Die heutige Demonstration erhält eine ganz besondere Bedeutung dadurch, dass zur Zeit hier in München die Jägermesse `Jagen und Fischen´ statt findet.
Unter der Überschrift „Neuer Modetrend: Fischleder – Was die Besucher auf der Messe `Jagen und Fischen´ erwartet“ werben die Zeitungen für den Besuch der Messe – auch den Besuch der Kinder zu dieser Messe.
Ich zitiere den Geschäftsführer der Messe: „In München werden dieses Jahr rekordverdächtige 340 Aussteller erwartet, die aus 18 Ländern kommen, u.a. auch aus Russland und Rumänien“ – wir wissen alle, dass gerade in Russland und Rumänien in Sachen Tierschutz katastrophale Zustände herrschen, wo wir uns ja auch einsetzen. Der Geschäftsführer weiter: „Eine besondere Attraktion wird heuer die Gebrauchswaffenbörse sein.“ – Lasst euch das auf der Zunge zergehen: die Gebrauchswaffenbörse wird eine besondere Attraktion sein! Ich zitiere weiter: „Auf einer Sonderschau wird der Landesjagdverband Bayern von der Rückkehr von Elch, Wolf und Bär in den Freistaat berichten.“
– Der einzige Bär, der bisher hier war, wurde abgeschossen, der Elch wurde überfahren und der Wolf ebenso. Und hier laden sie großartig Elch, Wolf und Bär nach Bayern ein, um sie dann wieder abzuknallen. Auch die Kinder werden gelockt mit einem speziellen Programm. Und der Fischereiverband Oberbayern stellt in einer speziellen Modenschau Kleidung aus Fischleder vor – eine echte Prämiere. Alle Angelfischer Deutschlands geben fast 7 Milliarden Euro für ihr Hobby aus...“ – 7 Milliarden (!) für ihr Hobby. Hier wird es deutlich gesagt: Es ist ein Hobby! Wir brauchen es nicht zum Leben – „...und sichern damit 52.000 Arbeitsplätze, berichtet der oberbayerische Fischereipräsident.“ Es ist ein Hobby, genauso wie das Jagen.

Wir brauchen keine Jäger!
Jäger schießen auf Wildtiere, Haustiere und Menschen. – Die genauen Zahlen wird nachher Julia Brunke noch vortragen.
Ich selbst habe folgendes erlebt, als ich noch einen Bauernhof hatte: Auf meiner Wiese äste ein Reh. Ein Jäger kam mit dem Auto angefahren, schoss das Reh tot aus dem Auto heraus – auf meiner Wiese! Wir haben es ja schon vorhin gehört, dass die Zwangsbejagung tatsächlich immer noch Gesetz ist.
Jäger schießen auf Haustiere: Jedes Jahr sterben 300.000 Katzen, 40.000 Hunde. Jäger schießen auf Menschen: Jedes Jahr sind es 40 Menschen, die durch Jäger und Jägerwaffen sterben.
Ich habe einen berühmten deutschen Schauspieler – bekennender Jäger – gefragt, was denn reizvoll daran ist, ein argloses Tier totzuschießen. Der Mann war selber schon alt, krank, unförmig dick – und obwohl er kaum noch laufen konnte, ließ er sich zur Bärenjagd in den Balkan fahren. Seine Antwort war: „Der Bär, der ist schnell, der ist stark, der ist jung – der muss weg.“ – Ein berühmter deutscher Schauspieler.

