Die Münchner wissen es: Ich habe ein Schaf namens Seraphin. Seraphin kam vor 10 Jahren zum Osterfest zu mir. Und die erste Aktion, die erste Presseaktion, die wir mit ihr gemacht haben, war die: „Osterlämmer gehören nicht in den Kochtopf, sie gehören auf die Weide!“
Ich grüße euch von den Tieren der Sonnenarche. Seraphin lebt heute noch hier.
Und die Münchner verdanken Seraphin, dass die Hunde - und alle Tiere – einmalig in Deutschland - beim MVV umsonst fahren dürfen. Zu Anfang stand die philosophische Frage: Ist Seraphin ein Hund oder eine Katze? Das habe ich damals zum Anlass genommen – denn für die Hunde musste man bis dahin Fahrgeld bezahlen und für die anderen Tiere nicht. Und diese philosophische Frage: „Ist ein Schaf ein Hund oder eine Katze?“ hat die Stadt München bewegt. Das führte nach zwei Jahren dazu, dass beim MVV alle Tiere umsonst fahren dürfen.

Ich möchte zu Beginn dieser Worte, die ich an Sie richten darf, das Gebet der Vereinten Nationen vortragen, um einen etwas größeren Bezugsrahmen herzustellen. Meine Rede ist ein Plädoyer für das Leben.

Gebet der Vereinten Nationen
„Gott, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen sind in sinnloser Trennung nach Rasse, Hautfarbe, Weltanschauung und Geschlecht. Gibt uns den Mut und die Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst mit Stolz den Namen Menschen tragen können.“

Liebe Freunde, wir haben es bei den Aktionen von „David gegen Goliath“ immer sehr schön gefunden, auch untereinander immer auch ein menschliches Band herzustellen. Wenn Sie sich nämlich umschauen, es sind auch ein paar andere wunderbare Menschen wie Sie hierher gekommen, ein paar Spione vom Verfassungsschutz, von kirchlichen und von weltlichen sind auch immer unter uns. Dreht euch einfach mal um und gebt eurem Nachbarn einfach mal die Hand. Grüßt mal euren Nachbarn, und dann bekommen wir eine ganz andere Energie hier nach München auf den Marienplatz. Die Hund können bellen – Vertreter der Tierwelt sind mitten unter uns.

Ich habe meine Rede Cheruba, meinem Hund, gewidmet, einer Rauhaarschäferhündin, die am 21. Mai vor zwei Jahren von einem Jäger erschossen wurde, der natürlich zu feige war, sich dazu zu bekennen. Wir haben über 15 Monate nach dem Hund gesucht, wir haben Belohnungen ausgesetzt über 15.000 Euro. Barbara Rütting hatte mich bei der Suche begleitet, wir haben alle Wälder durchstreift. Wir haben zwei eidesstattliche Versicherungen vorliegen, in denen zwei Jäger – einer von beiden ist es gewesen – beide erklären, sie hätten den Hund nicht erschossen. Aber durch diesen hohen Geldbetrag – wobei alle anständigen Menschen gesagt haben, uns geht es nicht um das Geld, wir wollen dir helfen – haben wir auch erfahren, dass die Jäger besoffen zusammen gesessen sind, und sich diese Frage gestellt haben: Wie können wir an das Geld, an die 15.000 Euro von dem blöden Fricke rankommen und können ihm irgendeine Geschichte über seinem Hund erzählen?
Meine Damen und Herren, diese Aktion um Cheruba hat die Jägerschaft hier in Bayern aufgeschreckt. Ich habe mit sehr vielen Jägern gesprochen und muss Ihnen aber auch sagen, es ist wichtig, dass wir differenzieren: Ich bin bei den Jägern abends vor der Tür gestanden - und die wussten nicht, dass ich komme. Ich stand vor der Tür, die hatten keine Chance zu lügen - so gut können auch Jäger nicht lügen, wenn sie mir Aug´ in Aug´ gegenüberstehen. Und ich habe sehr viele, zum Teil ergreifende Gespräche mit Jägern gehabt und ich muss Ihnen sagen: Es ist bei den Jägern zum Teil eine Generation nachgewachsen – das müssen wir sehen – von denen manche angefangen haben zum Teil behutsamer und bewusster mit ihrer Arbeit umzugehen, die das bedauert haben, was mit unserem Hund passiert ist, die gesagt haben: „Wir haben selber Hunde, wir haben selber Kinder.“
Und ich denke, wir müssen jedem – auch den Jägern - ein Maß an Lernfähigkeit zugestehen. Jeder Mensch auf dieser Welt hat ein Recht sich zu bessern und sich zu ändern.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben eine Initiative mit dem Bayerischen Jagdverband angefangen - wir haben immer gesagt: Auch mit den Goliaths müssen wir reden – wo es darum geht, dass das Töten von Hunden und Katzen verboten wird. Wir führen Gespräche, und ich muss sagen: Es ist besser, miteinander zu reden, als aufeinander zu schießen. Und ich bin immer noch so naiv, dass die Kraft des Wortes verbunden mit der Kraft des Heiligen Geistes Wunder auch heute möglich machen kann. Deshalb werde ich diese Gespräche fortsetzen, und ich hoffe, dass sie doch einmal eines Tages zu guten Ergebnissen führen werden.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich finde es wunderbar von den Veranstaltern, die ja nicht nur hier in München sind, die in vielen Städten in Deutschland diese Demonstrationen gemacht haben: Es steckt ein riesenhafter Aufwand dahinter, die Infrastruktur zur Verfügung zu stellen, damit Menschen hier zusammenkommen können, die ein klares Bekenntnis für die Würde der Menschen und für die Würde der Tiere ablegen. Denn die Würde der Menschen ist mit der Würde der Tiere untrennbar verbunden.
Gott hat die Menschen, die Tiere und die Pflanzen geschaffen. Er hat uns diese wunderbare Erde anvertraut, seine Schöpfung. Und ein Tierschützer, der nicht für die Menschenrechte einsetzt, und ein Menschenschützer, der sich für die Tierrechte nicht einsetzt, das sind für mich beides unvollkommene Geschöpfe, die auf ihrer irdischen Wanderung noch sehr viel zu lernen haben.

