Wenn wir bei einem Spaziergang durch die freie Natur einem farbenprächtigen Schmetterling begegnen, ohne dessen Flucht zu bewirken, uns einem Vogel nähern, der arglos sein Lied zwitschert oder ein Reh sehen, welches aus dem Wald heraustritt um zu äsen, erfahren wir eine tiefe innere Verbindung mit anderen Lebensformen dieser Erde. Diese Augenblicke sind von einem tiefen Frieden geprägt, den wir suchen. Aus diesem kleinen Moment erwächst oft eine spürbare reine Energie. Gleichzeitig entsteht bei diesen Begegnungen ein offenes Schutzangebot gegenüber der Natur und den Tieren, denn diese freien, nicht domestizierten Tiere vermitteln uns ein Gefühl der Einheit mit der Natur, aber auch eine uneingeschränkte Bewunderung, in dieser vom Menschen malträtierten Umwelt, überlebt zu haben.
Was wir hier zunächst nur emotional erfahren und lange Zeit als zu sentimental abgewertet wurde, erhält immer mehr wissenschaftlichen Hintergrund und offizielle Bestätigung durch die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte. Auch das lange gepflegte barocke/mechanische Weltbild, welches auf den französischen Mathematiker Descartes (René Descartes 1596-1650, Mathematiker und Philosoph) zurückgeht und nachdem wir unsere Umwelt und Natur selbst und anthropozentrisch (auf den Menschen ausgerichtetes Handeln) gestalten könnten, ist schon lange nicht mehr haltbar. Auch die Ignoranz gegenüber anderen Lebewesen, welche von Thomas von Aquin (Thomas von Aquin, 1225 – 1274, Philosoph und Theologe) ausformuliert wurde und aus dem frühen Mittelalter stammt, spukt immer noch in vielen Köpfen und verursachte die seither kultivierte menschliche Überheblichkeit auf dieser Erde. Doch diese Einstellung wankt und verkehrt sich langsam ins Gegenteil, auch nachdem wir feststellen mussten, dass alle von uns verursachten biotischen und abiotischen Veränderungen (biotisch: Veränderung biologischer Strukturen und die Störung der entsprechenden Wechselwirkungen, abiotisch: veränderte Klima-, Wasser-, Boden-, Luft- und Lichtverhältnisse) ein Chaos in der Natur angerichtet haben. Diese Horizonterweiterung war schon vor längerem Ausschlag gebend dafür, sich das Jagdtreiben, dessen Begründung und den damit praktizierten Umgang mit den noch verbliebenen Wildtieren, durch jagdscheinbesitzende Mitbürger/innen, genauer anzuschauen. Landläufig galten die Jäger/innen lange Zeit als naturverbunden, weil sie in der Natur aufhielten und sich selbst gerne als Regulator für eine anscheinend außer Rand und Band geratene Natur darstellen konnten. Da es keine großen Beutegreifer (Wölfe, Luchse und Bären) mehr gäbe, müssten hier nahezu zwangsläufig Grünröcke deren Aufgaben (nachdem sie diese Tierarten selbst ausgerottet hatten) bei der Regulation der Wildtierbestände übernehmen.
Auch die Ausbreitung von Tierseuchen solle mit der Jagd verhindert werden, sowie junge Bäume geschützt (vor allem monokulturell, wirtschaftlich genutzte Massenanpflanzungen) und damit der Wald vor Verbisss und Zerstörung bewahrt werden. Als weiteres Argument für die sog. „Biowarenwelt“ wurde dann die artgerechte Lebensweise der Wildtiere aufgeführt und deren wertvolles Fleisch gerühmt, das wegen der völlig natürlichen Nahrungsbestandteile unbelastet wäre. Auch mit dem Hinweis, dass der Mensch immer schon Jäger und Sammler gewesen sei, sollte die Jagd sogar zu einem erhaltenswerten Kulturgut erhoben werden. Die meisten Menschen kennen diese Begründungen, mit denen das Töten von Wildtieren gerechtfertigt wird und glauben damit an die Unvermeidbarkeit dieser Jagdhandlungen, der jährlich 5 Millionen Wildtiere zum Opfer fallen. Die ersten Zweifel kommen aber dann doch, wenn man erfährt, dass jährlich auch ca. 200 000 Katzen und ca. 30 000 Hunde von Jägern getötet werden, weil diese Haustiere angeblich gewildert hätten, d. h. sie Wildtieren nachgestellt hätten, um diese zu töten. Bei den meisten durch Jäger erschossenen Haustieren war dies nach Angaben der Initiative jagdgefährdeter Haustiere (www.ijh.de) jedoch nicht der Fall, denn sie waren z.T. noch an der Leine oder gingen direkt neben ihren Besitzern.
