Ein ernst zu nehmendes Argument oder nur Vorwand?

Von Dr. med. vet. Maximilian Pick, Fachtierarzt für Tierschutz, Icking

Zur Erhaltung des in unserem überbevölkerten Mitteleuropa noch vorkommende Restbestands von wildlebenden Tieren benötigt der hierfür Verantwortliche eine profunde Kenntnis der Wildbiologie und einen nach allen Seiten abwägenden Einblick in die Zusammenhänge zwischen den menschlichen Bedürfnissen und denen des Wildes.

Tatsächlich müsste der Mensch seine Bedürfnisse einschränken, wenn er dem Wild mehr Chancen einräumen wollte. Eine deutliche Beschneidung der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft wäre hier Stelle zu nennen. Aber auch einer Freizeitbeschäftigung in der freien Natur könnte mit Rücksicht auf das Wild nicht allgegenwärtig nachgegangen werden. Die deutlich spürbaren Einschränkungen würden von der Bevölkerung aber sicherlich eher akzeptiert werden, wenn die Betroffenen nicht das Gefühl hätten, dass diese Opfer vor allem in Interesse des beutemachenden Jägers lägen. Dieser aber gibt gerade durch die Devise der »Hege mit der Büchse« vor, sich um die Erhaltung des Wildbestandes zu kümmern. Die wahren Motive sind jedoch leicht durchschaubar und machen die Jagdgenossen unglaubwürdig.

Unter einer Hege versteht der normale Mensch das Umsorgen und Erhalten der Gesundheit und des Wohlseins eines Tieres. Dies will der Jäger auch mit dem Wort Hege suggerieren: Durch den Abschuss behauptete er, den Tierbestand reduzieren zu wollen, um so die Einzeltiere gesund zu erhalten. Ferner soll so die natürliche Futtergrundlage für das Wild gesichert und Schäden von der Land- und Forstwirtschaft fern gehalten werden. Dies mag für einzelne Wildarten, wie das Schalenwild (Rehwild, Rotwild, Schwarzwild) manchmal gelten. Die meisten anderen Wildarten bedürfen jedoch nur in Ausnahmefällen einer »Hege mit der Büchse«. Selbst beim Schwarzwild kommen jedem normal denkenden Menschen Zweifel an den Motiven der Jäger: warum sollte man mit Abschüssen einen Bestand reduzieren, wenn man ihn vorher mit Winterfütterungen - wie beim Rehwild - hochgepäppelt hat. Selbst das von Jägern vielfach wie ein Schädling behandelte Schwarzwild (Wildschweine) erhält abgesehen von der in Frage zu stellenden Ablenkfütterung außerdem eine Winterfütterung. Beginnt man aber die Reduzierung des Wildes schon beim Füttern, wird der Jäger nicht mehr so viel vor die Büchse bekommen. Dies ist aber zweifelsohne der Hauptgrund für Winterfütterungen: gute Trophäen in genügender Zahl. Die Hege mit der Flinte (Schrot auf Niederwild) ist eine noch zweifelhaftere Angelegenheit, denn Federwild wird nur in seltenen Fällen durch einen Überbesatz zu einer Gefährdung für die Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft. Außerdem sorgen Beutegreifer oder das Haar-Raubwild ? so es nicht durch Jäger kurz gehalten wird - für einen vernünftigen Ausgleich. Aber auch dieses ist nicht im Sinne der Jäger. Das Federwild, welches der Jäger erlegen will, soll nicht durch das raubwild bedroht werden, deshalb schießt er beides und nennt es dann hege mit der Flinte (oder Büchse). Die Reduzierung zahlreich vorkommender oder zum Federwild gehörender Vögel wie z.B. Möwen oder Rabenkrähen ist mit der Flinte ohnehin kaum möglich, es sei denn sie wird flächendeckend zu gleicher Zeit in allen Revieren durchgeführt. In einigen Fällen ist die missverstandene Hege mit ein Grund für das Ungleichgewicht in Wald und Feld. Die Treibjagd auf den ohnehin zurückgehenden Hasenbestand befriedigt zwar die Jagdlust der Teilnehmer, ist aber sicher das Gegenteil einer Hege.

Das Hauptinteresse des Jägers ist der Abschuss, die Hege ist nur ein vorgeschobenes Argument. Wie sonst wäre der Jagdtourismus zu erklären? Oder sollte der Bär in Kanada oder der Puma in Argentinien etwas auch hegebedürftig sein?


... Aus Lust am Töten...

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