Redebeitrag am 01.11.03 in Berlin

26. Anti-Jagd-Demo, Rede vor der Gedächtniskirche


Liebe Freundinnen und Freunde,

wenn wir hier heute stehen, um einmal mehr gegen die unhaltbaren und grausamen Zustände in Wald und Flur, zu protestieren, und um alle Politiker aufzufordern, endlich den unsäglichen Morden und Hinrichtungen die jährlich an 5.500.000 Wildtieren, 300.000 Hauskatzen und 35000 Hunden begangen werden, per Gesetz Einhalt zu gebieten, so sprechen wir hier stellvertretend für den überwiegenden Teil der Bevölkerung in unserem Land.

Wir wollen nicht länger hinnehmen, dass eine Schar organisierter Jäger weiter ihrem blutigen Freizeitvergnügen frönen kann.

Wir wollen nicht länger dulden, dass in der freien Natur die wildlebenden Tiere nur noch gehetzte Kreaturen sind, ständig auf der Flucht.

Wir sagen nein zu Schlagfallen und anderen Folterinstrumenten, in denen Tiere elendig krepieren.

Wir fordern den sofortigen Stopp der Haustierabschüsse und das Verbot der Jagdhundausbildung an lebenden Tieren.

Die Böden in Wald und Flur und die Gewässer, unser aller Gut, sollen nicht länger durch Tonnen von Bleischrot vergiftet werden und Tiere daran erkranken lassen.

Deshalb sagen wir nein zur Jagd und verlangen als Einstieg, die gesetzliche Umsetzung der erarbeiteten und vorliegenden Positionspapiere der Umwelt und Tierschutzverbände.

Was ist eine Demokratie in Deutschland noch wert, in der die Jägerschaft, ein Bruchteil der Bevölkerung, nämlich ca. 340.000 in Deutschland, eine solche Macht hat, dass sie allein bestimmen kann, was in unseren Wäldern und Fluren zu tun und zu lassen ist, die eine Lobby aus Wirtschaft und Politik hinter sich weiß, und somit selbst zur alles bestimmenden Lobby wird.

Mag das Gesetz auf Ihrer Seite sein, ein Gesetz aus dem Jahr 1934 von einem Jäger für Jäger verfasst, das Recht und die Moral sind es auf keinen Fall.

Und so muss man fragen, woher nimmt die Zunft der Jäger heute im 21. Jahrhundert das Recht zum Töten und welche höhere Ordnung soll dahinter Stehen, die ihnen diese Grausamkeiten zubilligt.

Sie behaupten die wahren Tier- und Umweltschützer zu sein, in dem sie meinen, höchstpersönlich mit der Flinte Selektierungen in Wald + Flur vorzunehmen zu müssen. Sie teilen Gottes Geschöpfe in Raubwild und Raubzeug ein, die es zu töten gilt, und ihr Bewusstsein ist weit entfernt von der Erkenntnis, dass jedes Lebewesen in dem Gefüge unseres Planeten seinen Sinn hat und somit eine legitimierte Daseinsberechtigung.

Und so greifen die Jäger in die Evolution ein, die Millionen von Jahren dauerte und haben das bestehende Ungleichgewicht in Wald und Flur maßgeblich mit verursacht.

Und immer wenn Sie mit ihren Gewehren und Fallen, die Natur erneut aus dem Tritt gebracht haben, machen Sie dafür eine Tiergattung verantwortlich, der es nun gilt, den Garaus zu machen.

Da sind dann die Kormorane schuld am Aussterben der Fischarten, der Graureiher ein Wirtschaftsschädling weil er die Fischzuchten schädigt und die Rabenvögel maßgeblich am Rückgang der Singvogelarten Schuld.
Der Fuchs wird als Überträger des Fuchsbandwurms gebrandmarkt, als ob die gesamte Menschheit davon befallen wäre und dies obwohl kaum Fälle bekannt sind. Die Hauptsache man findet einen Grund, auch wenn er noch absurd ist.

Und mit ihrer selbstgefälligen Einmischung in die Natur und der anmaßenden Ansicht, nur sie könnten für den Ausgleich in Wald und Flur sorgen, stellen sie gleichzeitig die göttliche Kompetenz in Frage.

Auch die ständig wiederholten Hinweise, der Jäger, jährlich Millionen von Euro zur Schaffung neuer Biotope und deren Pflege auszugeben, könnte nur dann positiv gewertet werden, wenn diese Anstrengungen nicht wieder dazu dienen würden, die sich die in diesen Gebieten niederlassenden Tiere als neue Jagdopfer auszuspähen.

Welchem Tier- und Umweltschutz soll die Aussetzung Tausender Fasane dienen, die zum großen Teil in riesigen Massentierhaltungsfasanerien tierquälerisch großgezogen werden, um in der Natur ausgesetzt, nur dazu herhalten müssen, umgehend erschossen zu werden?

Denn letztendlich geht es immer ums Gleiche, die Lust am Töten leidender und fühlender Mitgeschöpfe.

Auch die Begründungen der Jäger, ich zitiere: »dem Bürger müsse bewusst werden, dass Deutschland ausschließlich eine Industrielandschaft ist, in der jeder Quadratmeter in irgendeiner Form genutzt wird, und dass es keinen unberührten Urwald mit Eigenregulation in der Tier - und Pflanzenwelt gibt«, kann nur entgegengehalten werden:
Traurig genug, wenn es so ist.