Falls es tatsächlich von Haustieren getötetes Wild gibt, muss man hier noch feststellen dass diese Wildtiere ohnehin nicht an Alterschwäche sterben, sondern sie kommen meist bei Jagdhandlungen zu Tode. Von Jägern erschossene Katzen wiesen zudem bei Untersuchungen in ihren Mägen meist genau das auf, was man erwartete – tote Mäuse. Der Mär, dass nur bei der Jagd der Tod für das Tier nahezu unspürbar oder gar schmerzlos eintritt, widerspricht eine Untersuchung des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV), nachdem 40% der ersten auf ein Tier abgegebenen Schüsse nicht tödlich sind, fast die Hälfte der Tiere werden also mehrfach beschossen bis der Tod eintritt. Auch die von Jägern praktizierte Fallenjagd widerspricht in ihrer Intention und Durchführung eigentlich dem Deutschen Tierschutzgesetz, da viele Tiere in diesen Fangapparaten oft regelrecht zu Tode gequält werden. Wer kennt nicht die Bilder aus der Zeitung, auf dem eine Hauskatze zu sehen ist, die sich unter unvorstellbaren Qualen selbst die Vorderpfoten abgebissen hat, um sich so aus einer Falle zu befreien, um nach Hause zu gelangen (- und später trotzdem verstarb). Doch auch hier bietet das Bundesjagdgesetz den Jagenden (nicht den Tieren) einen legalisierten aber nicht nachvollziehbaren Schutz.
Seit der Mensch sich mit Ackerbau- und Viehzucht beschäftigt, urbanisiert er die natürliche Landschaft auf seine Weise. Dabei haben es die Wildtiere immer verstanden, sich den damit verbundenen Veränderungen anzupassen, über Jahrhunderte hinweg waren Wildtiere kein signifikantes Problem für Land- und Forstwirte, erst seit ca. 25 Jahren nehmen die Wildtierbestände drastisch zu und müssen oft zur Nahrungsaufnahme die natürliche Deckung noch häufiger verlassen, da die in den Naturflächen vorhandenen Nahrungsressourcen den Tieren nicht ausreichen. Weshalb ist Individuenzahl bei Wildtieren angestiegen, obwohl ihre Lebensbedingungen (Naturflächen und natürliche Nahrungsressourcen) sogar schlechter geworden sind?
Die Hintergründe sind in der Bejagung dieser Tiere zu finden. Ein Jagdpächter, der Jagdpacht entrichtet oder stundenlang ansitzt möchte auch Tiere töten und Beute machen in seiner Freizeit. Es müssen also genügend Tiere in seinem Revier vorhanden sein. Zu diesem Zweck bringen Jäger viel Zusatzfutter in den Wald. Bei einer Jägerumfrage der Wildforschungsstelle Baden-Württemberg stellte sich heraus, dass pro erlegtem Wildschwein bis zu 250 kg Zusatzfutter in die Natur ausgebracht werden. Da die Nachkommenzahl bei höheren Säugetieren direkt von den vorhandenen Nahrungsressourcen abhängt und beim Wildschwein auf diese Weise sogar ein zweiter Wurf pro Jahr „herbeigemästet“ werden kann, schnellte die Wildschweinanzahl drastisch in die Höhe. Eine weitere Beschleunigung der Nachwuchsdynamik entsteht durch den Abschuss der rottenführenden Leitbache. Hierbei wird durch den Tod des Leittieres die interne Nachwuchsregulation der Rotte ausgehebelt, so dass noch mehr Frischlinge von anderen gebärfähigen Bachen dieser Rotte zu erwarten sind, weil die Pheromonhemmung (Pheromon: Geruchsstoff, der von der Leitbache abgegeben wird und bei anderen weiblichen, geschlechtsreifen Rottenmitgliedern die Rauschzeit/Fortpflanzungsfähigkeit unterdrückt ) durch den Tod der Leitbache weggeschossen wurde. Während innerhalb einer Rotte natürlicherweise 4-5 Frischlinge zu erwarten wären, kommt es durch die Jägereingriffe zu 25 –30 Jungtieren bei diesem Tierbestand in jedem Jahr.
Nur die Lust einiger Jagdscheinbesitzer, harmlose Wildschweine zu töten, lässt aus dem im Jahre 1927 (lt. Brehms Tierleben, Ausgabe 1927) seltenen gewordenen Tier eine „Plage“ werden (500 000 erlegte Tiere in der Jagdsaison 2004/5). Wiederum trägt aber die Tierwelt keinerlei Schuld an diesem Chaos, sondern der jagende Mensch.