Barbara Rütting hatte zu Recht gesagt, wenn Jesus heute hier wäre, er wäre nicht auf der Jagdmesse. Er wäre in der Zeit, bis er wieder an Kreuz genagelt würde, wäre er hier, mitten unter uns. Er hat gesagt: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr Mir getan“. Und die Brüder und Schwestern sind natürlich nicht nur die zweibeinigen, das sind auch die vierbeinigen, und die andere Kreaturen, die noch mehr Beine haben, wie der Tausendfüßler – aber ganze tausend Beine hat der auch nicht.
Wir sollten diese Schöpfung wirklich als Einheit begreifen, wie es die Indianer gesagt haben: „Unsere Erde ist ein heiliger Ort.“ Jedes Leben, alles Leben, ist heilig. Jedes Leben, das wir vernichten, ist ein Teil von uns selber. Wir sind untereinander in einem unendlichen Netzwerk des Lebens miteinander verbunden, wo jedes Leid, das wir den Tieren antun, das wir Menschen zufügen, auf uns zurückwirkt.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich stehe - muss Ihnen sagen – immer auch mit Fragezeichen vor diesem großen Geheimnis der Schöpfung. Es scheint so, dass das Prinzip „Fressen und gefressen werden“ eine Bedingung des Lebens ist. Aber wenn wir wissen, dass mit dem Tod unser Leben nicht zuende geht, dass ein Tod einen Wandel in eine andere Form mit sich bringt, dann können und müssen wir dieses Prinzip in der Natur anerkennen, akzeptieren und begreifen. Ich muss Ihnen gestehen, mir fällt dies immer noch schwer. – Für mich ist dieses Jesaja-Wort, dass sich die Wölfe zu den Lämmern legen, eine Friedensvision, die die Brücken schlägt, zwischen scheinbar unvereinbaren Gegensätzen.
Und diese Friedensvision versuchen wir in der Sonnenarche ein bisschen umzusetzen, mit den Schafen, die wir dort haben. Wir haben einen Wolfshund, und der legt sich bereits zu den Lämmern.

Warum geht ein Jäger auf die Jagd? Vielleicht wurde er von der Bettkante seiner Frau gestoßen. Und die Frustration, die fehlende liebevolle Umarmung, die er nicht mit einer Frau hinbekommt, lebt er in der perversesten Form, in der Form des Tötens, in der Form des Vernichtens aus. Ein solcher Mensch wird noch viele Inkarnationen auf dieser Erde vor sich haben, bevor er letztendlich auch einmal in der Weise geläutert wird, dass er das Leben der Tiere als heilig achtet, und dass er keine Freude am Tod, sondern am Leben dieser Tiere hat.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, das Osterfest steht vor der Tür. Weihnachten – der Tod der Gänse. Ostern – der Tod der Lämmer. Das sind einfach Perversionen! Es ist auch eine Perversion, dass man Opfertiere darreicht. Wie kann man einem Gott opfern, der dieses Leben geschaffen hat? Wie kann ich ein Leben dem Schöpfer opfern, der sich nur die Augen reibt und sagt: Kinder, seid ihr völlig geistesgestört?
Meine Damen und Herren, ich wünsche mir, dass wir das Osterfest als ein Fest des Lebens ansehen können. Dass wir nicht bei dem Gekreuzigten stehen bleiben, sondern dass wir uns an den Auferstanden, der durch den Tod hindurchgegangen ist, dass wir uns auf das Leben, auf den, der uns die Liebe und die Achtsamkeit lehrt, schauen. Dass wir bei dem Auferstandenen die Kraft schöpfen können, gemeinsam für eine liebevolle, für eine friedliche Welt, eintreten. Wo die Lämmer sich zu den Wölfen legen. Wo die Jäger einen Knoten um ihr Gewehr machen und das Gewehr ablegen. Wo eine Hubertusmesse nicht mit toten Tieren, sondern mit lebenden Tieren gefeiert wird. Diese Friedensvision des Jesajas, die uns alle als Kinder dieser wunderschönen Erde begreift, als Geschöpfe dieses einen himmlischen Vaters, der viele Namen trägt – aber es gibt nur den Einen – der uns lehrt, Liebe und Achtsamkeit untereinander und mit den Tieren und Pflanzen zu üben.




Dr. Helmut F. Kaplan am 31.3.07 in München
Rechtsanwalt Storr: "Zwangsbejagung ade!"