr rechtzeitig bremsen.
Wer haftet nun für den Schaden? Wer ist für den Verkehrsunfall verantwortlich? Ist der Autofahrer selbst schuld, weil er nicht mit der Treibjagd gerechnet haben? Und: Ist eigentlich in der Öffentlichkeit bekannt, dass viele so genannte „Wildunfälle“ durch Jäger verursacht wurden?

Gefahr für Wanderer und Erholungssuchende

Immer wieder schrecken Meldungen über so genannte Jagdunfälle die Öffentlichkeit auf und machen deutlich, dass die Jagd nicht nur für Wildtiere gefährlich ist, sondern auch für Menschen. Da gibt es die klassischen Jagdunfälle, wo Jäger und Treiber von Kugeln getroffen werden..

Doch immer wieder trifft auch Unbeteiligte: Spaziergänger, Mountainbiker, Landwirte - einmal ganz abgesehen von Haustieren wie Hunden oder Pferden auf der Weide, die immer wieder mit Wildschweinen „verwechselt“ werden.

Die Initiative zur Abschaffung der Jagd dokumentiert die erschreckende Zahl von Opfern durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen seit Jahren im Internet.

Universitätsstudien und Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften zufolge liegt die Zahl der jährlichen Jagdunfälle bei ca. 1600 - wobei diese Zahl sicherlich nur die Spitze des Eisberges ist.



Jagd verursacht Wildunfälle

Seit die Jagdsaison im Herbst begonnen hat, sind die Zeitungen wieder voll mit Meldungen über Wildunfälle. Doch im Grunde sind es nicht die Tiere, welche den Straßenverkehr gefährden, sondern die Jäger: Denn Wildschweine und Rehe befinden sich auf der Flucht vor den tödlichen Kugeln. Insbesondere die jetzt überall statt findenden Treib- und Drückjagden sind eine Gefahr für Autofahrer. Doch auch für Wanderer und Erholungssuchende kann es in Wald und Flur lebensgefährlich werden.
Bei den großen Treib- und Drückjagden in Herbst und Winter werden die Tiere von den Jägern massenhaft abgeknallt. Jungtiere verlieren ihre Eltern, Sozialstrukturen werden auseinandergesprengt. Viele Tiere werden „nur“ angeschossen, flüchten mit heraushängenden Eingeweiden oder zerschossenen Gliedmaßen, leiden oft tagelange Qualen, bis sie irgendwo verenden oder bei der Nachsuche schließlich durch den „Fangschuss“ erlegt werden. Da verwundert es nicht, dass Tierschützer vor allem die großen Gesellschaftsjagden als grausame Tierquälerei kritisieren.

Bei der Jagd und besonders bei den großen Treib- und Drückjagden mit 50 oder gar mehr als 100 Jägern und Treibern werden die Wildtiere aufgescheucht – und rennen um ihr Leben. Dabei flüchten sie in Panik auch über Straßen und Autobahnen – und der Autofahrer kann nicht mehr rechtzeitig bremsen.
Wer haftet nun für den Schaden? Wer ist für den Verkehrsunfall verantwortlich? Ist der Autofahrer selbst schuld, weil er nicht mit der Treibjagd gerechnet haben? Und: Ist eigentlich in der Öffentlichkeit bekannt, dass viele so genannte „Wildunfälle“ durch Jäger verursacht wurden?

Hinzu kommt: Immer wieder schrecken Meldungen über so genannte Jagdunfälle die Öffentlichkeit auf und machen deutlich, dass die Jagd nicht nur für Wildtiere gefährlich ist, sondern auch für Menschen.