Zu einer noch stärkeren Verunsicherung der Bürger/innen führt die Behauptung der Jägerschaft , sie würden Seuchenverbreitungen verhindern. Bei der Tollwutbekämpfung in den Jahren zwischen 1970 und 1980 konnte genau das Gegenteil festgestellt werden. Durch die Bejagung wurde die Tollwutverbreitungsgeschwindigkeit sogar erhöht, da flüchtende Tiere den Erreger übergroße Distanzen in kürzester Zeit transportierten. Auch die Reduktionder Fuchsbestände durch eine gnadenlose Bejagung, war ein völliger Fehlschlag, da sich diese Tiere entsprechend ihrer Verluste innerhalb der Reviere sehr schnell wieder reproduzieren können. Hierbei handelt es sich um die funktionierende Arterhaltungsstrategie der Füchse. Erst eine Impfung machte die Tollwutbekämpfung effektiv (weitere Informationen bei www.wir-fuechse.de).
Um aber trotzdem weiterhin auf Füchse anlegen zu können, wurden z. B. Fuchsbandwurmhysterien lanciert, die der Bevölkerung Ängste suggerieren, die aber völlig unsinnig sind, wie führende Infektologen festgestellt haben (Prof. Nothdurft, Universität München, Spiegel 44/01).
Diese Vorgehensweise ist typisch für die Jagdgier der Grünröcke. Auch der Rückgang der Bodenbrüter wurde Meister Reinecke angelastet, obwohl Prof. Reichholf in seinem neuesten Werk (Reichholf, Josef, H. Prof. „Die Zukunft der Arten“ Beck Verlag 2005) feststellt, dass die intensive Landwirtschaft den Lebensraum vieler Arten gefährdet und teilweise zur Ausrottung geführt hat und kein Wildtier.
Da es sich bei Füchsen um wichtige Teile eines funktionierenden und natürlichen Ökosystems in Feld, Wald und Flur handelt, ist ihre Bejagung, biologisch und gesundheitsprophylaktisch gesehen, völlig unsinnig. An dieser Stelle wird sich der kritische Mensch zum ersten Mal fragen, weshalb überhaupt noch Füchse getötet werden? Aber auch Marder, Iltisse, Hermeline, Wiesel und Dachse gehören als Beutegreifer und Regulatoren in ein funktionierendes Ökosystem und werden ständig von Jägern verfolgt – warum? Eine einfache Erklärung wäre natürlich, weil diese Tiere die direkte Konkurrenz zum Jäger darstellen, doch darf man das so nicht stehen lassen, da diese Tiere hauptsächlich kleine Nager verzehren und diese Kleinstsäuger wohl kaum von Jägern bevorzugt werden. Nein – es geht hier um die Lust am Töten, das hinterhältige Anschleichen, Warten, Anlegen und Abdrücken, die Befriedigung einer wilden Kreatur gezeigt zu haben, wer hier der Herr über Leben und Tod ist. Da der tote Fuchs nicht weiter verwertbar ist, kann auch kein wirtschaftliches Interesse mit hineinspielen, es geht hier offensichtlich nur um die Befriedigung eines, für Normalmenschen unerklärbaren, Triebes. Da diese Handlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ablaufen, werden sie meist ignoriert oder man übernimmt gedankenlos noch eine fadenscheinige Jägerargumentation. Alle diese Zusammenhänge bestätigt der Psychoanalytiker und Jäger Paul Parin in seinem letzten Buch „Die Leidenschaft des Jägers“ in dem er für die Jagd feststellt:“....es ist ein verbotener Genuss an Verbrechen, Grausamkeit und Mord...“ (Parin, Paul, Die Leidenschaft des Jägers, DVA 2003)
Bevor hier aber noch weitere gängige Jagdrechtfertigungen entkräftet werden, darf man die stabilisierenden Nebenschauplätze dieses blutigen „Freizeitvergnügens“ nicht vergessen, z. B. die (meist ökumenisch ausgerichteten) Hubertusmessen; bei denen mit salbungsvollen Worten die Täter gesegnet aber das Leid und die Qual der Opfer regelmäßig ignoriert werden. Hier sollten nur noch Menschen zu Wort kommen, die von Jägern angeschossen wurden, stundenlang in einer Falle eingeklemmt waren oder Familienangehörige durch die Einwirkung von Jagdwaffen verloren haben, denn dann wird verbal erfahrbar, was Jagd anrichtet. Von jagenden Pfarrern, die gnadenlos an die Schöpfung ihre Hand anlegen und dabei wohl ihren Triebstau kompensieren möchten, soll hier nicht weiter geschrieben werden... Jedoch einen Heiligen zu ehren, der nachweislich mit der Jagd aufgehört hat, nämlich den hl. Hubertus, zeigt die Schizophrenie der Jäger deutlich auf, aber auch eine typische und gepflegte Verlogenheit, wenn es in der Kirche um die Jagd geht.