Und die Reaktion darauf kann nur lauten:
»Dann muss sich auch hier schleunigst etwas ändern!«

Denn der Flächenverbrauch und die Versiegelung der Böden in Deutschland, ist ein nicht länger hinzunehmendes Fiasko, mit teilweise verheerenden Folgen für die wildlebenden Tiere und der weitere Beweis, dass wir einmal mehr, nicht mit der Natur, sondern gegen sie leben.

Und es ist an der Zeit, die Kirchen einmal mehr dazu aufzurufen, ihr Verhältnis zu den Tieren, die der Gottesgemeinschaft ebenso angehören, endlich zu deren Gunsten zu klären, und zu begreifen dass Menschen und Tiere Teil alles Lebendigen sind , und somit den gleichen Anspruch auf ein Leben in Würde und Freiheit haben.

Umso bedenklicher muss es uns erscheinen, dass Jahr für Jahr von der Kirche so genannte Hubertusmessen gehalten werden, die den Jägern und deren unseligem Treiben in den Wäldern, noch ihren Segen geben.

Unsere schnell lebende Zeit verlangt nun die umgehende Entscheidung, wie wir Zukünftig mit unseren Mitgeschöpfen und unserer Natur umgehen wollen und diese Entscheidung wird zwangläufig zur eigenen Überlebensfrage.

Wird es gelingen nicht nur materielle Werte für das Maß aller Dinge zu halten, wird es gelingen, nicht jede Gewalt mit Gewalt zu erwidern, wird es gelingen den Tieren weltweit die Achtung und den Respekt zu zollen, der ihnen zusteht und wird es uns gelingen mit der Natur in Einklang zu leben.

Dies bedeutet, abhanden gekommenen Werten wie Ethik und Moral endlich wieder den Stellenwert einzuräumen der einer aufgeklärten Gesellschaft selbstverständlich sein sollte.

Dies bedeutet in der Folgerung für jeden, zu lernen, Aggressionen zu beherrschen und abzubauen, in Frieden zu leben und auf jeglicher Gewalt zu verzichten gegenüber den Menschen, den Tieren und der Natur.

Deshalb stehen wir heute hier, um alle Politiker aufzufordern, auch ihren Teil beizutragen, indem sie als ersten Schritt, umgehend ein Gesetz zur Jagdreform in die Wege leiten, bei dem das Papier des deutschen Naturschutzrings lediglich das Mindestmaß dessen, was erreicht werden muss, darstellen kann.

Der Schutz der Tiere wurde im Grundgesetz verankert.

Es ist an der Zeit, hier nun endlich politisch Verantwortung zu übernehmen, und den Absichtserklärungen, Taten folgen zu lassen.

Und so sollten wir alle die Worte aus der »Erd Charta« beherzigen, die lauten:

»Der Geist menschlicher Solidarität und die Einsicht in die Verwandtschaft alles Lebendigen, werden gestärkt, wenn wir in Ehrfurcht vor dem Geheimnis des Seins, in Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens und in Bescheidenheit hinsichtlich des Platzes der Menschen in der Natur, leben.«



Einfach anklicken:

Barbara Rütting: Rede am 31.3.07 in München

 

Barbara Rütting: "Natur ohne Jagd" in München

 

Wolfgang Schindler, Albert Schweitzer-Stiftung

 

Dr. Edmund Haferbeck

 

Dr. Helmut F. Kaplan am 31.3.07 in München

 

Bernhard Fricke, David gegen Goliath e.V.

 

Rechtsanwalt Storr: "Zwangsbejagung ade!"

 

Prof. Dr. Wolfgang Karnowsky, 65. Anti-Jagd-Demo

 

Präsident des Landestierschutzverbandes NRW

 

Barbara Rütting: Grußwort zur 60. Demo

 

TATORT WALD zum Welttierschutztag 2006

 

Arbeitskreis für humanen Tierschutz zur 60. Demo

 

Karin Hutter zum Abschuss von Bruno

 

Bärenpark zum Abschuss von Bruno

 

Kurt Eicher: »Schluss mit der Jagd!«

 

Prof. Carlo Consiglio: »Was die Jagd ist«

 

Dag Frommhold: Appell für die Anti-Jagd-Demo

 

Franz Alt: Sind Jäger Lust-Töter?

 

Barbara Rütting: Keine Tiere mehr jagen

 

Undine Kuth, Grußwort 4.12.2004

 

Undine Kurth, Grußwort 7.8.2004

 

Grußwort aus Polen, Green Angels

 

Grußwort aus Kroatien

 

Grußwort aus Mazedonien

 

Grußwort aus Serbien

 

Grußworte aus Südafrika

 

Karin Hutter: Jäger und ihre Waffen

 

Ludwig Weyhe: Petition gegen Zwangsbejagung

 

Grußworte an die 3. Anti-Jagd-Demo in Slowenien

 

AJ-Gang Grußwort

 

Gesellschaft zur Rettung der Delphine - Grußwort

 

Eckhardt Reis, Tierschutzverein Grenzenlos

 

Christian Peter, Anti-Jagd-Forum Schweiz

 

Internat. Tierschutzverein Grenzenlos, 30.4.04

 

Rainer Gaertner: Jagd ist reine Lust am Töten!

 

Birgit Unger: »Schützen statt schießen«

 

Boris Bürgel: Jäger als Ersatzwölfe?

 

Rudolf Pohlenz: Tatort Wald

 





Rainer Gaertner: Jagd ist reine Lust am Töten!
Boris Bürgel: Jäger als Ersatzwölfe?