In Holland ist die Jagd weitgehend abgeschafft

Jagd in der traditionellen Form gibt es in Holland nicht mehr. Im April 2002 trat nach fast nach fast fünfzehnjähriger Bearbeitung und trotz massiven Widerstands der Jägerschaft das »Flora- und Faunawet« (Flora- und Faunagesetz) in Kraft. Das Flora- und Faunawet ist ein Naturschutzgesetz, das die meisten Tierarten ganzjährig unter Schutz stellt. Der Katalog der jagdbaren Arten zuvor 96 jagdbaren Arten wurde auf sechs jagdbare Arten gekürzt: Hase, Kaninchen, Stockente, Fasan, Ente und Rebhuhn, welches jedoch ganzjährige Schonzeit genießt, da es auf der Roten Liste steht. Die Fallenjagd ist in Holland grundsätzlich verbotenen, Ausnahme ist der Lebendfang von Krähen.

Für 2014 ist eine weitergehende Gesetzesänderung geplant, welche schließlich auch die Jagd auf die verbliebenen sechs Wildarten verbieten soll. Es verbleiben nur noch die so genannte Hege und die Wildschadenskontrolle.

Für Wildschweine, Rehe und Hirsche gilt ein Wildtiermanagement, auch Hege genannt, mit dem versucht wird, die Dichte der Wildtierpopulation der Lebensraumkapazität anzupassen. Für die Hege und Wildschadenskontrolle sind eigene Lizenzen notwendig, die von der Bezirksbehörde ausgestellt werden.

Die Ausnahmeregelung zur Wildschadenkontrolle wurde als Zugeständnis an die Landwirtschaft in das Gesetz aufgenommen: Unter besonderen Umständen wie z.B. schweren landwirtschaftlichen Schäden oder um andere Arten zu schützen, dürfen Tiere, die zu den geschützten Tierarten gehören, getötet oder gefangen werden. Das Flora- und Faunagesetz hat für diese Ausnahmeregelungen drei Bedingungen festgelegt: Erstens darf es keine andere Lösung geben - d.h alle anderen Lösungen müssen ausgeschöpft sein -, zweitens darf die Tierart nicht vom Aussterben bedroht sein und drittens muss es sich um beträchtliche Schäden an Gewächsen oder Vieh handeln.

Tier- und Naturschützer beklagen, dass Behörden in der Praxis zu viele Ausnahmereglungen vom Jagdverbot zulassen. So wurde auf massiven Druck der Jäger im Jahr 2006 die Jagd auf den Fuchs unter dem Deckmantel des Vogelschutzes erlaubt.



Holländische Jäger: Jagdtouristen in Deutschland

Weil die Jagd in Holland weitgehend verboten ist, kommen die holländischen Jäger nach Deutschland: Ein Großteil der deutschen Reviere entlang der Grenze zu Holland sind schon an Holländer verpachtet.

Holländische Jäger kommen in Kleinbussen nach Deutschland, um an Treib- und Drückjagden teilzunehmen - gegen entsprechende Bezahlung. Natürlich wollen diese Jäger dann auch ordentlich etwas schießen – und ballern nicht selten wahllos drauf los. Derartiger Jagdtourismus nach Deutschland wird z.B. in Rheinland-Pfalz durch die Landesregierung gefördert und initiiert, mit dem Hinweis auf positive Tourismus-Auswirkungen und den damit verbundenen Einnahmen.



Das Flora- und Faunagesetz

Das »Flora- und Faunawet« wurde 1998 verabschiedet und trat im April 2002 in Kraft. Dieses Naturschutzgesetz stellt die meisten Tierarten ganzjährig unter Schutz.

Die Naturschützer von Faunabescherming begannen schon 1976 mit der Gründung einer Stiftung und der Herausgabe einer Zeitschrift, die vier- mal im Jahr erscheint. Bereits 1977 wurde die parlamentarische Initiative ins Leben gerufen um die Gesetze und Regelungen für den Schutz von Pflanzen und Tieren klarer zu gestalten.

Am 25. Mai 1998 wurde das neue Flora- und Faunagesetz angenommen. Zunächst sollten die allgemeinen Regeln in dem Gesetz noch ausgearbeitet werden. Das Flora- und Faunagesetz ist nämlich ein »Rahmengesetz«. Das bedeutet, dass in dem Gesetz nur die Hauptlinien der Regeln stehen. Inzwischen sind die einzelnen Regelungen ausgearbeitet, so dass das neue Gesetz am 1. April 2002 in Kraft tritt.