Die Natur braucht keine Jäger – im Gegenteil: Jagd schädigt das Gleichgewicht in der Natur. So weisen immer mehr Wissenschaftler darauf hin, dass gerade die Jagd auf Wildschweine absolut contraproduktiv ist: Je mehr Jagd auf Wildschweine gemacht wird, umso stärker vermehren sie sich. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine französische Langzeitstudie: Starke Bejagung führt zu einer deutlich höheren Fortpflanzung und stimuliert die Fruchtbarkeit bei Wildschweinen. (vgl. Servanty et alii, Journal of Animal Ecology, 2009)



"Hege" - ein Relikt aus der Nazi-Zeit

Bei der von der Bundesrepublik Deutschland stets hervorgehobenen „Hege“, die weltweit einzigartig sein soll, handelt es sich um ein längst überkommenes Relikt aus der Nazi-Zeit, das mit den neuesten wildbiologischen Forschungsergebnissen nicht ansatzweise in Einklang zu bringen ist. Denn das Bundesjagdgesetz geht in seinen Grundzügen noch heute auf das Reichjagdgesetz von 1934 zurück – erlassen von Hermann Göring, Hitlers Reichsjägermeister. In den westlichen Ländern der Bundesrepublik traten zwischen 1949 und 1950 Landesjagdgesetze in Kraft, die in ihren Grundzügen wesentlich dem Reichsjagdgesetz der Nationalsozialisten entsprachen; das jagdliche Brauchtum und die Trophäenorientierung wurde nicht einmal ansatzweise verändert.

In deutschen Wäldern und Fluren gelten also nicht moderne Maßstäbe von Natur- und Tierschutz, sondern Jagdtraditionen aus der braunen Zeit von Reichsjägermeister Göring; und diese haben im 21. Jahrhundert nun wirklich nichts mehr verloren. Weitreichende Zerstörungen von Lebensräumen, weltweites Artensterben sowie ein gewachsenes Bewusstsein in der Bevölkerung für Tier- und Naturschutz fordern andere Gesetze als noch vor 60 oder gar 70 Jahren.



Natur und Tiere regulieren sich selbst

Wenn die Jäger ihr blutiges Hobby in der Öffentlichkeit rechtfertigen möchten, malen sie Schreckensszenarien von Waldschäden durch „Wildverbiss“. Seltsamerweise tauchen Rehe und Hirsche im Waldschadenbericht der Bundesregierung überhaupt nicht auf - als Ursache für Waldschäden werden statt dessen die Luftverschmutzung und saure Böden durch die hohen Nitratwerte, verursacht von der industriellen Landwirtschaft und Massentierhaltung (Ammoniak-Emissionen) genannt.

Immer mehr Wildbiologen gelangen zu der wissenschaftlich untermauerten Ansicht, dass die Tiere ihre Populationsdichte am besten selbst regeln und Überpopulationen vor allem dadurch entstehen, weil bestimmte Tierarten von den Jägern aus augenfälligen Gründen besonders gefördert werden. Bei diesen förderungswürdigen Trophäen handelt es sich vor allem um Schalenwild, dem wiederum das größte Schadenspotential für Wald und Feld nachgesagt wird.

Die Auffassung, dass sich die richtige Wilddichte ganz von selbst einstellt, vertritt beispielsweise Prof. Dr. Josef Reichholf: „Die richtige Wilddichte könnte sich ganz von selbst einstellen, wenn die Tiere, wie z.B. das Reh, nicht durch Bejagung und Wildfütterung in den Wald hineingedrängt würden.“ (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)

Feldstudien von Ökologen ergaben, dass die Tiere über einen inneren Mechanismus zur Regulierung des Populationswachstums verfügen: Die Regulation der Wildtierbestände erfolgt nicht durch die Jagd. Droht Überbevölkerung, wird die Geburtenrate gesenkt. Auch dort, wo in Europa die Jagd verboten wurde, wie z.B. in den ausgedehnten italienischen Nationalparks, im Schweizer Nationalpark oder auf der griechischen Insel Tilos, konnten bislang keine übermäßigen Wildtierbestände festgestellt werden. In fast allen anderen Ländern der Welt ist die Jagd in Naturschutzgebieten verboten, ohne dass dort bislang das natürliche Gleichgewicht aus den Fugen geraten wäre.

Ragnar Kinzelbach, Zoologe an der Universität Rostock, ist überzeugt: „Die Jagd ist überflüssig. Wenn man sie einstellt, regulieren sich die Bestände von allein.“ (Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009)




Leserbriefe
Jäger als Naturschützer?