Sind Jäger Lusttöter?
Ein klares „Ja“ sagt der Neurologe, mehrfach ausgezeichneter Psychoanalytiker, Schriftsteller, Ehrendoktor der Universität Klagenfurt - und passionierter Jäger Paul Parin in seinem Buch "Die Leidenschaft des Jägers:
"Seit meinen ersten Jagdabenteuern weiß ich: Jagd eröffnet einen Freiraum für Verbrechen bis zum Mord und für sexuelle Lust, wann und wo immer gejagt wird. "Licence" hat eine radikalere Bedeutung als der deutsche Ausdruck Freibrief: Verbote gelten nicht mehr. Wenn man über Jagd schreibt, muss man über geschlechtliche Lust schreiben und über Grausamkeit und Verbrechen... Die wirkliche Jagd ist ohne vorsätzliche Tötung nicht zu haben. Leidenschaftlich Jagende wollen töten.
Jagd ohne Mord ist ein Begriff, der sich selber aufhebt... Und weil es sich um Leidenschaft, Gier, Wollust handelt - um ein Fieber eben - geht es in diesem Buch um sex and crime, um sexuelle Lust und Verbrechen jeder Art, um Mord und Lustmord."
Einen deutlichen Vorgeschmack liefert bereits die erste Geschichte des Buches mit dem Titel "Der Haselhahn": Parin erzählt von seinem Jagderlebnis als Dreizehnjähriger, bei dem er einen Haselhahn erlegt:
"Ich drücke ab, höre keinen Knall, spüre den Rückstoß nicht. Ich bin aufgesprungen, blind und taub stehe ich da. Eine unerträgliche Spannung, irgendwo im Unterleib, etwas muss geschehen. Plötzlich löst sich die Spannung, in lustvollen Stößen fließt es mir in die Hose, nein, es ist das, der wunderbare Samenerguss, der erste bei Bewusstsein. Ich stehe aufgerichtet, das Gewehr in der Linken, kann wieder hören und kann sehen. - Dort liegt die Beute, ein Haufen bunter Federn."
Einige Jahre später schießt Parin als Jugendlicher seinen ersten Bock - seine Initiation, der Eintritt in das Leben als Mann und Jäger. Und er schreibt wieder:
"Das Jagdfieber erfasste mich immer wieder mit der gleichen Macht wie sexuelles Begehren. Das Ziel der Gier war jetzt der Mord an einer Kreatur."

Ich denke, mit dem absichtlichen Töten von Lebewesen ist kein Problem zu lösen, nicht in der Natur, und nicht zwischen Menschen. Weder in Wald und Flur, noch in Afghanistan oder im Irak. Wir sehen es täglich, wollen es offenbar aber nicht begreifen.
Eugen Drewermann schreibt: „Krieg ist Krankheit, keine Lösung.“ – Auch die Jagd ist Krankheit, keine Lösung!

Wir haben also gehört: Der neue Modetrend ist Fischleder...
Bei Fischen spricht man ja gerne von der stummen Kreatur. Dabei wissen wir, dass die Fische in Wirklichkeit alles andere als stumm sind.
Zur Fischerei in interessanter Gedanke eines Soziologen. Er sagt sinngemäß: Mit dem blitzenden Köder wird dem Fisch ein Leckerbissen verheißen. In Wirklichkeit bringt dieser den Tod. – Es wird also die Information von Betrug in die Atmosphäre geschickt. Diese Information erzeugt neuen Betrug und Angst – und kommt millionenfach zu uns zurück.
Fische, Wale, Robben, Delphine – alles wird gejagt, gequält, ausgerottet.
Und das alles soll christlich sein?
Es ist fast 100 Jahre her, dass der evangelische Pfarrer Skriver sein Buch geschrieben hat: „Der Verrat der Kirchen an den Tieren“. –Es hat sich fast nicht geändert seither. Immer noch scheint die Devise zu gelten: „Machet euch die Erde untertan“ statt „Hüter und bewahret die Schöpfung“.

Der Schutz der Tiere wird von den Kirchenvertretern nach wie vor vernachlässigt.
Kirchenvertreter segnen Stierkämpfe, segnen die perversen Hubertusjagd - genauso, wie sie Waffen segnen, die Menschen töten. Hubertus war aber bekanntlich ein Jäger, der das Jagen aufgegeben hat, nachdem ihm der Hirsch, den er gerade schießen wollte, mit einem leuchtenden Kreuz zwischen dem Geweih erschien. Heute werden im Namen von Hubertus massenweise Tiere zur Strecke gebracht – obwohl es heißt: „Du sollst nicht töten!“

In einer Woche steht wieder eines der großen christlichen Schlachtfeste bevor: Ostern.
Zu Weihnachten müssen Millionen von Gänsen ihr Leben opfern, zu Silvester die Karpfen und jetzt sind die Lämmer dran. Zwischendurch müssen sich Ochsen und Spanferkel am Spieß drehen.
- Vielleicht haben Sie gehört, dass letzte Woche ein kleines Ferkel von einem Tiertransporter gesprungen ist, aus dem dritten Stock, aus 2,70 Meter Höhe! Ich habe das mutige Ferkelchen, das inzwischen Lisbeth heißt, besucht, und die Patenschaft für Lisbeth übernommen – gerade für sie, weil für viele Menschen ein Schwein eben nichts anderes ist als ein Braten. Noch voller Schrammen und Wunden von dem Sturz aus diesem Transporter aus 2,70 Meter Höhe kann sie jetzt auf dem neugegründeten Tierrefugium Gut Aiderbichl bei Deggendorf leben bis an ihr selig Ende.