Ziel des Flora- und Faunagesetzes

Das Ziel des Flora- und Faunagesetzes ist der Erhalt der Pflanzen- und Tierarten, die wild vorkommen. Ein zweites Ziel des Gesetzes ist, dass alle wild vorkommenden Pflanzen und Tiere grundsätzlich in Ruhe gelassen werden, nicht nur die seltenen Arten.

Welche Pflanzen- und Tierarten geschützt werden sollen, steht im Gesetz. Der Schutz erfolgt auf drei Weisen:

* Erstens durch das Verbot von Handlungen, welche die Erhaltung von wild lebenden Pflanzen und Tieren unmittelbar in Gefahr bringen könnten.

* Zweitens können kleine Objekte oder Gelände in Holland, die für das Weiterbestehen einer bestimmten Tierart von großer Bedeutung sind, als geschütztes Gebiet ausgewiesen werden.

* Und drittens können bedrohte Tierarten auf der Roten Liste aufgenommen werden. Das verpflichtet die Behörden spezielle Schutzmaßnahmen für diese Arten zu treffen.

Die Behörde sorgt für Lebensraum durch die Zuweisung von geschützten Naturschutzgebieten, nationale Parks und Naturmonumente oder durch die Bereitstellung von Vogelschutzzonen. In diesen Gebieten ist die Jagd meistens vollständig verboten.

Geschützte Tierarten

Nach dem Flora- und Faunagesetz sind folgende Pflanzen-und Tierarten geschützt und dürfen nicht gejagt werden:

* alle Säugetiere, die von Natur aus in Holland wild vorkommen, mit Ausnahme von der braunen Ratte, der schwarzen Ratte und der Hausmaus

* alle Vogelarten, die von Natur aus in dem Gebiet der Mitgliedstaaten der EU wild vorkommen

* alle Amphibien und Reptilien, die von Natur aus in Holland wild vorkommen

* Fische, Krusten- und Muscheltiere, soweit sie nicht unter das Fischereigesetz fallen

* bestimmte ausgewiesene Insekten (z.B. Schmetterlinge, Libellen und Ameisen).

Ein neues Verhältnis zu den Tieren

Die bahnbrechende Leistung des Flora- und Faunagesetzes ist das neue Verhältnis zu den Tieren. Bisher wurden auch in der niederländischen Gesetzgebung die Tiere immer ausschließlich vom Standpunkt des Menschen aus betrachtet: Sie waren nützlich oder schön oder schädlich. Jetzt werden Tiere auch geschützt, weil ihre Existenz an sich wertvoll ist.

Die Betonung des Eigenwerts der Tiere stellt im Vergleich zur antiquierten Gesetzeslage in Deutschland einen Meilenstein dar und sollte Vorbildwirkung für die anderen europäischen Länder haben.

Sorgepflicht

Von dieser Idee aus ist auch die Sorgepflichtbestimmung entstanden. In dieser Bestimmung steht: »Jeder trägt genügend Sorge für die wild lebenden Tiere und Pflanzen, sowie für ihre unmittelbare Lebensumgebung.« Das gilt für jeden Bürger und für alle holländischen Tierarten.

Jagd

Das Flora- und Faunagesetz erlaubt die Jagd nur noch auf sechs wilde Tierarten: den Hasen, den Fasan, das Rebhuhn, die Stockente, das Kaninchen und die Ringeltaube, wobei das Rebhuhn z.Zt. nicht gejagt werden darf, da es auf der Roten Liste steht. Dass die Bejagung dieser Tiere noch gesetzlich erlaubt ist, bedeutet jedoch nicht, dass das ganze Jahr hindurch Jagd auf sie gemacht werden darf. Pro Tierart ist im einzelnen festgelegt, wann sie gejagt werden darf. Die Jagd wird jedoch nie eröffnet in Naturparks und in Vogelschutzzonen, die vom Ministerium von LNV (Landwirtschaft, Naturverwaltung und Fischerei) zugewiesen sind.