Ein weiteres typisches Standardargument ist auch, dass die Rehe den Wald auffressen würden, käme nicht der Jäger zum Einsatz. Auch hier zieht sich die typische immanente Hinterhältigkeit der Jagdargumente, wie ein blutroter Faden durch. Da es einer Halbwahrheit auch durch ständiges Wiederholen nie zur Wahrheit reicht, betrachten wir uns die Zusammenhänge genauer. Das Reh- und Rotwild hat sich eigentlich nicht im Wald entwickelt, sondern es braucht als Lebensraum Wiesen- und Grasflächen. Nur zum Schutz und als Deckung suchen sie den Waldrand, das Gebüsch oder höhere Pflanzenbestände auf. Sie sind auch nicht nacht- oder dämmerungsaktiv, dafür fehlen ihnen die entsprechend gebauten Sinnesorgane, sondern es handelt sich hier eigentlich um tagaktive Tiere.
Die Veränderung ihrer Verhaltensweisen geht direkt auf die Bejagung zurück, d.h. den besten Schutz haben sie im Wald, weil hier die Sicht (für Jäger) eingeschränkt ist und Bäume als Deckung den besten Schutz bieten. Im Wald lassen sich auch herannahende Gefahren gut wahrnehmen, da z. B. eine geräuschlose Fortbewegung (des Menschen) kaum möglich ist. Da der Mensch meist am Tage eine Gefahr darstellt, (die Tiere erleben ihn meist nur als killende Bestie) haben die Wildtiere ihre Aktivitätszeiten anpassen müssen, obwohl ihre Reizwahrnehmung nicht darauf spezialisiert ist. Da nun das freie Feld eine Gefahr darstellt, werden die Wildtiere durch den „Jagddruck“ in die Wälder getrieben bzw. müssen sich dort aufhalten. Hier stehen diesen Wiederkäuern nur begrenzte Nahrungsquellen zur Verfügung, oft sind nur Kräuter, Moose und Farne erreichbar. Da dies nicht immer reicht, werden auch junge Baumanpflanzungen aufgesucht, die ihnen in fressbarer Höhe verdaubare (aber nicht immer geeignete) Energieträger bieten. Durch die plantagenartigen Nadelholz-Monokulturen und die gleichaltrigen Bäume ist das Nahrungsangebot nicht nur eingeschränkt, sondern eigentlich für diese Tiere unzureichend. Aus diesem Grund müssen die Tiere den Wald ab und an verlassen und werden so zu Jagdopfern oder durch die Bejagung noch weiter traumatisiert und hysterisiert, d. h. sie flüchten beim kleinsten Geräusch über lange Distanzen. Dies kann in einem schneereichen Winter sogar zum Verhungern von Wildtieren in Hochlagen führen. Hier gilt nun festzuhalten, dass die immer von Forstwirten beklagten Verbissschäden eine direkte Folge der Bejagung darstellen. Die Forstwirte neigen auch dazu. stark zu übertreiben. So liegt die Zahl der ausgeschlagenen Bäume während der Wachstumsperiode eines Forstes, bei der auf 75 ha Waldfläche ca. 100.000 Jungbäume (z. B. Fichten) angepflanzt werden, bei ca. 80%. D. h. bis zur „Ertragsreife“ dieses Waldes müssen mind. 80% der Bäume wieder ausgeschlagen werden, damit eine optimale Baumentwicklung gewährleistet ist.