Der Verrat der Kirchen an den Tieren
- Franz von Assisi hat es schwer gehabt, Eugen Drewermann hat es schwer gehabt und immer noch schwer. Ihre Kirche verlassen hat die evangelische Pfarrerin Christa Blanke. Sie und ihr Mann – ebenfalls evangelischer Pfarrer – haben 1988 bereits die ersten Tier-Gottesdienste abgehalten und das "Glauberger Schuldbekenntnis" verfasst, das von 600 Theologen in Deutschland unterschrieben wurde – katholischen wie evangelischen.
Ich lese ein paar Zeilen daraus vor:
»Wir bekennen vor Gott, dem Schöpfer der Tiere, und vor unseren Mitmenschen, wir haben als Christen versagt, weil wir in unserem Glauben die Tiere vergessen haben. Wir waren als Theologen nicht bereit, lebensfeindlichen Tendenzen in Naturwissenschaft und Philosophie die Theologie der Schöpfung entgegenzuhalten. Wir haben den diakonischen Auftrag Jesu verraten und unseren geringsten Brüdern, den Tieren, nicht gedient. Wir haben als Pfarrer Angst, Tieren in unseren Kirchen und Gemeinden Raum zu geben. Wir waren als Kirche taub für das Seufzen der misshandelten und ausgebeuteten Kreatur. Ohne Schuldbekenntnis ist Versöhnung nicht möglich.«
Inzwischen ist Christa Blanke wegen der Tierfeindlichkeit aus der Kirche ausgetreten und engagiert sich bei den Animals Angels. Diese fabelhaften Männer und Frauen begleiten die Tiertransporte und geben den Tieren, um ihnen auf dem Weg zum Schaffott das Leben zu erleichtern, wenigstens zu trinken.
Von der Vegetarierin Christa Blanke stammt auch der Satz: „Ich kann doch meinen Kindern nicht die Kinder anderer Mütter, nämlich der Kuhmütter, zu essen geben.“

Ich bin überzeugt, wenn Jesus heute leben würde, er wäre nicht bei den Jägern und Fischern auf der Messe `Jagen und Fischen´, sondern er wäre hier bei uns. Er würde die Türen der Käfighennen öffnen und die der Versuchstiere in den Labors. Er würde die Tiertransporte stoppen, das Robbengemetzel und die Pelztierhaltung verbieten. Er würde versuchen, dieses weltweite entsetzliche Leid der Tiere zu beenden. - Und dafür würden sie ihn als Sektierer verfolgen und einsperren.

Solange den Tieren eine Seele abgesprochen wird, werden sie weiterhin misshandelt und umgebracht. Und solange kann von Versöhnung keine Rede sein.

„Es ist nicht die Frage, ob sie denken können, sondern ob sie fühlen können.“ – Und das können sie. Sie empfinden Freude, Schmerz und Glück.

Der Tierschutz ist zwar als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen worden, bleibt aber eine leere Worthülse, solange es kein Verbandsklagerecht gibt für die Tiere. Und dieses Verbandsklagerecht zu erreichen, das muss unser oberstes Ziel sein.

Ich habe nun noch eine Bitte an auch alle – eine persönliche Bitte:
Hört auf, darüber zu streiten, wer der bessere Tierschützer ist, und hört auf, die anderen niederzumachen, die Energie darauf zu verschwenden, die anderen kaputt zu machen.
Beenden wir diese Grabenkämpfe und bündeln wir unsere Energie, damit wir eine friedlichere und glücklichere Welt erreichen, für die Natur, für Pflanze, Tier und Mensch.

Ich danke euch fürs Zuhören!




Redebeiträge bei Anti-Jagd-Demos
Barbara Rütting: "Natur ohne Jagd" in München