Als Zugeständnis an die Landwirtschaft wurde in das Gesetz auch eine Ausnahmeregelung zur Wildschadenkontrolle aufgenommen: Unter besonderen Umständen (wie z.B. schweren landwirtschaftlichen Schäden) dürfen Tiere, die zu den geschützten Tierarten gehören, getötet oder gefangen werden. Für diesen Fall muss die Provinz vorher eine Aufhebung der Polizeiverordnung erteilen. Dafür gibt es drei Bedingungen: Erstens darf es keine andere Lösung geben - d.h alle anderen Lösungen müssen ausgeschöpft sein -, zweitens darf die Tierart nicht vom Aussterben bedroht sein und drittens muss es sich um beträchtliche Schäden an Gewächsen oder Vieh handeln.

Schadensersatz durch Fond geregelt

Wenn Tiere Schaden verursachen, wird nicht automatisch Zustimmung gegeben, diese auch zu bekämpfen. So können Dachse - eine geschützte Art - großen Schaden bereiten an Gewächsen und Boden, indem sie von den Gewächsen essen und im Weideland nach Regenwürmern graben. In diesem Fall kann der Grundbenutzer, der Schaden hat, einen Schadensersatz beantragen beim Faunafonds. Pro Jahr werden ungefähr 10 Million Gulden (gut 4,5 Millionen Euro) an Schadenersatz bezahlt. Die Schadensersätze sollen dafür sorgen, dass Bauern die - für sie schädlichen - Tiere auf ihrem Land leben lassen, so dass für diese Tiere ein Lebensgebiet sichergestellt ist.





Zu viele Ausnahmeregelungen

Flora- und Faunagesetz: Schutzprinzip wird angegriffen - zu viele Ausnahmeregelungen vom Jagdverbot

Übersetzung aus: Argus 3-4/2000, Zeitschrift von De Faunabescherming


Das Flora- und Faunagesetz

Das Flora- und Faunagesetz ist ursprünglich ein Schutzgesetz. Es handelt sich aber um ein Rahmengesetz, das in verschiedenen allgemeinen Maßnahmen vom Vorstand näher ausgearbeitet werden soll. Inzwischen stellt sich heraus, dass in dieser näheren Ausarbeitung das Schutzprinzip ernsthaft angegriffen ist. So sind viele Ausnahmen möglich um geschützte Tiere doch zu töten.

Unsere Folgerung daraus ist: Das Ministerium für Landwirtschaft, Naturverwaltung und Fischerei hat dafür gesorgt das Gesetz so zu gestalten, dass alle Möglichkeiten, die das Jagdgesetz bot um Tiere zu jagen und zu töten, durch Ausnahmeregelungen auch jetzt möglich sind. Dadurch wird der Schutz für die Tiere nicht verstärkt. Schlimmer noch: die Möglichkeiten Tiere zu töten sind sogar größer geworden.

Ausgangspunkt des Gesetzes

Ausgangspunkt des Flora- und Faunagesetzes ist der Schutz von allen wild lebenden Tieren. Dabei wird auch der wesentliche Wert der Tiere an sich erkannt.

Als geschützte einheimische Tiere sind die folgenden Arten ausgewiesen:

- alle von Natur aus auf den Europäischen Gebieten vorkommende Vogelarten;

- alle von Natur aus in den Niederlanden vorkommende Amphibien und Reptilien;

- alle von Natur aus in den Niederlanden vorkommende Säugetiere, mit Ausnahme von der braunen Ratte, schwarzen Ratte und Hausmaus;

- alle Fische, Schal- und Muscheltiere, soweit sie nicht unter das Fischereigesetz fallen.

Für alle weiteren Tierarten gilt, dass sie nur geschützt sind, wenn sie ausgewiesen sind vom Vorstand für Allgemeinen Maßnahmen (AMvB).

Gesetzliche Ausnahmen auf Schutz

Das Gesetz würde ein Gesetz nicht sein, wenn für diesen Schutz nicht allerhand Ausnahmen gemacht werden können.

Zunächst sind einige Tierarten ausgewiesen als »wild«, was bedeutet, dass diese Tiere nach wie vor aus Vergnügen gejagt werden dürfen. Das betrifft die Arten Kaninchen, Hase, Fasan, wilde Ente, Ringtaube und Rebhuhn. Für diese letzten Arte gilt, dass die Jagd auf diese nicht eröffnet werden wird, solange diese Arten auf der Roten Liste stehen.

Dann werden Ausnahmen gemacht für allgemein vorkommende Tierarten, die vielfach Schaden verursachen in der Landwirtschaft. Die Tierarten, die dabei ausgewiesen werden, dürfen von Grundbesitzern zerstört oder sogar getötet werden. Dabei ist unterschieden zwischen einer Liste mit Arten, die im ganzen Land Schaden verursachen und vom Ministerium ausgewiesen werden, und Arten, die in Teilen des Landes Schaden verursachen, und von den verschiedenen Provinzen ausgewiesen werden.

