Die Jagd auf die Jäger ist eröffnet

Ist die Jagd ein Anachronismus oder eine Naturnotwendigkeit? Passt das Töten von freilebenden Tieren noch in unsere Zeit? Sind die Jäger nur Lust-Töter und Beutemacher?

An diesem Wochenende beschäftigten sich mehrere hundert Teilnehmer eines Symposiums an der Technischen Universität Berlin mit diesen Fragen. Eingeladen hatte die "Initiative zur Abschaffung der Jagd", die von mehreren Tierschutz- und Tierrechtsorganisation unterstützt wird. Seit einem Jahr gibt es in Berlin monatlich Demonstrationen zur Abschaffung der Jagd - so auch am letzten Wochenende. Bis zu 1000 Personen beteiligen sich jeweils.

Mit der Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz haben die Jagdgegner jetzt Auftrieb bekommen. Den etwa 320.000 Jägern in Deutschland stehen über 5 Millionen organisierte Natur- und Tierschützer gegenüber. Die Fronten verhärten sich. Jäger und ihre Verbände haben freilich im Parlamenten und Regierungen - siehe Staatsjagden - und vor allem in den meisten Landwirtschaftsministerien mächtige Verbündete.

"Jagd ist ein Kulturgut und angewandter Naturschutz", argumentieren die Jagdverbände. "Das Tier ist ein Mitgeschöpf - seine Würde ist unantastbar. Jagd ist Lustmord", hieß es in Berlin.

"Jagd ist doch immer eine Form von Krieg", meinte schon Johann Wolfgang von Goethe. In Berlin wurde nicht nur Goethe, es wurden auch aktuelle Umfragen zitiert, nach denen 71 Prozent der Deutschen heute die Jagd ablehnen. Unter Frauen sollen es gar 80 Prozent sein - unter jungen Leuten bis 29 Jahre sogar 84 Prozent. Offenbar gibt es einen tiefen Bewusstseinswandel in der Einstellung zur Jagd.

Viele Jäger begreifen ihr Treiben als Sport. Was aber ist sportlich daran, wenn Menschen anderen fühlenden Lebewesen Schmerzen bereiten oder sie gar töten, wurde in Berlin gefragt. Viele angeschossene Tiere würden unter unsäglichen Schmerzen oft noch Stunden oder Tage überleben.

Die Zeiten, in denen Menschen in Europa jagen mussten, um nicht zu verhungern, sind sicher vorbei. Trotzdem werden in Deutschland täglich mehr als 13.000 Tiere in den Wäldern und Feldern getötet - so die offizielle Zahl der Jagdverbände. Das sind pro Jahr beinahe fünf Millionen. Hauptsächlich Hasen, Rehe, Hirsche, Füchse, Wildenten, Wildschweine, Wildtauben und Fasanen.

Der Gründungsinitiator der Jagdgegner Kurt Eicher, Studiendirektor und Biologe aus Heilbronn, sagte in Berlin: "In den letzten Jahren ist die Jagd ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Mehr und mehr Menschen erkennen, dass auch Tiere ein Recht auf Leben haben und dass es verwerflich ist, sie aus niedrigen Beweggründen zu töten."

Die Hauptgründe gegen die Jagd beim Berliner Symposium waren: Jagd ist grausam, Jagd macht Tiere scheu, Jagd ist oft Deckmantel für Tierquälerei, bei der Jagd werden "nebenbei pro Jahr 300.000 freilaufende Katzen und 40.000 streunende Hunde getötet", Jagd ist unnötig.

Anwesende Jäger wiesen in Berlin darauf hin, dass gerade aus ökologischen Gründen, zum Beispiel um Verbissschäden im Wald vorzubeugen, zumindest für einige Tierarten das Jagen noch notwendig sei. Außerdem würden sich auch einige Tierarten ohne Jagd viel zu schnell vermehren. Die Jagdgegner hielten dagegen: In den Gegenden, in denen die Jagd heute schon verboten ist wie zum Beispiel im Kanton Genf in der Schweiz seit 1975, gäbe es dadurch keine ökologischen Probleme und auch nicht zu viele Tiere. Die Natur reguliert ihre Angelegenheit schon immer am besten selbst. Es gebe zweifellos zu viele Menschen, nicht zu viele Tiere auf der Erde.

Der erste Bundespräsident Theodor Heuss wurde zitiert: "Jagd ist eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit."

Der Umgang mit Tieren ist ein wesentlicher Gradmesser unserer Ethik und Zivilisation. Da kommt auf die Politik ein emotionales Thema zu - ganz unabhängig vom Ausgang der Wahl. Kanzlerkandidat Stoiber hat - nach 12 Jahren Widerstand der Unionsparteien - dem Tierschutz im Grundgesetz nicht zufällig kurz vor der Bundestagswahl zugestimmt. Vielleicht war das nur ein Vorspiel. Die Konsequenzen daraus könnten weitreichend sein. Sicher ist: Die Jagdgegner werden stärker. Sie blasen zur friedlichen Jagd auf die Jäger.

Franz Alt
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