Gebrauchsgegenstand oder Kultobjekt?

Von Dr. Maximilian Pick, Fachtierarzt für Tierschutz, Icking

Seit es Menschen gibt, wurden Waffen gegen die eigene Gattung wie auch gegen Tiere eingesetzt: Sowohl im Kampf des Menschen gegen seine Feine wie auch in der Zeit, als der Mensch das Fleisch noch zum Überleben brauchte ? oder heute aus sportlichen, gesellschaftlichen oder anderen Gründen. Bei dem heutigen Moralverständnis ist zumindest das Töten von Tieren nur bei einem entsprechenden »vernünftigen Grund« erlaubt (Ernährung). Ob allerdings z.B. der Appetit auf Fleisch in unserer westlichen Überflussgesellschaft noch ein vernünftiger Grund ist, mag zumindest bezweifelt werden.
Die heutige Jagd wird zum größten Teil mit Schusswaffen (Langwaffen) durchgeführt. Hierzu dient in erster Linie die Büchse (Kugel), die Flinte (Schrot) und kombinierte Waffen (Kugel und Schrot z.B. beim Drilling). Für das Benutzen der Waffe werden vordergründige Argumente angeführt: Hege mit der Büchse, Schutz der Land- und Forstwirtschaft, Tierschutz etc.
Betrachtet man jedoch den psychologischen Hintergrund des Jagens, so muss man feststellen, dass die Waffe noch andere und wahrscheinlich wichtigere Funktionen erfüllt, als nur das Töten von Tieren.

Da es schon in den frühen Anfängen der Menschheit Aufgabe des Mannes war, für den Schutz der Familie und deren Ernährung zu sorgen und sich diese »Steinzeitmentalität« in den meisten Köpfen der heutigen Menschen (meist sind dies Männer!) erhalten hat, ist es nicht verwunderlich, dass die Waffe für den Waffenbesitzer vor allem Macht, Überlegenheit, Sicherheit und Männlichkeit bedeutet. Schließlich durfte sich der kräftemäßig überlegene Mensch schon immer gegenüber dem Unterlegenen mehr herausnehmen. letztendlich durfte der Starke auf Kosten der Schwachen Reichtümer anhäufen, sich seine Frauen aneignen und auch Gesetze übertreten, so sie nicht ohnehin von ihm erlassen worden waren.
Diese Kraft pulsiert auch heute noch in jeder Waffe. Aber Schwächen zuzugeben fällt dem in der heutigen Gesellschaft nicht mehr sehr angesehenen Jäger schwer. Die Wahrheit würde nämlich lauten: »Ja, ich liebe Waffen, weil sie mir das Gefühl der Stärke geben,... weil sie meine - von mir als ungenügend empfundene - Männlichkeit ausgleichen,... weil sie mich zum Herrn über Leben und Tod machen«. Statt dessen erklärt er aber: »Der Jäger braucht die Waffen um seine Jagd ausüben zu können, Jagd aber ist notwendig, der Jagdausübende übernimmt die undankbare, aber notwendige Aufgabe des Töten von Wild«.

Schon ein flüchtiger Blick in jedes Jagdmagazin muss den Leser eines anderen belehren: Kaum ein Journal, auf dem sich nicht ein stolzer Jäger mit seiner Waffe auf einem erlegten Tier ablichten lässt: stolz auf seine jagdliche Beute und stolz auf seine durch die Waffe erzielte Überlegenheit über die arme Kreatur. Selbstverständlich gibt es noch andere Gründe für den Besitz einer Waffe: das »sportliche« Jagen, der Beweis der Geschicklichkeit und Treffsicherheit ist für viele ein zusätzlicher Anreiz zur Jagd. Ein Plakat in einer Schießstätte, die der Autor zum Zweck des Tontaubenschießens aufsuchte, warb für eine Jagdreise nach Argentinien mit einer Garantie für erfolgreiche Taubenjagd. Vielleicht bluten (Pardon: »schweißen«) die leblosen Tontauben in Deutschland zu wenig. Auf nach Argentinien, hier kann man - ohne Ende - auf lebendige Tauben schießen! Wie verblendet muss ein Mensch sein, dass er die Widerlichkeit dieses Handelns nicht erkennt.

Wenn man schon einen vernünftigen Grund für die Jagd vorgibt, sollte man ihn auch innerhalb der Jägerschaft ernst nehmen... oder man läuft Gefahr als Lügner ertappt zu werden.



Ist Gänsejagd notwendig?
Eine Lanze für die Rabenvögel
Schwäne erschossen
Fasanerien
Vogeljagd in Italien
Feldhasen
Leben unter Wildschweinen
Zu viele Wildschweine?
Wer ist schuld an der Schweinepest?
Das Jahr des Fuchses
Freundschaft mit Füchsen
Grausame Jagd auf Füchse
Der Fuchs und das Jägerlatein
Warum sollen Wölfe keinen Schutzengel haben?
Wölfe im Bayerischen Wald:
Wölfin widerrechtlich erschossen
Jäger als "Ersatzwölfe"?
Luchsmord in der Schweiz
Das Wild
Die Hege mit der Büchse
Die Waffe des Jägers
Jäger fälschen Bestandszahlen
Der Widersinn der Jagd
Nehmt Rücksicht auf die wildlebende Tierwelt!


Bei www.anti-jagd-demo.de weitere Texte und Artikel:
http://www.anti-jagd-demo.de/texteartikel/index.html