Schlussendlich können Erlassungen erteilt werden um Tierarten zu bekämpfen, wenn dies für eine der folgenden Interessen notwendig ist:

- im Interesse der Volksgesundheit und öffentlichen Sicherheit;

- im Interesse der Sicherheit vom Luftverkehr;

- zur Vorbeugung von bedeutenden Schäden an Gewächsen, Vieh oder betrieblicher Fischerei;

- zur Vorbeugung von Schäden an Flora und Fauna.

Diese Belange wurden auch schon aufgenommen im Jagdgesetz. Dabei war zugleich Bedingung, dass keine andere befriedigende Lösung als die Bejagung der Tiere vorhanden ist, und diese Bedingung ist so übernommen im Flora- und Faunagesetz. Der größte Unterschied des Flora- und Faunagesetzes zum Jagdgesetz ist, dass das Ministerium von Landwirtschaft, Naturverwaltung und Fischerei nun das Mitbestimmungsrecht bezüglich der Vollziehung der Amtsführung nahezu in seiner Ganzheit übertragen hat an die Provinzen. Es sind also jetzt die Provinzen, die in Zukunft verantwortlich sind für das Erteilen von den Enthebungen.



Fuchsjagd in den Niederlanden

– Quo vadis, Reineke?

Von Dag Frommhold

In den Niederlanden gilt seit dem 2. April 2002 das „Flora- und Faunawet“, ein Natur- und Tierschutzgesetz, das neben zahlreichen anderen Arten auch den Fuchs ganzjährig vor jägerischen Nachstellungen schützen sollte. Auf massiven Druck der niederländischen Jägerschaft darf seit dem 12.4.2006 unter dem Deckmantel des Vogelschutzes nun wieder ganzjährig Hatz auf Meister Reineke gemacht werden – obschon ein großangelegtes, staatlich mitfinanziertes Forschungsprogramm gänzlich andere Schlussfolgerungen nahe legt.

Als das Flora- und Faunagesetz („Flora- en Faunawet“) in den Niederlanden im April 2002 nach fast fünfzehnjähriger Bearbeitung und trotz massiven Widerstands der Jägerschaft schließlich in Kraft trat, war die Freude im Lager der Natur- und Tierschützer groß. Neben zahlreichen anderen Verbesserungen des Schutzes wildlebender Tier- und Pflanzenarten wurde der Katalog jagdbarer Tiere von zuvor 96 auf nunmehr sechs drastisch zusammengestrichen. Unter den seitdem geschützten Wildarten befand sich auch Vulpes Vulpes, der Rotfuchs – europaweit ein Novum, zählt Reineke doch zu jenen Arten, die in den meisten Ländern als Pelzlieferanten, Hühnerdiebe oder vermeintliche Schädlinge unter massiven Nachstellungen zu leiden haben. Auch in den Niederlanden wurden vor Einführung des Flora- und Faunagesetzes jährlich etwa 14.000 Füchse von Jägern getötet.

Die Proteststürme von Hühnerfarmern und insbesondere Jägern ließen angesichts dieses Affronts der damaligen Mitte-Links-Regierung und der sozialdemokratischen Landwirtschaftsministerin Faber nicht lange auf sich warten. Jagdfunktionäre malten Horrorszenarien explodierender Fuchsbestände, massenweise ausgeraubter Hühnerställe und ausgerotteter Wiesenvogelpopulationen an die Wand, und viele Journalisten griffen diese spektakulären Bilder nur allzu gerne auf, ohne dass auch nur ein einziger wissenschaftlich untermauerter Anhaltspunkt für derartige Befürchtungen existierte. „Fuchs ermordet brütende Hühner!“ war in einer holländischen Tageszeitung zu lesen, „Füchse verschlingen neugeborenes Kalb!“, meldete das Dagblad Waterland, und der Gelderlander berichtete empört von einer über das Land rollenden „Fuchsplage“.

