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Experten kritisieren Reaktionen auf angeblichen Vogelgrippefall
Experten des Wissenschaftsforums Aviäre Influenza (WAI) zeigten sich besorgt über die Reaktionen auf den angeblichen Nachweis der hoch pathogenen Vogelgrippe "H5N1 Asia" in Bayern. Dort waren bei der Untersuchung einer Ente, die bereits im Januar am Starnberger See geschossen worden war, Gen-Spuren gefunden worden, die von den Behörden als Beweis für eine Infektion durch Vogelgrippe interpretiert wurden. Dr. Peter Petermann vom WAI warnt dagegen vor voreiligen Schlussfolgerungen: "2008 wurde bekannt, dass es weltweit wiederholt zu falschen Ergebnissen bei Genanalysen von Influenza-Viren gekommen ist, meistens infolge einer Verunreinigung von Proben im Labor. Auch bei mehreren angeblichen Nachweisen von Vogelgrippe-Viren in Mitteleuropa besteht der begründete Verdacht auf eine Kontamination im Labor". Besonders verdächtig seien immer sogenannte "Einzelbefunde" bei gesunden Tieren, also Virennachweise bei einem einzigen Vogel aus einem größeren, negativ beprobten Schwarm. Da H5N1-Asia-Viren als "hoch-ansteckend" gelten, sei eine solche Situation sehr unwahrscheinlich - genau wie bei der Ente am Starnberger See, die zusammen mit 38 anderen Enten und Gänsen erlegt worden war. Der internationale Wasservogelexperte Dr. Johan H. Mooij verweist darauf, dass solche "Einzelbefunde" bisher nur extrem selten gefunden wurden: „Seit 2005 wurden weltweit mehr als 350.000 lebende Wildvögel auf HPAI-H5N1 untersucht. Dabei gab es - einschließlich des aktuellen Falles - lediglich acht mal positive Laborbefunde (davon sechs 2005 in China), die jedoch in jedem einzelnen Fall mehr Fragen aufwerfen, als dass sie Antworten liefern.“ Zuletzt wurden im März 2008 bei einer Tafelente in der Schweiz Fragmente eines Viren-Gens gefunden, jedoch konnten keine Viren isoliert werden. Bis zu 5% falsch-positive PCR-Ergebnisse seien jedoch normal, betonte Dr. Mooij, aber keiner der „positiv“ getesteten Vögel sei zur Kontrolle mit einem alternativen Verfahren untersucht worden. Angesichts der großen Zahl von jährlich auf Vogelgrippe untersuchten Proben ist eine geringe Zahl an falsch-positiven Befunden unausweichlich. Gewissheit kann die Isolierung der Viren und die vollständige Analyse (Sequenzierung) ihres Erbguts geben. Durch Vergleiche lassen sich daraus Hinweise auf die Herkunft der Viren und eine mögliche Kontamination ableiten. Das WAI fordert deswegen, die Laborbefunde vollständig zu veröffentlichen und auf grundlose Spekulationen zu verzichten. Hinweise auf eine versehentliche Kontamination von Proben gab es nach Erkenntnissen des WAI auch bei zwei früheren "Ausbrüchen" in Deutschland. In beiden Fällen war jeweils nur ein einzelner Vogel (eine Hausgans und eine Hausente) aus einem größeren Bestand positiv beprobt worden, wogegen alle anderen Tier im Bestand frei von Vogelgrippeviren waren. Die genetische Analyse ergab, dass die Viren fast identisch waren mit Viren aus anderen Fällen, von denen einer bereits zwei Jahre zurücklag. Zu einer Kontamination kann es kommen, wenn im Labor eingelieferte Vögel verschiedener Herkunft nicht sicher getrennt werden, aber auch durch sogenannte Positiv-Proben, die Viren-Erbgut aus früheren Nachweisen enthalten, und bei jeder Analyse zur Kontrolle mitlaufen. Aus der Luft gegriffen ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen des WAI die Behauptung der Behörden, der positive Befund bei einer Ente lasse auf eine anhaltende, verbreitete Durchseuchung von Wildvögeln mit Vogelgrippe-Viren schließen. "Anscheinend hat man aus den dramatischen Vorgängen im Jahr 2007 nichts gelernt," resümiert Dr. Peter Petermann vom WAI. Damals hatten Funde infizierter Wildvögel auf die seit Wochen anhaltende Zirkulation von Vogelgrippeviren in Geflügelbeständen in Bayern und Tschechien hingewiesen, deren Ausmaß dennoch erst Wochen später erkannt wurde. Die Wildvögel, die tot oder sterbenskrank aufgefunden worden waren, waren offenbar durch Virenaustrag aus den Geflügelbeständen infiziert worden, wie genetische Vergleiche zeigten. Eine Ausbreitung der Viren unter Wildvögeln habe es jedoch damals so wenig gegeben wie in diesem Jahr. Abschließend äußerten sich Vertreter des WAI erstaunt über die Tatsache, dass dieser zweifelhafte Nachweis von Vogelgrippe viel größeres Aufsehen erregt habe als der gefährliche Laborunfall mit Vogelgrippeviren im Februar 2009. Dabei war es bei der Impfstoffentwicklung in einem Labor des Pharmakonzerns Baxter zur Verseuchung der Proben mit Vogelgrippeviren gekommen. Anschließend waren die Proben für Tierversuche an verschiedene Labors in Europa geschickt worden. Zum Verbleib dieser gefährlichen Sendung gibt es bis heute keine Informationen.
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