Durch einfache Strukturmaßnahmen könnte hier aber den Wildtieren, wie den Forstwirten, geholfen werden. Zum einen sollten nur noch landwirtschaftliche Flächen bei ihrer Stilllegung subventioniert werden, die in Waldrandnähe liegen und zum anderen sollte ein Wald aus mehreren Baumarten bestehen und der Waldrand verschiedene Straucharten aufweisen. Dadurch würde den Wildtieren in unserer Landschaft eine normalere Lebensweise ermöglicht. Die heutigen hohen Reh- und Rotwildbestände sind auf eine ständige jägerverursachte Futterzufuhr (Hege und Pflege) zurückzuführen, d.h. ohne Zufütterung wären diese Bestände ohnehin viel kleiner, weil die natürlichen Nahrungsmengen die Bestände limitieren würden. Auch die nach „Hegevorschriften“ vorgenommenen selektiven Abschüsse stabilisieren diese Tierarten nicht, sondern fördern nur die Ausbildung bestimmter Trophäenträger, verringern jedoch die natürlichen Überlebenschancen dieser Art. Untersuchungen in unbejagten und bejagten Vergleichsflächen zeigen die signifikanten, jagdselektiven d. h. negativen Auswirkungen bei bejagten Tierarten. (Consiglo, Carlo, Prof., „Vom Widersinn der Jagd“, Verlag Zweitausendeins, 2001)
Den besten Beweis, dass „Bambis“ den Wald nicht auffressen, erhalten wir aber aus den unbejagten europäischen Nationalparks (Italien / Schweiz), in denen es ebenfalls keine großen Beutegreifer (Wölfe oder Luchse) gibt, die auf die Rot- oder Rehwildbestände Einfluss nehmen könnten. Diese oft schon 100 Jahre jagdfreien Flächen weisen eine Zunahme des Baumbestandes und eine damit verbundene Vergrößerung der Waldfläche bei stabilen Tierbeständen auf. Hier können also nicht nur vermehrt Bäume wachsen, sondern auch die Wildtiere weniger scheu erlebt werden. Eine Rückkehr von Wölfen (einige gibt es schon auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in der Oberlausitz bei Bad Muskau) und auch von Luchsen wird in den nächsten Jahren zu beobachten sein und damit auch die Skeptiker beruhigen und die jägerbedingten Wildzahlen verändern. – Vorausgesetzt diese Tiere werden nicht zu einem Problem erklärt.
Wie aus den bisherigen Ausführungen zu entnehmen ist, kann das Leben in der deutschen Natur für die Wildtiere heute nicht unbedingt immer als artgerecht oder frei und selbstbestimmt bezeichnet werden, da viele Wildtiere in ihren jetzigen Lebensraum hineingedrängt wurden oder versuchen der Nachstellung durch die Jäger/innen auszuweichen. In einer artenverarmten Umwelt entsprechen die vorkommenden Futterpflanzen oder ausgebrachten Nahrungsangebote (Zufütterung oder Kirrung - Unter Kirrung versteht man eine Anlockfütterung, um Wildtiere in eine günstige Abschussposition zu bringen) oft nicht den Bedürfnissen der Wildtiere. Untersuchungen nach der BSE-Krise haben zudem gezeigt, dass auch Jäger Kraftfutter in die Natur ausgebracht haben und auch heute noch Tausende von Tonnen an Mais ausbringen (eine nicht einheimische Pflanze, die bei uns ohne menschliche Hilfe nicht existieren könnte). Die seit der Katastrophe von Tschernobyl verseuchten Moose, Flechten und Pilze gelangen auch in die Körper der Wildtiere, ebenso wie Trichinen (Endoparasiten, die sich in der Muskulatur von Tieren einnisten und beim Verzehr in unsere Muskulatur gelangen und bei einer Anreicherung zum Erstickungstod führen) in Wildschweinen vorkommen, da diese Nahrungsopportunisten auch tote Tiere fressen können.
Zudem beweist der an Hasenpest verstorbene hessische Jäger, nach einem Feldhasenmenü im Frühjahr 2006, deutlich, dass auch das Wildfleisch erhebliche Gefahren birgt und ernährungsphysiologisch eher als bedenklich einzustufen ist. Auch die hoch gelobten Omega-3-Fettsäuren führt man sich ohnehin leichter und verdaulicher mit einem Teelöffel Rapsöl über einen Salat zu.
Abschließend kann festgehalten werden, dass kein Argument die Jagd wirklich stützen kann. Sie ist ein steinzeitliches Relikt, das den Tieren nur Leid und Qual bringt und ihre zukunftorientierten Überlebenschancen vermindert. Hinzu kommt, dass durch die Jäger/innen jährlich 1500 Tonnen Bleischrot die Waldböden eingebracht werden. Dieses Schwermetall gefährdet die Grundwasservorräte, vergiftet bzw. kontaminiert Nahrungsketten und schädigt auch noch Wasservögel und die wenigen deutschen Seeadler siehe bei (www.birdnet.de ), die Schrotblei mit ihrer Nahrung (entweder direkt als Magensteinchen oder indirekt über angeschossene Tiere) aufnehmen. Wenn man jetzt noch in Rechnung stellt, dass die Jagd (durch Jäger und Jagdwaffen) jedes Jahr 40 Menschen das Leben kostet, sollte man sich fragen, ob die Jagd nicht deutlich gefährlicher ist als Bruno der Bär...
Heilbronn, August 2006
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