Durch den vorzeitigen Fall der niederländischen Regierung im Sommer 2002 und die sich daran anschließenden Neuwahlen änderte sich das Kräftegleichgewicht im Parlament zugunsten einer Koalition aus Christdemokraten, Rechtsliberalen und der rechtspopulistischen LPF (Lijst Pim Fortuyn). Es dauerte nicht lange, bis jagende Parlamentarier aus diesen Parteien den Schutz des Fuchses massiv zu torpedieren begannen – im November 2002 hatte sich eine gut organisierte Front aus konservativen und rechtsgerichteten Kräften innerhalb des Parlaments gebildet, die den Schutz bedrohter Wiesenvögel als Argument für eine Wiedereinführung der Fuchsjagd ins Feld führten. Insbesondere machten sich die besorgten Volksvertreter – unter ihnen etwa die Christdemokratin Annie Schreijer-Pierik, nebenbei Sprecherin der niederländischen Jägervereinigung KNJV – für die Interessen der Uferschnepfe und des Großen Brachvogels stark, zwei Arten, deren Bestände in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen sind.

Zur selben Zeit begannen einzelne niederländische Provinzen, auf Druck von Jägern und einigen Landwirten Sondergenehmigungen für den Abschuss von Füchsen zu erteilen. Das Flora- und Faunagesetz sieht derartige Ausnahmen für den Fall vor, dass durch bestimmte Tiere lokal erhebliche nachweisbare Schäden verursacht werden. Während etwa Brabant und Limburg für einzelne Regionen auf Antrag Genehmigungen für die Fuchsjagd erteilten, gab das als Jägerhochburg geltende Friesland Meister Reineke gleich auf der ganzen Provinzfläche zum Abschuss frei. Die Umstände, unter denen diesen Abschussanträgen stattgegeben wurde, blieben jedoch zumeist im Dunkeln, und die angeführten Begründungen – zumeist der Schutz lokaler Vogelpopulationen oder Hühnerfarmen – waren bestenfalls fadenscheinig. Die Naturschutzorganisation „Faunabescherming“ klagte dementsprechend auch in zahlreichen Fällen erfolgreich vor Gericht gegen die Vergabe von Sondergenehmigungen zur Fuchsjagd. Ein regelrechtes, von beiden Seiten mit großer Vehemenz geführtes Tauziehen um die Jagd auf Vulpes Vulpes, den größten Beutegreifer der Niederlande, begann und hielt viele Monate an.

In dieser Zeit wuchs der Druck auf den nunmehr für das Landwirtschaftsressort zuständigen christdemokratischen Minister Veerman kontinuierlich. Veerman, zwar selbst Jäger, nach eigener Aussage jedoch nicht vom Sinn der Fuchsbejagung überzeugt, wurde von seinen fuchsjagdbegeisterten Parteikollegen und Koalitionspartnern dazu gedrängt, Meister Reineke „für den Schutz von Uferschnepfe und Großem Brachvogel“ landesweit wieder jagdbar zu machen. Veerman verwies zunächst auf eine großangelegte, staatlich mitfinanzierte Studie zum Einfluss von Beutegreifern auf Wiesenvogelpopulationen, die im Jahr 2000 begonnen und deren Resultate für 2006 erwartet wurden. Er betonte zunächst mehrfach, diese Untersuchung zur Grundlage seiner Entscheidung in Sachen Fuchsjagd machen zu wollen, wurde dann aber im Herbst 2005, ein gutes halbes Jahr vor Abschluss der Forschungsarbeiten, wortbrüchig. Unter dem wachsenden Druck von Jägern und Landwirten brachte er eine Gesetzesänderung ein, die Füchse zur Vermeidung landwirtschaftlicher und ökologischer Schäden zu einer ganzjährig jagdbaren Art erklärt. Zu Beginn des Jahres wurde dieser Entwurf erwartungsgemäß von der rechtskonservativen Parlamentsmehrheit bestätigt. Seit dem 12. April 2006 dürfen nun selbst säugende Fähen getötet, Jungfüchse mit Knüppeln erschlagen und Füchse im Dunkel der Nacht mit Lampen geblendet werden, damit sie leichter zu erschießen sind.

