Stellungnahme von Dr. Frey, tätig an der Veterinärmedizinischen Universität Wien zu Schlagfallen


„Der Österreichische Tierschutzverein ÖTV wurde und wird laufend mit tierquälerischen Aspekten in Zusammenhang mit der Verwendung von Anzugeisen im Jagdbetrieb konfrontiert und bemüht sich daher um ein generelles, alle österreichischen Bundesländer betreffendes Verbot derartiger Fallen.
In der Steiermark sind Abzugeisen, allerdings mit Einschränkungen (spezielle Schulung und Befugnis, Kennzeichnung der Fallen) im Gegensatz zu anderen Bundesländern, noch immer erlaubt. (...)

Ich bin als Veterinär an der Veterinärmedizinischen Universität tätig, darunter viele Jahre an der Wildabteilung, und leite eine Auffangstation für Wildtiere in Niederösterreich. Ich habe hunderte eingesendete Füchse untersucht und wurde dadurch auf die erhebliche Problematik der Fallenjagd aufmerksam. Gut ein Drittel der untersuchten Füchse wies schwerste Verletzungen der Läufe auf, die eindeutig von Fallenbügeln stammten und intra vitam zustandegekommen waren. In den Mägen meherer Füchse fanden wir Extremitätenteile, die von diesen Individuen stammten. Diese Füchse hatten sich in ihrere Not selbst verstümmelt. Da ich nicht annehmen kann, dass die ausschließlich von Jägern eingeschickten Füchse mit Tritteisen gefangen worden waren, die ja seit Jahrzehnten in Österreich verboten sind, können diese Fallenverletzungen nur durch Abzugeisen verursacht worden sein. Ich habe dann begonnen, mich für dieses Problem zu interessieren.

Ich habe durch meine Freilandstudien sehr viele Kontakte zu Berufsjägern, einige von ihnen betrieben selber die Jagd mit Abzugeisen oder hatten damit Erfahrungen gesammelt, danach aber darauf verzichtet. Alle hatten von Erfahrungen im jagdlichen Freundeskreis zu berichten. Mit Ausnahme eines Kärnter Fallenjägers, der behauptete, tausende Füchse mit Abzugeisen erbeutet zu haben, ohne jeden Fehlfang bzw. tierquälerischen Aspekt, bestätigten alle regelmäßige Zwischenfälle bei der Anwendung von Abzugeisen.

In meiner Station in Haringse landeten über Jahrzehnte die bedauerlichen Fehlfänge: Kaiser-, See- und Steinadler, Bussarde und Weihen, Uhus. Fast immer hoffnungslose Fälle. Dann begann ich auch die Fehlfänge Haustiere betreffend zu recherieren und es bot sich auch hier das gleiche grausame Bild.

Ich habe dann begonnen, außer den Opfern (Greifvogel und Eulenfehlfänge) auch die Fallen einzuziehen, die Fallen wurden bei Naturschutzorganisationen abgegeben, der Landesjagdverband informiert. Klagsdrohungen waren die Folge, es blieb aber bei Drohungen. Tier- und Naturschutzorganisationen (u.a. auch der NÖ Naturschutzbund) traten vereint für ein Verbots der Anzugeisen ein.

Dass selbst bei vorsichtigster Anwendung von Abzugeisen Fehlfänge (andere Tierarten, andere Körperteile betroffen) nicht ausgeschlossen werden können, ist eine Tatsache. Da nützten auch die beste Schulung und langjährige Erfahrung nichts. Abzugeisen sind nun einmal nicht selektiv, denn der Köder ist für jeden Fleisch- und Allesfresser interessant.
Ganz abgesehen von der erheblichen Gefährdung von Kindern. (...)

Die Jagd mit Abzugeisen hat mit Waidgerechtigkeit nichts zu tun. Sie ist ohne Zweifel auch in der Steiermark ein Auslaufmodell, je früher desto besser! Spätestens beim nächsten "Fehlfang" eines Kindes, wie unlängst in Oberösterreich, wird es sich kein Politiker mehr leisten können, den Gebrauch dieser Fallen gutzuheißen. Naturschutzorganisationen müssen m.E. bei solchen Problemen sehr hellhörig sein. (...)





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