Jagdleiter weist Vorwürfe zurück: "Quad nur zum Bergen eingesetzt"

Giekau - Steht der schwere Verkehrsunfall auf der B 202 bei Winterfeld, bei der eine junge Frau durch ein Stück Damwild nach Durchschlagen der Windschutzscheibe schwer verletzt wurde (die KN berichteten), in direktem Zusammenhang mit einer Treibjagd? Nach Beobachtungen einer Anliegerin könnte das Tier durch den Einsatz eines Quads (geländegängiges vierrädriges Motorrad) aufgescheucht und auf die Straße getrieben worden sein.

Flora Schumann berichtete in einem Brief an die KN-Redaktion, sie habe gesehen, dass am vergangenen Sonnabend über einen Zeitraum von einer Stunde einer der Jäger etwa 60 Stück Damwild mit seinem Gefährt in unmittelbarer Nähe von Fresendorf in den angrenzenden Wald „Strezer Berg“ in Richtung der Schützen trieb. „Derartige Vorgehensweisen sind weit weg von den in Deutschland geltenden Jagd- und Tierschutzrichtlinien. Meines Wissens ist eine solche Hetzjagd nicht erlaubt“, schreibt sie. Gleichzeitig beklagt Flora Schumann in dem Brief, die Bewohner des Dorfes seien vorher - mit Ausnahme des zufällig entdeckten Schildes „Vorsicht Treibjagd! Lebensgefahr“ - nicht über die Treibjagd informiert worden, obwohl sich auf der betreffenden Weide täglich Kinder mit Pferden aufhielten.

Christoph Keller, zuständiger Jagdleiter und Organisator der Drückjagd im Bereich Giekau, wies die Kritikpunkte deutlich zurück. Auf Nachfrage der Kieler Nachrichten stellte er klar, das leichte und wendige Quad sei lediglich eingesetzt worden, um erlegtes Wild zu bergen. (...)

„Wir haben an allen Straßen im potenziellen Gefahrenbereich große Hinweisschilder als Warnung aufgestellt. Zusätzlich sorgten die Feuerwehren aus Engelau und Giekau mit Blaulicht auf ihren Fahrzeugen auf der L 259 für Aufmerksamkeit bei Autofahrern. Und zusätzlich wurden noch während der beiden Stunden auf einem 400 Meter langen Streckenabschnitt bei Ölböhm Warndreiecke mit dem Hinweis 30 km/h aufgestellt. Mehr können wir nicht tun.
Im übrigen müsste bekannt sein, dass in diesen Wochen überall im Land Jagden stattfinden und deshalb verstärkt mit aufgescheuchtem Wild gerechnet werden muss“, erklärte Christoph Keller. (...)
Für solche Jagden sind übrigens keine behördlichen Genehmigungen oder Anzeigen erforderlich. Das bestätigte auch der Leiter des Ordnungsamtes im Amtsbereich Lütjenburg, Michael Landschof. „Dafür sind die Revierinhaber selbst verantwortlich“.

Quelle: Kieler Nachrichten, 9.12.2009 (Auszug)


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