Wolf Teunissen, Leiter des erwähnten Forschungsprojekts, äußert sich äußerst irritiert über die Entscheidung des Ministers. „Gerade im Hinblick auf die Rolle der Prädation gibt es viele Vorurteile und Jägerlatein. Es ist ein Jammer, dass das Ministerium eine so große Summe in Forschungsprojekte investiert, dann aber nicht auf deren Resultate wartet, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.“ Auch der ebenfalls am „Prädationsprojekt“ beteiligte Ornithologe und Wiesenvogelexperte Hans Schekkermann hält die Entscheidung für voreilig: „Unsere Untersuchungsergebnisse sprechen keinesfalls für eine Wiedereinführung der Fuchsjagd“, konstatiert er. „Wir gehen nicht davon aus, dass Fuchsjagd ein probates Mittel ist, um bedrohten Wiesenvogelpopulationen zu helfen.“

Das Projekt „Predatie bij Weidevogels“ gehört mit einer Dauer von sechs Jahren und einem Finanzierungsvolumen von knapp einer Million Euro zu den größten ornitho-ökologischen Untersuchungen, die jemals in den Niederlanden durchgeführt wurden. Ziel war es dabei, die Rolle der Prädation beim Rückgang verschiedener Wiesenvogelpopulationen in unterschiedlichen Regionen der Niederlande zu analysieren. Mit Hilfe aufwändiger Technik – neben Radiotransmittern kamen auch Wärmebildkameras sowie die Videoüberwachung von Nestern zum Einsatz – sollte die Frage geklärt werden, durch welche Faktoren der als Hauptgrund für den Rückgang der Vogelpopulationen identifizierte mangelnde Bruterfolg maßgeblich verursacht wird.

Im Rahmen der Untersuchung wurden für verschiedene Wiesenvogelarten – darunter der Große Brachvogel, der Kiebitz und die Uferschnepfe – sowohl die Ursachen für den Tod von Jungvögeln als auch die Gründe für den Verlust noch nicht ausgebrüteter Eier ermittelt. Dabei ist der Verlust von Jungvögeln für den Bestand einer bedrohten Vogelpopulation in aller Regel kritischer als der Verlust von Eiern: Erfolgt der Verlust des Geleges in einem frühen Stadium, so ist die Möglichkeit einer erneuten Befruchtung noch gegeben; werden dagegen erst die bereits ausgebrüteten Jungvögel getötet, so ist es für eine „zweite Chance“ oftmals schon zu spät.

Die niederländischen Ornithologen stellten fest, dass der Anteil nicht ausgebrüteter Eier sowohl durch landwirtschaftliche Aktivitäten als auch durch Beutegreifer kontinuierlich zugenommen hat. Verluste durch Füchse spielten dabei jedoch nur in einigen wenigen Brutgebieten eine Rolle, während in anderen Untersuchungsarealen trotz dort zahlreich vorhandener Füchse keine Eier von Meister Reineke erbeutet wurden. Ein noch deutlicheres Bild zeigt sich im Hinblick auf Jungvögel: Über alle Untersuchungsgebiete hinweg fielen in den Jahren 2003 bis 2005 ein knappes Drittel der neugeborenen Kiebitze und Uferschnepfen Prädatoren zum Opfer, wobei daran zumindest fünfzehn unterschiedliche Beutegreifer beteiligt waren. Während 15% der durch Beutegreifer getöteten Jungvögel von Marderartigen, 12% von Bussarden, bis zu 18% von Graureihern und 6% von Krähen erbeutet wurden, waren Füchse durchweg für signifikant weniger als 5% des Prädationsanteils verantwortlich.

Interessanterweise zeigte sich, dass die Höhe der Verluste sowohl von Eiern als auch von Jungvögeln weitestgehend von der Anzahl im Brutgebiet lebender Beutegreifer unabhängig war. Landschaftliche und landwirtschaftliche Faktoren schienen in diesem Kontext eine wesentlich größere Rolle zu spielen und zudem auch das Ausmaß zu bestimmen, in dem bodenbrütende Vögel von Beutegreifern erbeutet werden konnten. In flurbereinigten, trockengelegten Arealen waren die Verluste durch Beutegreifer beispielsweise deutlich größer als in weitgehend naturbelassenen Gebieten mit zahlreichen Teichen. Außerdem erwies sich die vorhandene Deckung als Einflussgröße von erheblicher Bedeutung: Wo Wiesen, die bodenbrütenden Vögeln als Sichtschutz vor Beutegreifern dienen konnten, erst spät in der Saison gemäht wurden, verzeichneten die Wissenschaftler erheblich geringere Verluste als auf früh abgeernteten Flächen.

Ganz offensichtlich handelt es sich beim Rückgang bedrohter Wiesenvogelpopulationen – das gilt für Deutschland ebenso wie für die Niederlande – um ein komplexes Problem, für das eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren verantwortlich ist. Hier wie dort gibt es jedoch nicht den geringsten Grund zu der Annahme, dass ausgerechnet die flächendeckende Bejagung des Fuchses Auswege aus einer Misere bietet, die durch die massive Umgestaltung unserer Landschaft zur Agrarsteppe, durch Flurbereinigung und maschinell betriebene Landwirtschaft ihren Anfang genommen hat. Wird hier möglicherweise der Fuchs zum Sündenbock für fundamentale Fehler in der Landbewirtschaftung gemacht? Deutet die Eile, mit der die Wiedereinführung der Fuchsjagd so kurz vor Veröffentlichung der Resultate einer mehrjährigen, staatlich geförderten Untersuchung umgesetzt wurde, nicht vielleicht sogar darauf hin, dass jagende Politiker vollendete Tatsachen schaffen wollten, bevor harte Fakten ihre Position in der Auseinandersetzung gravierend schwächen konnten?

Während Jäger ihre Waffen vielerorts bereits wieder mit geeigneten Kalibern für die Fuchsjagd laden, hält man selbst bei staatlichen Organisationen wie der Landverwaltungsgesellschaft „Staatsbosbeheer“, die für große Teile des Veluwe, des größten niederländischen Waldgebiets, zuständig ist, wenig von der Entscheidung des Ministers. „Der Fuchs hat als unser größter Beutegreifer eine wichtige ökologische Funktion“, betont J. Rouwenhorst von Staatsbosbeheer. „In unseren Gebieten werden Füchse seit mehreren Jahren nicht bejagt. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht und haben keine Absichten, diese Politik zu ändern. Für die Füchse im Veluwe wird die Gesetzesänderung keine Konsequenzen haben.“

Nahezu überall sonst warten jedoch wieder jägerische Flinten und Fallen auf Meister Reineke – eine Situation, die niederländische Tier- und Naturschützer nicht einfach hinnehmen wollen. Innerhalb einer einzigen Woche gingen 40.000 Protest-Emails im Landwirtschaftsministerium ein, und auf politischer Ebene machten Vertreter von Sozialdemokraten, Grünen und Sozialisten ihre Empörung deutlich. Im April startete die Naturschutzorganisation „Faunabescherming“ die Aktion „Stoppt die Fuchsjagd“ mit dem Ziel, das ministeriale Votum zu revidieren. Um darüber hinaus die Verfolgung von Füchsen ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren, wurde ein Fotowettbewerb für Bilder ausgeschrieben, die auf frischer Tat ertappte Jäger mit ihrer Beute zeigen.

Ob die Proteste für den Fuchs kurzfristig zu den erhofften Erfolgen führen können, wird sich zeigen. Offen ist jedoch auch, ob die Wiedereinführung der Fuchsjagd noch lange Bestand haben wird, wenn bei den Parlamentswahlen 2007 – ähnlich wie bereits bei den Kommunalwahlen zu Beginn diesen Jahres – sich das Blatt wieder zugunsten einer Mitte-Links-Regierung wenden sollte. Die Fakten sprechen immerhin eine deutliche Sprache: Der als Argument für die Bejagung ins Feld geführte Schutz bodenbrütender Vögel ist nur vorgeschoben; die Verfolgung von Füchsen ist gänzlich ungeeignet, um das Überleben von Uferschnepfe oder Großem Brachvogel zu sichern.

Letztendlich bleibt zu hoffen, dass die Vernunft eines nicht allzu fernen Tages wieder über Jagdlust und althergebrachte Feindbilder von Jägern und Landwirten siegen wird. Und vielleicht wird die aktuelle Diskussion in den Niederlanden auch mithelfen, die nicht minder erbarmungslose Verfolgung des Fuchses in anderen europäischen Ländern in Frage zu stellen.

- Dag Frommhold


Dank gebührt Wendel Schaatsbergen für die Übersetzung zahlreicher niederländischer Texte.


Literatur:

W. Teunissen, H. Schekkerman, F. Willems (2006): Predatie bij weidevogels. Opzoek naar de mogelijke effecten van predatie op de weidevogelstand.

Artikel aus „De Gelderlander“, „Dagblad Waterland“, „Leeuwarder Courant“, „Eemsbode“, „Vierklank“

sowie niederländischen Online-Publikationen De Faunabescherming, www.faunabescherming.nl
A. Hidding, www.vulpesvulpes.nl



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